Günther Rehbein schildert Schülern in Neustadt sein Schicksal

Neustadt  Der 85-Jährige, der ein sowjetisches Straflager überlebte, war am Orlatalgymnasium zu Gast

Günther Rehbein sprach mit Schülern des Orlatalgymnasiums über seine Erlebnisse während und nach seiner Gefangenschaft.

Günther Rehbein sprach mit Schülern des Orlatalgymnasiums über seine Erlebnisse während und nach seiner Gefangenschaft.

Foto: Theresa Wahl

Geschichte aus erster Hand erfahren – das konnten die Schüler der 10. und 12. Klassen des Orlatalgymnasiums in Neustadt gestern bei einem Vortrag von Günther Rehbein. Der 85-Jährige, der ab 1952 über drei Jahre in Workuta im sowjetischen Straflager war und 1968 noch vier Jahre in den Stasi-Knast von Bautzen gesperrt wurde, war an der Schule zu Gast, um den Jugendlichen von seinem Schicksal zu berichten.

Günther Rehbein hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch Deutschland zu reisen und Schüler über den Stalinismus und die DDR-Diktatur aufzuklären. „Die Erinnerung an dieses Unrecht muss wachgehalten werden, damit so etwas nicht in Vergessenheit gerät und vor allem nicht wieder passiert. Denn auch von diesen Erinnerungen hängt ab, wie wir unsere Demokratie in Zukunft gestalten“, erklärte Günther Rehbein, weshalb er auch im fortgeschrittenem Alter noch immer vor Schulklassen spricht.

„Es gab eine Anfrage über ein DDR-Zeitzeugenprogramm, ob wir Interesse an einem Vortrag hätten. Da wir in der 10. und 12. Klasse DDR-Geschichte behandeln, hat es sich angeboten, Herrn Rehbein einzuladen“, erklärten Geschichtslehrer Annegret Greiling und Thorsten Freund, wie es zu dieser etwas anderen Geschichtsstunde kam. In dieser referierte der 85-Jährige über seine Erlebnisse und die Aufarbeitung seiner Geschichte. Neben seinen Erzählungen belegte er sein Schicksal mit Dokumenten. So hatte er unter anderem für die Schüler Auszüge seiner Akten dabei, die die Staatssicherheit und der sowjetische Geheimdienst angefertigt hatten.

„Für die Schüler war es sehr ergreifend, dieses Thema, das lange Zeit ein wunder Punkt in der Aufarbeitung war, aus dem Mund eines Zeitzeugen zu hören“, betonte Annegret Greiling. Auch in den kommenden Unterrichtsstunden wolle man den Vortrag noch einmal aufgreifen, unter anderem auch, um den Schülern zu vermitteln, dass Zeitzeugen eine historische Quelle sind und wie diese zu bewerten sind.

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