Ehemaliger Stasi-IM will mit CDU-Hilfe Bürgermeister in Blankenstein werden

Erfurt  Wer vor der Wahl öffentlich einräumt, in der DDR für die Stasi tätig gewesen zu sein, kann durchaus Bürgermeister werden. Neu ist, dass Christdemokraten solche Kandidaten unterstützen.

Blankenstein im Saale-Orla-Kreis hat einen Bürgermeister der Linken. Das würde die CDU am 5. Juni gern ändern: mit einem Kandidaten, der einräumt, für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit tätig gewesen zu sein. Foto: Peter Hagen

Blankenstein im Saale-Orla-Kreis hat einen Bürgermeister der Linken. Das würde die CDU am 5. Juni gern ändern: mit einem Kandidaten, der einräumt, für das DDR-Ministerium für Staatssicherheit tätig gewesen zu sein. Foto: Peter Hagen

Foto: zgt

Zur Bürgermeisterwahl am Sonntag in einer Woche wird es in den meisten Gemeinden keine Konkurrenzsituation geben. Nur in 129 von 543 Städten und Dörfern bewerben sich zwei oder mehr Kandidaten um das Amt.

Blankenstein im Saale-Orla-Kreis gehört dazu. Seit 2010 ist Ralf Kalich (Linke) ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde mit 765 Einwohnern. Kann sein, dass er am 5. Juni die Wiederwahl verpasst. Sein Mitbewerber weist allerdings eine Besonderheit auf.

Peter Keller, 60, ist ausweislich der Bekanntmachung der Wahlvorschläge ein in Blankenstein wohnender Bauingenieur. Seine Anschrift ist ordnungsgemäß vermerkt. Rechts daneben ist eine Spalte mit „Erklärung“ überschrieben, in der die Kandidaten ja oder nein ankreuzen müssen. Im Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft wird dazu erläutert, die Spalte beinhalte die Antwort des Bewerbers auf die Frage, ob er wissentlich als hauptamtlicher oder inoffizieller Mitarbeiter mit dem Ministerium für Staatssicherheit (. . .) zusammengearbeitet habe. Keller kreuzte „ja“ an.

Pikant dabei: Der Wahlvorschlag wird von den Freien Wählern und von der CDU getragen. „Dann frage ich mich“, sagt Bürgermeister Kalich, „warum mir ausgerechnet die CDU immer wieder meine Vergangenheit als Offizier der DDR-Grenztruppen vorhält“.

Die von OTZ an den CDU-Kreisverbandsvorsitzenden gerichtete Frage nach Kellers Vergangenheit ließ Stefan Gruhner aus allen Wolken fallen. Das sei ihm nicht bekannt gewesen, versicherte er gestern. Klar sei, dass die CDU keine Kandidaten unterstütze, die mit dem MfS zusammengearbeitet haben. Man werde die genauen Umstände von Kellers Nominierung intensiv mit dem CDU-Ortsverband besprechen. Allerdings respektiere er, Gruhner, die gute Zusammenarbeit von Freien Wählern und CDU im Gemeinderat zum Wohle Blankensteins.

Keller selbst sagte der OTZ, er sei erst 18 gewesen, als ihn das MfS angeworben habe. Details seiner Mitarbeit wolle er nicht ausbreiten. Allerdings habe er schon zur Kandidatur vor sechs Jahren, als er die Wahl nur knapp mit 17 Stimmen weniger als Kalich verlor, die Frage nach früherer Stasi-Mitarbeit mit ja beantwortet.