Jenaer Landtagskandidaten vorgestellt: Wiebke Muhsal

Wiebke wer ...? Die Landtagskandidatin Wiebke Muhsal ist im Gegensatz zu allen anderen Mitbewerbern im Jenaer Wahlkreis 37 politisch noch ein völlig unbeschriebenes Blatt. Kein kommunales Mandat im Stadtrat oder in einem Ortsteilrat; bis vor einem Jahr nicht mal Mitglied in einer Partei.

Wiebke Muhsal ist 28 Jahre, hat in Jena ein Jurastudium abgeschlossen, ist Mutter dreier Söhne und lebt mit ihrem Mann im Westviertel.
Foto: Lutz Prager

Wiebke Muhsal ist 28 Jahre, hat in Jena ein Jurastudium abgeschlossen, ist Mutter dreier Söhne und lebt mit ihrem Mann im Westviertel. Foto: Lutz Prager

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Jena. Dennoch wird sie voraussichtlich für die nächsten fünf Jahre Abgeordnete des Thüringer Land­tages sein. Platz vier auf der Landesliste der Alternative für Deutschland (AfD) garantiert der 28-Jährigen einen sicheren Einzug in das Landesparlament, falls die Prognosen des ZDF-Politbarometer für den Wahlausgang am Sonntag nur einigermaßen stimmen. Nach dem Erfolg ihrer Partei vor einer Woche in Sachsen zweifelt Wiebke Muhsal daran aber nicht. Dass sie damit Berufspolitikern wird, mit diesem Gedanken mag sich die dreifache Mutter noch nicht anfreunden. Berufspolitiker waren für sie bisher immer Leute, die das schon von Jugend an anstrebten. Nein, sagt sie, sie könne sich durchaus eine berufliche Zukunft nach der Politik vorstellen, schließlich habe sie den Einzug in einen Landtag auch nie geplant.

Gesunder Verstand statt Ideologie

Auf die AfD sei sie nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr aufmerksam geworden. Bernd Lucke, der Gründer und Vorsitzende habe sie beeindruckt. Probleme mit dem gesunden Menschenverstand anzupacken und nicht in eingefahrenen politischen Gleisen und Lagern zu verharren, das habe sie an der AfD interessiert, nachdem sie sich zuvor als Medienkonsumentin von der Tages­politik abgewandt hatte. So trat Wiebke Muhsal im November 2013 in die AfD ein und wurde Beisitzerin im Kreisverband ­Jena-Gera-Saale-Holzland. Ihr politischer Schwerpunkt, sagt sie, ist Bildungs- und Familienpolitik. Einsetzen will sie sich ­etwa für den Erhalt des Landeserziehungsgeldes. Das stehe für die Wahlfreiheit der Eltern: Bringe ich mein Kind in eine Kita oder nicht. Erziehung und Bildung sei zuerst die Verantwortung der Eltern. Der Staat dürfe da nur unterstützend eingreifen. Er müsse Familien aber deutlich mehr fördern als bisher. Wiebke Muhsal schwebt da ­etwa ein Ehekredit für junge Paare nach DDR-Muster vor, der durch die Geburt von Kindern getilgt wird. Auch für ein Baukindergeld spricht sie sich aus. Gerade in Jena, wo Familien um große Wohnungen mit Studenten-WG konkurrieren, mache es Sinn, Wohneigentum besser zu fördern.

Das Thema Familie ist das Feld, auf dem sie die meisten eigenen Erfahrungen einbringen kann. Gemeinsam mit ihrem Mann, der als Assistent an der Friedrich-Schiller-Universität im Bereich der Altertumswissenschaften arbeitet, hat sie während ihres Jurastudiums zwei Söhne aufgezogen. Nummer drei erblickte vor zwei Jahren, direkt nach ihrem Abschluss, das Licht der Welt. Gearbeitet hat sie in ihrem Beruf deshalb noch nicht.

Aufgewachsen ist Wiebke Muhsal in Münster und Bielefeld. Ihre Mutter ist Berufsschullehrerin, der Vater Privatier, der sein Geld durch Aktiengeschäfte verdient. Nach Jena kam sie mit ihrem heutigen Mann vor neun Jahren wegen des Studiums. Auch Tübingen und Heidelberg hätten zur Wahl gestanden, doch Jena habe beiden auf Anhieb gut gefallen. Geblieben sei man wegen des sehr guten Rufs der Jura-Ausbildung.

Ihre künftige Arbeit im Landtag stellt die junge Frau unter das Motto "Politik ohne Denkverbote". Das hat sie auch in Jena plakatiert. Den Erfolg der AfD bei der Europawahl und in Sachsen erklärt die Landtagskandidatin damit, dass in ihrer Partei Menschen aus der Mitte der Gesellschaft antreten und Themen aufgreifen, die den Altparteien abhanden gekommen oder zu mühsam sind. Als Ersatz für die FDP sieht sie die AfD allerdings nicht. Das sei eine Klientelpartei. In Sachsen habe die AfD von Wählern aller etablierten Parteien profitiert.

Bitte vervollständigen Sie folgende Sätze

In meinem Wahlkreis ...

leben viele Menschen, die von unserer alternativen Politik profitieren können: Jena braucht eine Familienpolitik, die die Bedürfnisse der Familien endlich wieder in den Mittelpunkt stellt, eine Hochschulpolitik, die die Eigenständigkeit der Hochschulen wahrt und außerdem Politiker, die sich selbst in dienender Funktion für den Bürger sehen und den Willen der Bürger tatkräftig umsetzen.

Der ICE ...

wird in Zukunft nicht mehr über Jena fahren. Der ICE-Knoten in Erfurt hat Vorteile auch für Jena: Nicht nur die Nord-Süd-Verbindungen von Berlin bis München, sondern auch die Ost-West-Verbindungen von Frankfurt bis Dresden sind schneller und sorgen für eine deutlich bessere Anbindung an weitere Großstädte wie Hamburg, Paris oder Warschau. Grundbedingung für Jena ist aber, dass Erfurt in kürzerem Takt mit schnelleren Verbindungen erreichbar ist.

Das gegliederte Schulsystem ...

ermöglicht die beste Förderung nach Fähigkeiten, Interessen und Begabungen. Wir wollen die Regelschule stärken und dafür sorgen, dass Schulen wieder die Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln, die die Schüler zu zur Eigenverantwortung fähigen Erwachsenen heranreifen lassen. Nur so können sie auch in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen.

Noten gibt es an Schulen ...

um Schülern zu vermitteln, welche Leistungen sie erbracht haben und wo sie im Klassengefüge stehen. Für Schüler ist es wichtig, ihre Leistung klar verorten zu können – durch Gespräche bei der Notenvergabe wird diese Leistungseinschätzung wirksam unterfüttert.

Wer das Klassenziel nicht schafft ...

bekommt die Chance, die Klasse zu wiederholen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Diese Möglichkeit ist kein Scheitern, sondern eröffnet die Chance, an sich selbst zu arbeiten und eigene Stärken zu entwickeln.

Der Inselplatz ...

wird hoffentlich nicht so desaströs von SPD und CDU gehändelt, wie die Eichplatzbebauung. Der Wille der Bürger, wie Jena zu gestalten ist, muss an erster, nicht an letzter Stelle stehen.

Für das Ernst-Abbe-Sportfeld ...

muss muss sich das Land bei der Finanzierung beteiligen.

Bei einer Kreisreform soll Jena ...

bleiben wie es ist. Wir wenden uns gegen Bestrebungen einer erneuten Gebietsreform auf Kreisebene. Stattdessen wollen wir die Verwaltung an sich verschlanken und Synergien zwischen unterschiedlichen Gemeinden schaffen.

Die Finanzpolitik des Landes ...

muss sich darauf richten, Schulden abzubauen und die Prioritäten bei den Ausgaben richtig zu setzen. Wir fordern, dass Steuergeldverschwendung strafrechtlich geahndet wird.

Die Wirtschaft kann von meiner Partei erwarten ...

dass wir uns um den Mittelstand kümmern, denn der Mittelstand ist das Rückgrat der Thüringer Wirtschaft. Wir wollen die traditionelle Handwerkerausbildung inklusive aller Qualitätsstandards, wie dem Meisterbrief, erhalten. Bürokratieabbau und die Förderung guter Rahmenbedingungen für die Ansiedlung und Entwicklung von Unternehmen stehen für uns an erster Stelle.

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