Krisentreffen der Bahn: Starttermin für neue ICE-Strecke bleibt ungewiss

Erfurt  Nach einem weiteren Krisentreffen wegen der nicht zugelassenen Festen Fahrbahn auf neu gebauten Brücken räumt ein Bahnvorstand ein, dass die Zeit knapp wird. Das Eisenbahn-Bundesamt wartet noch auf einen Gutachterbericht.

Bereits im August 2014 fanden Messfahrten auf der neuen Strecke bei Krautheim im Weimarer Land statt. Foto: Marco Kneise

Bereits im August 2014 fanden Messfahrten auf der neuen Strecke bei Krautheim im Weimarer Land statt. Foto: Marco Kneise

Foto: zgt

Ob die neugebaute ICE-Strecke zwischen Erfurt und Leipzig/Halle wie geplant im Dezember in Betrieb gehen kann, ist weiter offen.

Noch steht ein Gutachten aus, ob die von der Bahn offerierten Lösungen ausreichen, doch noch die Zulassung für die Feste Fahrbahn auf den neugebauten ICE-Brücken zu erhalten. Der Zwischenbericht soll bis Ende Juli vorliegen, sagte Bahnsprecher Michael Baufeld. Nach der Auswertung werde es Mitte August ein weiteres Gespräch geben.

„Auf weitere Einzelschritte wird man sich verständigen können, wenn der gutachterliche Zwischenbericht der Deutschen Bahn AG vorliegt“, sagt Heike Schmidt, Sprecherin des Eisenbahnbundesamtes.

Die Bahn plant, die Feste Fahrbahn auf den Brücken eventuell durch zusätzliche Betonstreifen neben der Fahrbahn oder regelmäßige Messungen abzusichern. Das ist nötig, weil die auf sechs Brücken verbaute Feste Fahrbahn des Österreichischen Herstellers Porr nicht für die Anwendung auf Brücken zugelassen ist. Im Ausgleichs­beton war auf die Stahlbewehrung verzichtet worden. Als Ausweg zieht die Bahn eine zusätzliche seitliche Führung in Betracht, die eine stabile Gleislage gewährleisten soll.

Volker Kefer, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, räumt ein, dass es eng wird – nicht nur für die Freigabe des Abschnittes Erfurt–Leipzig/Halle in diesem Jahr, sondern auch für die Gesamtstrecke zwischen Nürnberg und Leipzig/Halle Ende 2017. „Beide Termine sind aus heutiger Sicht angespannt“, sagte Kefer der Nachrichtenagentur dpa. Die Termine seien zwar haltbar, größere Verzögerungen etwa bei Planfeststellungen und Lieferungen oder durch Klagen brächten sie aber in Gefahr.

Neben dem Problem mit der Festen Fahrbahn ist offen, ob das neue Zugsteuerungssystem ETCS für die Strecke Erfurt-Leipzig/Halle pünktlich im Dezember betriebsbereit und zugelassen ist. Da keine konventionellen Signale aufgestellt werden, können Züge die Strecke nur mit der neuen Sicherungstechnik nutzen – eine Rückfallebene fehlt.

Problematisch beim Südast der Strecke zwischen Erfurt und Nürnberg ist, dass für die Einbindung nahe Bamberg noch kein Baurecht besteht, weil eine Naturschutzorganisation gegen den Bau geklagt hat.