Junge Psychologen gehen in Jena auf die Straße und fordern bessere Bedingungen für Zusatzausbildung

Jena  Vor allem Studenten der Psychologie, die einmal Psychotherapeut werden möchten, demonstrierten am Mittwoch.

Nicht mehr länger ihr letztes Hemd hergeben, möchten Psychologen für ihre Zusatzausbildung zu Psychotherapeuten. Foto: Michael Groß

Nicht mehr länger ihr letztes Hemd hergeben, möchten Psychologen für ihre Zusatzausbildung zu Psychotherapeuten. Foto: Michael Groß

Foto: zgt

Ein Demonstrationszug von etwa 100 jungen Leuten bewegte sich gestern mit Transparenten durch die Johannistraße, Weigelstraße, Fürstengraben, Philosophenweg, vorbei an der dortigen Psychiatrie und der Psychologen-Ausbildungsstätte am Steiger bis hin zum Campus.

Es waren vor allem Studenten und Absolventen der Psychologie der Jenaer Universität, die gestern auf die Straße gingen, um die Politik zu schnellen Änderungen des Psychotherapiegesetzes aufzurufen.

Damit reihten sich die Jenaer in die gestrigen bundesweiten Aktionen gegen die „katastrophale Lage bei der Ausbildung von Psychotherapeuten“ ein. Die Master-Studentin Luise Keßler machte deutlich, um was es den Studenten geht. „Wer Psychotherapeut werden möchte, muss nach seinem Psychologiestudium extra noch eine 3- bis 5-jährige Zusatzausbildung durchlaufen, die man selbst finanzieren muss. Da fallen immerhin bis zu 30 000 Euro an, so dass viele von uns über lange Jahre verschuldet sein werden.“

Um die Ausbildung finanzieren zu können, stünden die jungen Leute unter Druck, arbeiten zu müssen. Dabei würden sie an den Kliniken jedoch sehr schlecht oder gar nicht honoriert. Oft müssten sie als Praktikanten arbeiten, wofür es null Euro gebe. Auch bestehen keine eindeutigen rechtlichen Grundlagen für Arbeitsverträge, trotz dass die Betroffenen ein abgeschlossenes Psychologiestudium vorweisen können.

Deshalb, so fordert Luise Keßler, müssen endlich eine angemessene Bezahlung und klare Übergangsregelungen, die die prekären Ausbildungszustände beenden, gesichert werden. Ebenso müssten die Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung als Psychotherapeut klarer und vor allem einheitlich werden.

In Jena studieren derzeit immerhin rund 800 junge Leute Psychologie. Viele davon würden gern Psychotherapeuten werden, schrecken aber vor den Bedingungen zurück. Dabei sei die Arbeit von Psychotherapeuten zunehmend wichtiger in der Gesellschaft, betonten die Teilnehmer gestern: Denn sie behandeln Menschen mit psychischen Störungen und in Krisensituationen, mit denen im wachsenden Maße heute Menschen konfrontiert seien.

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