In Greiz wird die Dörferstudie kritisiert

Die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) weist die Schlussfolgerungen einer Studie des privaten Berlin-Institutes für Bevölkerung und Entwicklung zurück, dass in einigen Jahrzehnten Dörfer vollständig verlassen werden müssen. Sie bemängelt, dass in der Studie eine ganze Generation unterschlagen wird.

Greiz. Bis 2025 werde der Landkreis Greiz laut Institut ein Viertel seiner Einwohner verlieren. Daher sollte es rechtzeitig eine finanzielle Unterstützung zum freiwilligen Leerzug kleinerer Dörfer mit nur älteren Menschen geben.

Schweinsburg entgegnete, dass es "sehr mutig ist, vom grünen Berliner Tisch aus und mit Lesen der Statistik solcherart Schlussfolgerungen zu ziehen" Die Folgerungen zum "Dörfersterben" offenbarten mangelnde Ortskenntnis, kritisiert sie. Im Landkreis habe es nach 1990 einen grundsätzlichen Wandel gegeben. So seien ganze Industriezweige mit tausenden Beschäftigten, wie im Uranerzbergbau (Wismut) oder in der Textilindustrie, weggebrochen. Dies "wurde erfolgreich bewältigt", verteidigt Schweinsburg.

Ein Beispiel sei, dass in jeder Gemeinde mit mehr als 3000 Einwohnern und jeder Verwaltungsgemeinschaft mindestens ein Schulstandort gesichert werden konnte. In diese Standorte seien mehr als 125 Millionen Euro investiert worden. Doch fehle heute eine ganze Generation, "also jene jungen Menschen, die früh der Arbeit wegen nach Bayern, Hessen oder außer Landes gingen".

Aber es gebe keine unlösbaren Probleme. "Nur weil irgendein Institut in Berlin meint, dass bei uns alles ganz schlimm ist, sitzen wir doch nicht mit dem Taschentuch in der Hand und weinen uns die Augen aus", sagt die CDU-Politikerin. Das Klischee des Jammerossis könne nicht bedient werden.

Auch der Greizer Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) hat Zweifel der Studie

Greiz. An der Qualität der Studie des privaten Berlin-Institutes für Bevölkerung und Entwicklung zweifelt der Greizer Bürgermeister Gerd Grüner (SPD). Das sagte er in der jüngsten Stadtratssitzung auf die Frage der Interessengemeinschaft für Wirtschaft und Arbeit (IWA), die wissen wollte, ob ihm die Studie vorliege. "Sehr intensiv" habe Grüner die gelesen, dabei seien ihm etliche Ungereimtheiten aufgefallen. So etwa, dass die Berliner Rothenthal – ein Ortsteil von Greiz – als eingeständiges Dorf bezeichnen. Oder auch, dass es im Greizer Ortsteil Kurtschau keinen Verein gebe, was nicht stimmt.

Die Ersteller der Studie meinen u. a., dass der Landkreis Greiz bis 2025 ein Viertel seiner Einwohner verlieren werde und sehen ein künftiges "Dörfersterben".

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