Fragen, Recherche und Fakten: AfD-Kreisverband wettert gegen OTZ und Greizer Bibliothek

Greiz  AfD-Kreisverband Greiz bestätigt erneut „Gefährliches Halbwissen“ über kommunalpolitische Fakten und Zusammenhänge.

Durch die Kooperation mit der JVA Hohenleuben hat sich die Greizer Bibliothekschefin Corina Gutmann neue Leser erschlossen. Ihre Einrichtung wurde 2006 ausgezeichnet. Der Greizer AfD-Kreisverband sieht es hingegen in Relation zur Gebührenerhöhung so, dass „Häftlinge bemuttert werden“. Foto: Marcus Scheidel

Durch die Kooperation mit der JVA Hohenleuben hat sich die Greizer Bibliothekschefin Corina Gutmann neue Leser erschlossen. Ihre Einrichtung wurde 2006 ausgezeichnet. Der Greizer AfD-Kreisverband sieht es hingegen in Relation zur Gebührenerhöhung so, dass „Häftlinge bemuttert werden“. Foto: Marcus Scheidel

Foto: zgt

Im Greizer OTZ-Wochenkommentar vom 26. September ging es unter anderem um eine Mitteilung der AfD – Alternative für Deutschland, Kreisverband Greiz-Altenburg, in der behauptet wurde, der Landkreis halte sich aus der Finanzierung der Stadt- und Kreisbibliothek Greiz heraus. Das stimmt nicht, wie im Kommentar „Gefährliches Halbwissen“ dargelegt wurde. Zudem stellte die AfD die Kooperation zwischen Bibliothek und Gefängnis Hohenleuben in Frage.

Am Montag, 28. September, erhielt OTZ eine weitere AfD-Mitteilung, in der – neben Beschimpfungen – auf den Wochenkommentar Bezug genommen wird. Vorgeworfen wird, dass darin eine Meinung zum Ausdruck gebracht wurde. Genau dafür steht aber ein Kommentar im Journalismus: für den namentlich gekennzeichneten Meinungsbeitrag eines Autoren.

Mit „Fakten“ überrascht die AfD. Ihr seien keine Lottomittelvergaben an die Bibliothek bekannt. Im vorigen Jahr hat die Bibo im Thüringer Justizministerium Lottomittel beantragt und erhalten für den Slam-Poetry-Workshop im Hohenleubener Gefängnis. AfD behauptet, dass es von der Bundeszentrale für politische Bildung und vom Lesezeichen e. V. Geld für Veranstaltungen, aber nicht für die JVA-Reihe gab. Richtig ist, dass die Landeszentrale (!) für politische Bildung und Lesezeichen Partner der Bibliothek sind, die etwa Lesungen – auch im Knast – gemeinsam veranstalten. Bedeutet: Die Bibliothek übernimmt die Organisation, die Partner die Finanzierung.

AfD behauptet, dass es im Juli 1200 Euro von der Kreis-, Kultur- und Sportstiftung für die Finanzierung der Stelle des Kulturfreiwilligen gab. Richtig ist, dass es dafür 1200 Euro von der Sparkassen-Kulturstiftung gab.

Die 10 000 Euro Preisgeld vom Thüringer Bibliothekspreis sollten nicht fürs Bemuttern von Häftlingen eingesetzt werden, so AfD. Den Preis haben die Greizer 2006 gewonnen. Die Knast-Kooperation existiert seit 2012. Das Geld war da schon ausgegeben, für Hard- und Software sowie Einrichtung der Kinderecke in der Musikbibliothek.

Den Deutschen Lesepreis 2014 hat die Bibliothek für die Zusammenarbeit mit der JVA Hohenleuben gewonnen und die 2000 Euro Preisgeld sind an Aktivitäten der Leseförderung und Resozialisierung im Gefängnis gebunden.

Das Knast-Projekt werde von AfD angesichts der Bibliotheksgebührenerhöhung in Frage gestellt. Die sieht so aus: Ein bis zwei Euro wird die Jahreskarte teurer, die Säumnisgebühren sind künftig 15 beziehungsweise 25 Cent pro Woche teurer. Neu ist, dass fünf Euro Bearbeitungsgebühr für einen Mahnbescheid verlangt werden.

Es gibt auch eine von Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) und Bibliotheksleiterin Corina Gutmann unterschriebene Reaktion zur Mitteilung vom Montag: „Die in der Pressemitteilung der AfD dargestellten Fakten zur Stadt- und Kreisbibliothek Greiz entsprechen nicht der Wahrheit, ebenso nicht zum Thema Lottomittel, Preisgelder und Förderbescheide. Angebracht wäre es, sich im Vorfeld sachkundig zu machen.“ Auf sachliche Fragen wollen die Unterzeichner gern antworten.

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