Gespräch über Höllentalbahn am Prellbock bei Blankenstein

Blankenstein  Nach einer Reaktivierung der Höllentalbahn sollen ausschließlich Holz-Transporte rollen – niemals Chemikalien

Bodo Ramelow am Prellbock bei Blankenstein. Mit Landtagsmitglied Ralf Kalich (Linke) und dem bisherigen Blankensteiner Bürgermeister Peter Keller (FW-CDU/von rechts) wird über die Notwendigkeit der Höllentalbahn gesprochen.

Bodo Ramelow am Prellbock bei Blankenstein. Mit Landtagsmitglied Ralf Kalich (Linke) und dem bisherigen Blankensteiner Bürgermeister Peter Keller (FW-CDU/von rechts) wird über die Notwendigkeit der Höllentalbahn gesprochen.

Foto: Peter Hagen

Thüringen und Bayern brauchen die Reaktivierung der Höllentalbahn, um die Straßen vom Lkw-Verkehr mit den vielen Holztransporten zu entlasten. Mit Nachdruck hat darauf jetzt noch einmal Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hingewiesen.

Bahn-Vorstand erhebt derzeit keine Einwände

An der Schwelle zum neuen Jahr begab sich Ramelow auf die letzten Schwellen des Blankensteiner Gleisstücks, das kurz vor der Landesgrenze zu Bayern an einem Prellbock endet. „Wir wollen hier durch“, scheint Ramelow seinem bayerischen Amtskollegen Markus Söder (CSU) zurufen zu müssen und zeigt sich optimistisch: „Im Jahr 2018 haben wir erreicht, dass sich der Gesamtvorstand der Deutschen Bahn zum Projekt Höllentalbahn bekannt hat. Der Vorstand hat mir schriftlich bestätigt, dass die Untersuchung zum Kosten-Nutzen-Effekt für die Höllentalbahn jetzt vorangetrieben werden soll.“

Das Bekenntnis zur Wiederbelebung der Höllentalbahn sollte ursprünglich in der Vorweihnachtszeit mit einer Dampflokomotive an eben jener Stelle bekräftig werden, an der nun einige Tage später Ramelow mit Landtagsmitglied Ralf Kalich (Linke) und dem bisherigen Blankensteiner Bürgermeister Peter Keller (FW-CDU) alleine steht. Der Dampflok war bedauerlicherweise in Saalfeld die Puste ausgegangen. Ramelow aber zeigt, dass er einen langen Atem hat.

Bei der Jungfernfahrt auf der ICE-Trasse zwischen München und Berlin nutzte er die Gelegenheit, im Gespräch mit dem bayerischen Staatsminister Joachim Herrmann sowie Bahn-Vorstand Richard Lutz auf die Möglichkeit aufmerksam zu machen, täglich bis zu 300 Lkw-Fuhren mit Holz aufs Gleis zu bringen. „Wir stehen weiter zu dieser Vereinbarung“, bekräftigte zwischenzeitlich der Bahn-Vorstand, wonach keine Einwände gegen eine wirtschaftlich tragfähige und nachhaltig nutzbringende Reaktivierung der Höllentalbahn im Streckenabschnitt Blankenstein-Marxgrün bestünden. Letzter Sachstand war, dass die Anforderungen der zuständigen Planfeststellungsbehörde in Mittelfranken erwartet würden. „Mit der ZPR-Geschäftsführung habe ich mehrfach positiv darüber geredet, dass wir dieses Projekt gemeinsam vorantreiben wollen“, blickt Ramelow auf zurückliegende Schritte und Aktivitäten. Und will schon jetzt, da auf einer Länge von knapp sechs Kilometern noch das Gleis fehlt, zugemauerte Tunnel wieder geöffnet und eine neue Brücke gebaut werden müssen, Ängsten vorbeugen: „Jeden einzelnen Lkw-Fahrer wird Mercer brauchen.“

Personenverkehr ist vorerst kein Thema

Der Ministerpräsident denkt schon an die Zeit, wenn das Holz nicht mehr auf der Straße vom Lagerplatz im tschechischen Cheb zur ZPR trans­portiert wird. Allein im Friesauer Sägewerk könne nach seinem Kenntnisstand sofort eine ­weitere Schicht eingeführt werden, wenn nur genügend Arbeitskräfte vorhanden wären, erzählt Ramelow. „Das heißt, den Lkw-Fahrern kann man ganz klar sagen, dass es für sie eine Perspektive und eine gesicherte Zukunft gibt.“ Auch ohne Lkw.

Ängste will Ramelow ebenso bei den Anliegern der Bahnstrecke abbauen: „Wenn es auf dieser Strecke wieder Eisenbahnverkehr geben soll, dann mit der neusten und modernsten Technik.“ Lärmgemindert. Es müsse mit jedem einzelnen Hauseigentümer entlang der Strecke darüber geredet werden, wie häufig überhaupt Züge unterwegs sind und was an Schallschutz erforderlich wäre. Eine Mehrbelastung solle es nicht geben. „Wir reden von einem sehr sensiblen Naturschutzgebiet“, weiß Ramelow um das Terrain, durch das sich die Höllentalbahn zieht. Und in dem jetzt ebenso sensibel mit einem Hängebrücken-Projekt die gesamte Region aufgewertet werden soll. Was die Thüringer Seite unterstützt. „Ich habe dem Hofer Landrat noch im alten Jahr einen Brief geschrieben und angeboten, das Hängebrücken-Projekt als gemeinsames Tourismuskonzept voranzutreiben“, berichtet Ramelow von seinem „grenzüberschreitenden“ Denken und Handeln. Wobei die Höllentalbahn für die Hängebrücken-Besucher zumindest aus heutiger Sicht noch bedeutungslos bleibt. „Derzeit spielt der Personenverkehr auf der Strecke überhaupt keine Rolle“, betont Ramelow, „weil wir sonst immer wieder eine Diskussion darüber hätten, wer den bestellt und was er kostet.“ Genau mit dieser Diskussion habe man das Projekt zehn Jahre lang blockiert. „Jetzt haben wir mit der Mercer-Gruppe jemanden, der Holz transportieren möchte.“ Und das soll mit täglich höchstens drei Langholzzügen geschehen. Nicht an den Wochenenden. „Und ich betone“, schiebt Ramelow gleich nach, „dass sichergestellt sein muss, dass niemals andere Transporte hier drüberfahren. Es muss klar sein, dass auf dieser Strecke keine Chemikalien rollen dürfen.“

Meine Meinung

Informationen zur Höllentalbahn

Die Höllentalbahn ist Bestandteil der ursprünglichen Nebenstrecke Triptis-Marxgrün, zu der es derzeit eine Sonderausstellung im Wasserkraftmuseum Ziegenrück gibt.

Im Gebäude des Bahnhofs Lichtenberg bei Blechschmidtenhammer befindet sich eine Modelleisenbahnanlage, die den Verlauf der Höllentalbahn im Selbitztal zwischen den Stationen Lichtenberg und Hölle zeigt.

Die Verkehrsinitiative Höllennetz informiert regelmäßig im Internet unter der Adresse www.hoellennetz.de über Aktivitäten zur Reaktivierung der Strecke.

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