Eine statt bisher 537 Anlaufstellen: Waffen nun zentral registriert

Bisher sind die Daten über 537 Behörden bundesweit zerstreut. Die neue Plattform ist auch eine Konsequenz aus den Amokläufen.

Zum ersten Mal werden alle Waffen zentral registriert. Bisher sind die Daten über 537 Behörden bundesweit verstreut.  Foto: Archiv/dapd

Zum ersten Mal werden alle Waffen zentral registriert. Bisher sind die Daten über 537 Behörden bundesweit verstreut. Foto: Archiv/dapd

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Berlin. Jedes Auto wird in Flensburg erfasst, wenn es gekauft, umgerüstet, um- oder abgemeldet wird. Nur über Waffen haben die Behörden keinen genauen Überblick. Das soll sich jetzt ändern.

Dreieinhalb Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden zieht die Politik die letzte Konsequenz: Zum ersten Mal werden alle Waffen zentral registriert. Bisher sind die Daten über 537 Behörden bundesweit verstreut. Das computergestützte Register wird beim Bundesverwaltungsamt in Köln aufgebaut und soll zum 1. Januar 2013 den Betrieb aufnehmen. Die Innenminister von Bund und Ländern geben heute den Startschuss.

Bisher werden private Waffen (also ohne Polizei und Armee) in jedem Bundesland anders registriert, hier bei der Polizei, dort beim Ordnungsamt, beim Landrat. Die Behörden sind nicht miteinander vernetzt. In 15 Fällen werden noch Karteikarten geführt. In den letzten zwei Jahren wurden die Daten nach einheitlichen Standards elektronisch erfasst. "Eine Kärrnerarbeit", heißt es im Bundes-Innenministerium. Da ist man stolz darauf, dass alle Länder mitziehen und dass die Kosten im Rahmen bleiben. Jede Behörde musste 1000 bis 1500 Euro für Software bezahlen. Der Aufbau der nationalen Plattform schlägt mit rund 1,5 Millionen Euro zu Buche. Legt man alle Ausgaben um, "kostet uns die Aktion pro Waffe 50 Cent", heißt es im Ministerium. Zum Vergleich: Gute Munition für ein Jagdgewehr kostet einen Euro oder mehr, pro Patrone, wohlgemerkt.

An den Zuständigkeiten ändert sich nichts, die Waffen werden weiter vor Ort genehmigt. Entscheidend ist, dass Polizei, Geheimdienste, Zoll und Staatsanwaltschaft rund um die Uhr die Informationen abrufen können. Bisher musste man oft beim Hersteller anfragen, um den Weg einer Waffe bis zum letzten gemeldeten Besitzer zurückzuverfolgen. Rückte die Polizei nachts oder am Wochenende an, so konnte sie oft nicht vorher erfahren, ob in einem Haus ganz legal Waffen vermutet werden müssen.

Nach dem Abgleich aller Daten wird man die genaue Zahl der Waffen ermitteln können. Es zeichnen sich sechs Millionen Waffen in Deutschland ab, vier Millionen weniger als bisher vermutet. Die Zahl der illegalen Waffen im Land wird allerdings auf 20 Millionen geschätzt.

Lesen Sie hierzu einen Kommentar von Miguel Sanches