BUND Jena streitet weiter gegen Unterführung an Camsdorfer Brücke

Jena  BUND-Kreisvorstand gegen Radwegunterführung an Camsdorfer Brücke – Zentrum: Vorfahrt für Bahn, Rad, Fußgänger!

BUND-Kreisvorstand: Bastian Stein, Stefan Jakobs, Guido Stelzle, Edeltraud Kotzanek Foto: Stridde

BUND-Kreisvorstand: Bastian Stein, Stefan Jakobs, Guido Stelzle, Edeltraud Kotzanek Foto: Stridde

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Das versteht sich fast von selbst: Der seit 1996 bestehende Jenaer Kreisverband des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) mit seinen über 400 Mitgliedern hat soeben einen vierköpfigen Vorstand neu gewählt – und der gibt sich um klare Positionen zu "grünen" Streitthemen in dieser Stadt nicht verlegen.

Beispiel Radwegführung an der Camsdorfer Brücke, wofür noch zwei Westseiten-Varianten offiziell zur Debatte stehen: die Unterquerung unterm Brückenbogen samt Beeinflussung eines Biotops oder die oberirdische Nord-Süd-Querung. "Die Unterquerung mit dem Eingriff ins Biotop ist nicht die von uns unterstützte Lösung", sagte gestern der Vorstandsvorsitzende Stefan Jakobs, Physiker von Beruf und Chef eines von ihm 1998 mitgegründeten Optikunternehmens. Schließlich dürfe der Kreisverband in besonderer Weise für sich beanspruchen, das Problem von beiden streitenden Seiten aus zu sehen – aus Radfahrer- und aus Naturschützer-Blickwinkel.

Tatsächlich dürfe man den Nutzen einer Unterführung ernsthaft bezweifeln, sagte Vorstandsmitglied Guido Stelzle, der beruflich ein Ingenieurbüro für energiewirtschaftliche Optimierung führt. – Stelle man in Rechnung, dass viele Radler aus Richtung Wenigenjena schon auf der Ostseite bei der "Grünen Tanne" die Straße queren, dann zeichne es sich eindeutig ab: An der "Grünen Tanne" nicht die Querung gewählt, sondern geradeaus über die Brücke gefahren, um vorm Eisenbahndamm rechts bei der Evangeliumsgemeinde (Am Saaleufer 1a) einen Bogen zu nehmen und in die Unterführung zu gelangen, wäre der Weg doppelt so lang, so rechnete Stelzle vor. "Das führt definitiv an der Sache vorbei." Und: Weshalb werde nicht ein Fußgängerüberweg – ein so genannter Zebrastreifen – zwecks Querung an der "Grünen Tanne" eingerichtet?, fragte Stelzle. Gerade habe er seine Schwester in der Schweiz in Basel besucht, wo allerorts Zebrastreifen eingerichtet seien, an denen allein der Tram ein Vorrang vorm Fußgänger zukomme. Typisch Schweiz? Denkste! Paragraph 26 der deutschen Straßenverkehrsordnung lasse ebenso allein den Schienenfahrzeugen Vorrang vor den Fußgängern. "Man ist es nur nicht gewohnt, aber rechtlich geht es", sagte Stelzle. Insofern sei es ärgerlich, dass die Stadtverwaltung die Querungsvariante bei der "Tanne" mit dem Argument "Geht nicht!" abgehakt habe.

Gesunde Lebensmittel und Exkursionen

Stefan Jakobs ist sich sicher, dass das Problem der gefährlichen Straßenquerungen nach Freigabe einer Brückenunterführung fortbestehen würde, zumal an jener Stelle zwei Drittel der Radler aus Jena-Ost kämen.

In summa dürfe man der Stadtpolitik und -verwaltung heute gute Noten bei der Förderung des Radverkehrs ausstellen. Nach der Wende habe man bei Null anfangen müssen, sagte Jakobs. "Bei allen Neubauprojekten der letzten zehn Jahre sind die Belange des Radverkehrs berücksichtigt worden", möge es auch nach wie vor augenfällig sein, dass es wenige durchgehende Rad-Routen in Jena gebe.

Für die Innenstadt wünscht sich der BUND-Kreisverband eine "klare Prioritätensetzung" zu Gunsten des Umweltverbundes aus Nah-, Radverkehr und Fußgängern, so sagte Stefan Jakobs. Das sei zudem der einzige Weg, um gebührend Freiraum für jene Verkehrsteilnehmer zu schaffen, die keine Alternative zur innerstädtischen Nutzung des Pkw haben.

Ein anderes großes Thema für den Kreisverband heißt "Gesunde Lebensmittel". Nach einigen Gesprächsrunden mit Lebensmittel-Erzeugern im vergangenen Jahr solle 2017 verstärkt mit dem Handel das Gespräch gesucht werden, berichtete Stefan Jakobs. Dann solle etwa der Frage nachgegangen werden, woher Bio-Produkte kommen. Unbestreitbar sei die Zahl der Bio-Erzeuger in unserer Region noch überschaubar. Viele Erzeuger verträten die Meinung, der Markt frage nicht hinreichend nach.

Klar, die Supermärkte verfügten über bestens ausgefeilte Marketing- und Vertriebswege. Und so reiche es eben nicht aus, wenn regionale Erzeuger – wie in Jena zu beobachten – Lokalitäten für den Verkauf einrichten. "Die Professionalisierung des Vertriebs hat auch für sie Zukunft", sagte Bastian Stein. Der Stadtrat und Kreissprecher der Jenaer Bündnisgrünen (beruflich als Umweltmanagement-Beauftragter einer Firma tätig) gehört wie die Diplom-Ökonomin Edeltraud Kotzanek ebenfalls zum Vorstandsquartett.

Mit "gesunden Lebensmitteln" hat auch die Einladung des Vorstands an die Mitbürger zur Busfahrt nach Berlin am 21. Januar zu tun. Dann wollen die Jenaer zum Start der Nahrungsgütermesse "Grüne Woche" unterm Motto "Wir haben es satt" bei einer Demo in den Ruf nach Abkehr von der Massentierhaltung einstimmen.

Und für die Terminkalender: Ein Kernstück des Kreisverbandslebens sind die familienfreundlichen Radtouren und Exkursionen. Anfang Mai ist eine Ausfahrt in das naturbelassene Waldgebiet "Hohe Schrecke" an der Grenze zu Sachsen-Anhalt geplant. "Das mag nicht auf der alltäglichen Ausflugsliste stehen", sagte Stefan Jakobs. Doch sei auch dieses Ziel wieder für Erwachsene und Kinder gleichermaßen attraktiv. Das Attribut beanspruche man auch für die traditionelle Tour am Himmelfahrtstag – diesmal geht es nach Geraberg in einen Teil des Biosphärenreservats.

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