Drogen- und Waffenfunde nach Scheinhinrichtung in Weimar

Weimar  Weimar. Nach den Schüssen auf einen Polizisten in Weimar, sind zwei Verdächtige wieder auf freiem Fuß, nach einem Dritten wird gefahndet.

Polizeifahrzeuge am 30. Dezember am Tatort in der Berliner Straße in Weimar. Foto: Marcus Scheidel

Polizeifahrzeuge am 30. Dezember am Tatort in der Berliner Straße in Weimar. Foto: Marcus Scheidel

Foto: zgt

Die Scheinhinrichtung eines 26-jährigen Polizisten vor zwei Wochen in Weimar führt offenbar ins Drogenmilieu.

Rauschgift, Waffen und Munition entdeckten Beamte bei der Durchsuchung der Wohnung eines 22-jährigen Verdächtigen. Die bei der Scheinhinrichtung benutzten Schreckschusspistolen wurde nach Informationen unserer Zeitung ebenfalls im Keller gefunden. Zwei der mutmaßlichen Täter, deren Familien aus dem Kosovo sowie der Türkei stammen, sind wieder auf freiem Fuß; nach dem unbekannten Dritten wird gefahndet.

Für Stephan Brandner ist unverständlich, dass die Verdächtigen kurz nach ihrer Festnahme wieder entlassen wurden. „Es besteht Flucht- und Verdunkelungsgefahr“, sagte der justizpolitische Sprecher der AfD-Fraktion gestern auch mit Blick auf den gesuchten Unbekannten. Darin sieht der Jurist Haftgründe.

Brandner fordert eine „lückenlose und widerspruchsfreie Aufklärung“ der Straftat. Insbesondere geht es um die Details der sogenannten Scheinhinrichtung. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft, sagt Brandner, sei der Vorfall nicht so dramatisch gewesen, wie er dargestellt wurde, auch vom Leiter der Polizeiinspektion Weimar, Ralf Kirsten.

Laut Polizei verhielt es sich so: Zwei Polizeibeamte in Zivil wollten am späten Abend des 30. Dezember in Weimar einen Radfahrer kontrollieren; denn Fahrraddiebstähle kommen dort derzeit häufiger vor. Der 36-Jährige trat jedoch in die Pedalen, woraufhin die Beamten ihn verfolgten – einer im Auto, der 26-Jährige zu Fuß.

Bei dieser Jagd wurde der junge Polizist plötzlich von drei Männern überrascht und umstellt. Sie forderten ihn auf, sich niederzuknien. Es half ihm nicht, dass er sich als Polizist zu erkennen gab: Zwei Täter feuerten mit Schreckschusspistolen, zwei Meter von seinem Kopf entfernt, mehrfach auf den Beamten. Der dritte Täter, hinter dem Opfer, schlug ihm ins Gesicht. Der Polizist musste mit dem Verdacht auf eine Hörschädigung ins Krankenhaus.

„Dass jemand eine Schusswaffe auf Polizeibeamte richtet und abdrückt, ist so ziemlich die härteste Situation“, sagte Polizeichef Kirsten. Der Beamte ist wieder im Dienst. Die ihm angebotene psychologische Hilfe hat er abgelehnt.