Corona-Pandemie in Thüringen: So geht es im Herbst weiter

Erfurt.  Die aktuellen Einschränkungen werden verlängert, beim Arbeitsschutz sogar verschärft. Aber es soll Glühwein auf den Weihnachtsmärkten geben.

Im April trug die Kika-Figur „Bernd das Brot“ in Erfurt eine übergroße Atemschutzmaske (Archivfoto).

Im April trug die Kika-Figur „Bernd das Brot“ in Erfurt eine übergroße Atemschutzmaske (Archivfoto).

Foto: Sascha Fromm

Obwohl die Infektionszahlen steigen, weltweit, aber eben auch in Thüringen, gibt sich die thüringische Gesundheitsministerin gelassen. „Wir werden erst einmal nichts ändern“, sagt Heike Werner (Linke). Die aktuelle Allgemeinverordnung, die in einer Woche ausläuft, werde bis Ende Oktober verändert.

Sie hat einen komplizierten Namen und 21 Paragrafen: „Die Thüringer Verordnung über grundlegende Infektionsschutzregeln zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-Cov-2“. Alles ist darin geregelt von der Kontaktbeschränkung, die seit dem Frühsommer nur noch eine Empfehlung ist, über Abstandsgebot und Maskenpflicht bis zu den Begrenzungen für Familienfeiern oder öffentliche Veranstaltungen. Bis zu 100 Menschen können sich im Freien ohne Anmeldung versammeln, in geschlossenen Räumen ist es die Hälfte.

Es bleibt damit auch im Herbst vorerst alles weiter geöffnet und erlaubt, bis auf Diskotheken und Swingerclubs und „sexuelle Dienstleistungen in Prostitutionsfahrzeugen und bei Prostitutionsveranstaltungen“. In den Restaurants müssen, abgesehen von der Außengastronomie – auch künftig die Daten der Gäste erhoben werden.

Papier für die Weihnachtsmärkte hat Werners Ministerium final abgestimmt

Darüber hinaus gibt es Branchenkonzepte. Das Papier für die Weihnachtsmärkte hat Werners Ministerium gerade mit den Veranstaltern und Kommunen final abgestimmt, der Entwurf liegt dieser Zeitung vor. Danach soll es neben den inzwischen überall vorgeschriebenen Hygienekonzepten flexible Obergrenzen geben, die sich nach der Fläche richten. Für jeden Menschen muss ein Bedarf von 2,5 Quadratmetern eingeplant werden. Falls Einkaufszonen oder Straßenbahnen – wie etwa in Erfurt – angrenzen, muss großzügiger gerechnet werden.

Um den Andrang zu begrenzen, sollen Zäune oder Absperrungen errichtet werden, mit dem fast schon gewohnten Einbahnstraßensystem bei den Zu- und Ausgängen. Die Besucher müssten dann an Drehkreuzen oder ähnlichen Einrichtungen gezählt werden.

Bierzelte sind verboten, Glühwein erlaubt

Glühwein und andere alkoholische Getränke soll es geben – auch wenn einige Wissenschaftler und Politiker davor warnen –, aber nur bis 21 Uhr. Bierzelte sind verboten, „wegen der Gefahr der Besucheransammlung und der unzureichenden Lüftung“ wie es in dem Papier heißt. Die Branchenregelung für die Messen und Ausstellungen, in der sich auch grundsätzliche Regelungen zum Arbeitsschutz in allen Unternehmen finden, wurde ebenfalls präzisiert. Laut dem Entwurf wird nun in Firmen eine eingeschränkte Maskenpflicht eingeführt. Wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht zu gewährleisten sei und keine Schutzmaßnahmen wie Trennwände möglich seien, „ist eine Mund-Nasen-Bedeckung zu verwenden“, heißt es im Entwurf.

Auch verlängert wird die Verordnung zur Quarantäne für Infizierte und Reiserückkehrer aus Risikogebieten – wobei es hier eine wichtige Änderung geben dürfte. „Wir werden wahrscheinlich die Dauer der Quarantäne von 14 auf zehn Tage verkürzen“, sagt Werner und verweist auf die laufenden Absprachen zwischen Bund und Ländern.

Es soll mehr getestet werden

Zudem will die Ministerin, so wie bei diesen Verhandlungen besprochen, künftig mehr testen lassen. So wie es bereits bei den Lehrern oder teilweise beim Pflegepersonal der Fall ist, sollen auch in anderen Fällen verstärkt Menschen ohne Symptome untersucht werden. Sie denke vor allem an die Besucher von Pflegeheimen und Krankenhäusern, sagt Werner, aber auch zum Beispiel an Fleischunternehmen.

Darüber hinaus gelten natürlich all die anderen Verordnungen, insbesondere die von Kultusminister Helmut Holter (Linke), die für das gesamte erste Schulhalbjahr 2020/21 konzipiert ist. Der Unterricht in den Schulen und der Besuch der Kindergärten bleibt mit dem vor einem Monat eingeführten, lokal differenzierten Stufenkonzept geregelt. Das heißt, dass bei niedriger Infektionslage (Alarmstufe Grün) jenseits einer teilweisen Maskenpflicht in den Schulen und den üblichen Hygienevorkehrungen alles wieder wie vor der Pandemie läuft. Bei mehreren Infektionen müssen etwa Schüler, die besonders durch eine Ansteckung gefährdet sind, nicht mehr am Präsenzunterricht teilnehmen. Steigt die Zahl der Coronafälle stark an, wird die Einrichtung geschlossen.

So hat noch bis Ende dieser Woche der Kindergarten in Steinbach-Hallenberg zu. Für elf Schulen und Tagesstätten gilt die Warnstufe Gelb – darunter in Erfurt, Jena, Plaue, Bad Salzungen oder Stadtlengsfeld.