Gedenken an Friedenslinde in Merlach

Vor 360 Jahren, am 22. Juli 1650, wurde anlässlich der Beendigung des Dreißigjährigen Krieges (1648) in Merlach, nahe des heutigen Dreierhäuschens an der B 93, eine Linde gepflanzt. Zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis fand gestern eine kleine Feierstunde statt.

Der Giebaer Posaunenchor begleitet die Enthüllung der neuen Gedenktafel an der Friedenslinde.

Der Giebaer Posaunenchor begleitet die Enthüllung der neuen Gedenktafel an der Friedenslinde.

Foto: zgt

Merlach. Der Gößnitzer Bürgermeister Wolfgang Scholz (Initiative Städtebund) sprach in seiner Rede von der Freude der Menschen, dass der verhängnisvolle Krieg zu Ende gegangen war. Sie feierten damals ebenso die Rückkehr des Ponitzer Rittergutsbesitzers Wolfgang Conrad von Thumbshirn, der die Friedensverhandlungen von Münster und Osnabrück maßgeblich mitbestimmt hatte. An der alten Handelsstraße zwischen Leipzig und Zwickau, die sich mit der Straße von Schmölln nach Meerane kreuzt, entstand mit der Friedenslinde im Laufe der Jahrhunderte ein mächtiges Wahrzeichen. "Der Baum wuchs und gedieh prächtig, er wurde der schönste Baum weit und breit", zitierte der Bürgermeister den verdienstvollen Gößnitzer Heimatforscher Walter Rabold und nannte einige beeindruckende Maße dieses Baumes. Aus einem Stamm von nur drei Metern Höhe entfaltete die Linde elf Meter breit ihre Äste. Die Kronenbreite belief sich auf 22 Meter, der Stammumfang erreichte mit acht Metern respektable Maße ebenso wie die Höhe von 14 Metern. Zwischen den beiden Weltkriegen versammelte sich die Jugend zur Sonnenwendfeier unter ihrem schützenden Dach. 1954 wurde sie als Naturdenkmal anerkannt. 1975 und 1978 setzten sie Übeltäter in Brand. Die Linde erlitt ebenso Sturmschäden. So war sie nicht mehr zu retten und musste beseitigt werden. Doch 1985 und 1995 wurden zum Gedenken an den 2. Weltkrieg Ersatzpflanzungen vorgenommen.

Siegfried Etling vom Ponitzer Kultur- und Heimatverein sprach davon, dass ihn der damalige Verlust der Linde als studierter Gärtner besonders geschmerzt habe. Die Brandstifter hätten wohl vergessen, dass auch Bäume Lebewesen seien. Er knüpfte den Faden von der Friedenslinde zum Friedensbringer Thumbshirn, zur Friedenskirche in Ponitz bis in die immer noch kriegerische Gegenwart. "Kriege passen nicht mehr in unsere Welt", betonte Etling. "Es wird Zeit, dass Vernunft und Diplomatie sich endlich durchsetzen." Die Bewahrung der Umwelt, soziale Gerechtigkeit, die großen Probleme in der Welt erfordern die totale Abrüstung.

"Und gerade wir Deutschen haben eine besondere Verantwortung." Auf Thumbshirn, der den ersten europäischen Friedensvertrag mit ausarbeitete und durchsetzte, "können wir stolz sein."

Dass dieser Gedanke Thüringer und ihre sächsischen Nachbarn vereint, wurde an der Anwesenheit von Kommunalpolitikern umliegender Städte und Gemeinden und natürlich von Heimatvereinen deutlich.

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