Jahresempfang der Greizer Landrätin so gut besucht wie nie

Martina Schweinsburg (CDU) würdigt zu ihrem Jahresempfang mit Martina Högger und Dagmar Pöhland zwei Frauen, die sich in besonderer Weise für die Würde der Asylbewerber in Greiz ein­gesetzt haben.

Landrätin Martina Schweinsburg mit Martina Högger und Dagmar Pöhland (von links).Foto: Marius Koity

Landrätin Martina Schweinsburg mit Martina Högger und Dagmar Pöhland (von links).Foto: Marius Koity

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Greiz. So gut besucht wie noch nie war am Donnerstagabend der Jahresempfang der Greizer Landrätin Martina Schweinsburg (CDU). Neben Politprominenz wie die Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU), Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) und Sozialmi-nisterin Heike Taubert (SPD), Bundestags- und Landtagsabgeordneten, Land­räten aus Thüringen und Sachsen, Unternehmern und Leitern verschiedenster Einrichtungen waren auch viele Fluthelfer von 2013 sowie Ehrenamtliche aus verschiedenen Bereichen unter den über 600 Gästen. Aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums des Landkreises Greiz waren zudem viele ehemalige Amtsleiter des Landratsamtes Greiz eingeladen.

In ihrer knapp einstündigen Rede mit verschiedensten Abweichungen vom Manuskript schnitt Schweinsburg unter anderem die Asyl- und Flüchtlingspolitik sowie das Geschehen im vergangenen Herbst in Greiz-Pohlitz an. Auf der Bühne der Vogtlandhalle würdigte sie mit Martina Högger und Dagmar Pöhland zwei Frauen, die sich in besonderer Weise für die Würde der Asylbewerber ein­gesetzt haben, ohne vordergründig nach der Öffentlichkeit zu suchen, wie die Landrätin betonte.

Ich danke den Bürgerin-nen und Bürgern, die friedlich Plätze besetzten, auf denen andere vorhat-ten, Unfrieden zu stiften.

Martina Schweinsburg in ihrem Rückblick auf den Greizer Demo-Herbst 2013

Es sei bewundernswert, wie sich Högger und ihre Bürger­initiative "Weil wir Greiz lieben" als eine der ersten Gruppen in der Stadt mutig den aus­länderfeindlichen Parolen entgegenstellte, sagte Schweinsburg. Högger sei "unabhängig von parteilichen Einflüssen und Zielen" bestrebt gewesen, "der Öffentlichkeit und den Demo-Touristen gleich welchen Lagers zu zeigen, dass Greiz keine Stadt ist, die Asyl­bewerber von vornherein ablehnt".

Pöhland ist nicht nur seit mehr als 16 Jahren Geschäftsführerin des Behinderten­verbandes in Greiz, seit 2002 koordiniert sie auch die Sozial­betreuung der Asyl­bewerber in den Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises. So or­ganisiere sie Integrations­angebote und die Organisation des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlichster Kulturen und Religionen.

Die Würdigung habe sich die Bürger­initiative als Ganzes verdient, gab Högger gegenüber OTZ zu verstehen. Die Arbeit mit den Asylbewerbern bereite ihr viel Freude, sagte Pöhland.

Einmal mehr verteidigte Schweinsburg die Gutschein-Regelung bei der Versorgung der Asylbewerber. Sie widersprach dem Eindruck, dass die Betroffenen keinerlei Bargeld erhalten würden, pro Person und Monat gebe es 157 Euro Taschengeld. Mit den Gutscheinen soll verhindert werden, dass Bargeld in die Heimatländer der Flüchtlinge geschickt wird, wenn auch damit Not und Elend der Zurückgebliebenen gelindert werde. Es sei aber eben nicht aus­zuschließen, dass das Geld bei Schleusern landet. Es soll aber auch Einheimische geben, die Sozialleistungen missbrauchen, stellte die Landrätin in den Raum. Bei diesem Thema verriet sie schließlich, dass die De-monstrationen vom 23. November 2013 den Freistaat um die 750"000 Euro gekostet hätten.

Weiteres Thema Schweinsburgs war die Krim-Krise und die Quintessenz ihres Vortrages, der bei Peter dem Großen begann und über die Zwei-plus-Vier-Gespräche von 1990 bis zu rhetorischen Fragen zu den USA reichte, war: "Die westliche Welt tut gut daran, Russland Grenzen zu setzen. Sie tut ebenso gut daran, dabei nicht mit zweierlei Maß zu messen."

Zuvor hatte Schweinsburg ausführlich auf die 2013-er Flut zurückgeblickt, aber auch die Papierflut danach bedacht. Manche bürokratische Hürde sei höher als jeder Deich, sagte die Landrätin, um dann Lieberknecht zu danken, dass sie "einigen Ministern etwas Temperament eingeimpft" habe, was zu einer spürbaren Beschleunigung von Bearbeitungs- und Bewilligungsprozessen geführt habe.

In ihre mündlichen Würdigungen schloss Schweinsburg unter anderem auch die Bauerfeind AG aus Zeulenroda-Triebes ("erfolgreichstes Team in Sotschi") und Uwe Möhring vom Textilforschungsinstitut in Greiz ein, Superintendent Andreas Görbert und Pfarrer Christian Colditz (Friedensgebete vom 23. November 2013 in Greiz). Stolz ist die Landrätin auf das neue Berufsschulzentrum in Greiz, das auch Lieberknecht in bester Erinnerung ist.

In einem längeren Grußwort bescheinigte Lieberknecht dem Landkreis Greiz eine "hervor­ragende Entwicklung" und der Greizer Landrätin "Professio­nalität" im Umgang mit der Flut­katastrophe. Die Landesmutter zitierte den Leitspruch des Greizer Textilfabrikanten und Stifters Unternehmers Ernst Arnold (1841-1893) "Der Sieg im Leben wird dem Fleißigen zuteil" und sie stellte fest: "Unsere Demokratie verträgt kein ‚Ohne mich‘, sie lebt vom ‚Mit mir‘."

Mit viel Beifall wurden die musikalische Einlagen der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach bedacht. Zum Buffet unterhielt die Bigband Swing Connection. Für die Veranstaltung wurde kein Cent aus der Landkreis-Kasse ausgegeben, betonte Schweinsburg. In der - von Lieberknecht übrigens als "sehr schön geschrieben" gelobten - Einladung werden sieben Sponsoren von Bauerfeind aus Zeulenroda-Triebes bis zur Vereinsbrauerei aus Greiz genannt.

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