„Es geht mir um Glaubwürdigkeit“: Der Thüringer Linke-Gegenkandidat Frank Lange im Interview

Am Wochenende hält die Linke in Gotha einen Parteitag ab. Nichts Besonderes, glaubte man – bis Frank Lange am Mittwoch die Partei- und Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow herausforderte.

Frank Lange (46). Der gebürtige Jenaer will neuer Landesvorsitzender der Linken in Thüringen werden. Der Unternehmer betreibt in Weimar gemeinsam mit Gesellschafter Nico Berger die Werbefirma Drauf&Dran mit 20 Beschäftigten. Foto: Peter Michaelis

Frank Lange (46). Der gebürtige Jenaer will neuer Landesvorsitzender der Linken in Thüringen werden. Der Unternehmer betreibt in Weimar gemeinsam mit Gesellschafter Nico Berger die Werbefirma Drauf&Dran mit 20 Beschäftigten. Foto: Peter Michaelis

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Herr Lange, Sie haben überraschend Ihren Hut in den Ring geworfen. Warum wollen Sie Parteivorsitzender werden? Haben Sie als Unternehmer nicht schon genug zu tun?

Doch, ich habe zum Glück genug zu tun. Unsere Firma arbeitet deutschlandweit und auch in der Schweiz. Dass ich jetzt kandidiere, entspringt meinem Demokratieverständnis. Glaubwürdigkeit – darum geht es mir in der Partei, und dazu gehört eben auch die Trennung von Amt und Mandat.

"Es ist schon zu viel Kultur geschliffen worden. Das sollte die Linke nicht fortsetzen."

Sie stammen aus Jena, arbeiten in Weimar. Das sind alles feindliche Schwestern von Erfurt. Sind Sie der linke Herold aus dem Rest der Welt gegen den Zentrismus einer Landeshauptstadt?

Ich will es nicht auf eine Auseinandersetzung zwischen dem Deutschen Nationaltheater Weimar, für das ich mich natürlich stark mache, und Erfurt reduzieren. Ich denke, das Theater Gera-Altenburg gehört da genauso dazu. Es geht um die Theaterlandschaft in Thüringen insgesamt.

Nun muss die oder der Landesvorsitzende der Linken in Thüringen nicht primär die Diskussion darüber führen, aber es muss gesagt werden, wo für die Linke die roten Linien dabei sind. Es ist schon zu viel Kultur geschliffen worden. Das sollte die Linke nicht fortsetzen, und mir fehlt dazu in der Partei die Diskussion.

Sie sind 1997 in die damalige PDS eingetreten, waren dann 2003 beim Bürgerbündnis Weimarwerk und seit 2010 wieder bei den Linken. Man könnte Ihnen vorhalten, dass Sie nicht so recht wissen wo Sie hingehören?

Doch, ich habe mich ja wieder den Linken zugewandt. Das Bürgerbündnis Weimarwerk habe ich immer als lokale Angelegenheit gesehen, keine strömungspolitische.

Ich bin halt ein Mensch, der seine Unzufriedenheit offen äußert. Und Leute, die sich nicht entwickeln, beneide ich nicht.

Sie sind obendrein Mitglied im Liberalen Mittelstand, den manche Ihrer Genossen für so was von Igitt halten.

Es gibt bei der Linken zwei Strömungen, denke ich. Die ökonomische, die vereinfacht gesagt, die Umverteilung von oben nach unten favorisiert. Und die zweite Strömung, die eher eine gesellschaftspolitische Entwicklung in Richtung Demokratie und Geschlechtergerechtigkeit anstrebt. Dieser Richtung fühle ich mich zugehörig.

Das allerdings schließt nicht aus, dass bestimmte Dinge umverteilt werden müssen, zum Beispiel für die Kultur. Man kann gewiss über Erbschaftssteuer reden, meinetwegen auch Millionärssteuer.

Was würden Sie denn anders machen, wenn Sie die Wahl gegen Frau Hennig-Wellsow gewonnen haben?

Ich denke es ist notwendig, dass ein Parteichef die Partei wieder in den Fokus rückt. Die Partei muss das Ziel definieren und die Fraktion, noch dazu, wenn man in der Regierung ist, muss das Machbare definieren. Dazwischen muss es eine Reibung geben. Diese Reibungsenergie fehlt mir im Moment.

Was wir für wichtig halten – zum Beispiel im Leitantrag auf dem Parteitag am Sonntag in Gotha – muss immer wieder in die Öffentlichkeit. 2017 sind Bundestagswahlen. Da werden wir gewählt – und zwar vor allem für Inhalte.

Es haben in der Vergangenheit schon viele Unternehmer versucht, auch in anderen Parteien, in der Politik Fuß zu fassen...

... Das können wir abkürzen. Da habe ich keine Ambitionen über das Ehrenamt hinaus.

Welche Chancen rechnen Sie sich denn am Sonntag aus?

Mindestens rechne ich mir die Chance aus, den Delegierten ins Gewissen zu reden.

Hintergrund: Machtfülle Hennig-Wellsows umstritten

  • Seit zwei Jahren ist die 38 Jahre alte Susanne Hennig-Wellsow Parteichefin der Linken in Thüringen. Dass sie seit einem Jahr gleichzeitig auch die Landtagsfraktion leitet, passt nicht allen Genossen.
  • Die Erfurterin selbst räumt zwar ein: „Die Debatte ist berechtigt, man muss sie führen“, will aber Parteivorsitzende bleiben. Ihr gehe es in der Doppelrolle vor allem darum, dass die Partei nicht ins Hintertreffen komme.
  • Die Linke hat in Thüringen über 5000 Mitglieder und erzielte bei der Landtagswahl 2014 mit 28,2 Prozent ihr bestes Ergebnis seit 1990.

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