Höllentalbahn für den Personenverkehr von großer Bedeutung

Blankenstein  Aus Bayern kommt Widerspruch zu der Auffassung, nur Güter befördern zu wollen

Fritz Sell, 1. Vorsitzender der Verkehrsinitiative Höllennetz (links), bekommt direkt an der Bahnbrücke über den Grenzfluss Selbitz von Roland Beyer seine Antragsunterlagen zur Mitgliedschaft im Verein BW Saalfeld überreicht.

Fritz Sell, 1. Vorsitzender der Verkehrsinitiative Höllennetz (links), bekommt direkt an der Bahnbrücke über den Grenzfluss Selbitz von Roland Beyer seine Antragsunterlagen zur Mitgliedschaft im Verein BW Saalfeld überreicht.

Foto: Peter Hagen

Die jüngste Ansage des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke), eine Reaktivierung der Höllentalbahn insbesondere für Holztransporte zwischen dem tschechischen Eger und dem thürin­gischen Blankenstein voranzutreiben, stößt auf bayerischer Seite nicht gerade auf Gegen­liebe. „Mit solchen Vorstellungen werden leider die Gegner der Reaktivierung gestärkt“, ­befürchtet Fritz Sell, 1. Vorsitzender der Verkehrsinitiative Höllennetz.

Europäisches Denken ist erforderlich

„So wertvoll wie wir die Unterstützung durch Ministerpräsident Ramelow einschätzen – mit seiner Auffassung, dass der Schienenpersonenverkehr vorerst keine Rolle spielen soll, ­erweist er der Wiederbelebung einen Bärendienst“, glaubt Sell. Dies sei ein „Todesstoß“ für die öffentliche Wahrnehmung der Reaktivierung im Landkreis Hof, speziell im Raum Naila, ­Issigau, Lichtenberg und Bad Steben. Dort werde das Projekt kontrovers diskutiert.

Bei einem reinen Güterverkehr bleibe dem Landkreis Hof „kein übergeordnet ersichtlicher Mehrwert wie zum Beispiel die Neuordnung des ÖPNV“, heißt es. „Die Errichtung der Höllentalbahn als reine Güterbahn ist keinesfalls Ziel unserer Initiative“, betont Fritz Sell, „insofern wird zu dieser Form der harten Reaktivierung keine weitere Unterstützung erfolgen.“

In einem OTZ-Gespräch hatte Ramelow Ende Dezember erläutert, dass der Personenverkehr derzeit keine Rolle spiele, weil in der Diskussion über die Frage, wer diesen bestellt und was er kostet, schon zehn Jahre verschwendet worden seien. Vielmehr müsse es jetzt darum gehen, bis zu 300 Lastwagen mit Holzfuhren täglich von der Straße zu bekommen. Mit diesem Argument habe man auch Zugang beim Vorstand der Deutschen Bahn bekommen.

Die große Bedeutung der Höllentalbahn für den Personenverkehr unterstreicht hingegen auch Roland Beyer aus Saalfeld, der anhand einer historischen Eisenbahnkarte zeigt, welche Funktion die Bahnverbindung zwischen Weimar und Wien einst besessen hat. „Zwischen Weimar und Wien liegen 598 Bahnkilometer“, sagt ­Beyer, „zwischen Weimar und Eger sind es 140 Bahnkilometer.“ Dies sei deutlich kürzer als der Straßenweg. „Wenn ich eine Region habe, muss ich darin die Infrastruktur entwickeln und dazu die Menschen mitnehmen“, sagt Beyer, der momentan dabei ist, einen Verein Bahn­betriebswerk (BW) Saalfeld zu gründen und jetzt als ein weiteres Mitglied Fritz Sell gewinnen konnte.

Der Frankenwald reiche weit bis Thüringen hinein, spielt Beyer seine grenzenlosen Gedanken weiter. Und 30 Jahre nach dem Mauerfall seien das immer noch „benachteiligte Gebiete“. Hier sollten europäische Infrastrukturprojekte verwirklicht werden. „Wir müssen den Tourismus wieder so entfalten, wie er vor 100 Jahren vorhanden war“, ermuntert Beyer, „so wie die Römer einst Pflasterstraßen gebaut hatten, ist heute dieses Gleis notwendig.“

Als positiv wertet es Beyer, dass am 7. Dezember 2015 der Lückenschluss über die Landesgrenze von Bayern und Tschechien nach Asch hergestellt war. „Bis 1945 verkehrten auf dieser Strecke die Züge zwischen Karlsbad und Weimar“, erinnert Beyer, „jetzt haben wir hier nur eine Stichstrecke, die am Prellbock in Bad Steben endet.“ Die Sinnhaftigkeit der Strecke sei erst dann gegeben, wenn der ­Lückenschluss durchs Höllental hergestellt ist.

Ebenso unerlässlich sei die Reaktivierung der Oberlandbahn zwischen Triptis und Unterlemnitz, nennt Roland Beyer ein weiteres Ziel. Mit dem Verein BW Saalfeld wolle man einen historischen Zug auf die Strecke bringen, der in Thüringen, im Frankenwald und in Böhmen unterwegs ist und internationale Gäste anlockt. „So, wie die Schweiz mit ihren Bahnstrecken ein Touristenmagnet ist“, vergleicht Beyer das Anliegen. Und nicht zuletzt könnte die Region ein Vorreiter sein für alternative Antriebstechnik bei der Bahn. Die befindet sich noch in der Startphase. Am 1. Februar beispielsweise gibt‘s die Premierenfahrt eines Wasserstoffzuges zwischen Leipzig und Grimma.

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