Landesregierung schlug Container-Angebot aus: Zelte für Asylbewerber in Eisenberg aufgestellt

Erfurt  Bundesinnenminister de Maiziere will am Donnerstag neue Prognosen vorstellen, während ganz Deutschland nach Wohncontainern sucht. Thüringen hätte im März welche haben können, lehnte aber ab.

In der überfüllten Landesaufnahmestelle in Eisenberg werden Flüchtlinge inzwischen in Zelten untergebracht, die das DRK errichtet hat. Foto: Martin Wichmann

In der überfüllten Landesaufnahmestelle in Eisenberg werden Flüchtlinge inzwischen in Zelten untergebracht, die das DRK errichtet hat. Foto: Martin Wichmann

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Brütend aufgeheizte Zelte des DRK als Notunterkünfte in der Landeserstaufnahmestelle für Asylbewerber in Eisenberg sind das sichtbare Zeichen einer ersten Überforderung auch Thüringer Behörden. Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) bat gestern kurzfristig die Spitzen von Landkreistag und Gemeinde- und Städtebund ins Ministerium, um die Situation der Flüchtlingsunterbringung zu beraten. Michael Brychcy, Präsident des Gemeinde- und Städtebundes, unterbrach dafür extra seinen Urlaub.

Bayern mutmaßt 600 000 Neuzugänge dieses Jahr

Nach Meinung des Migrationsministers könnte es im September zu einem leichten Rückgang der Zahlen neu eintreffender Asylbewerber in Thüringen kommen. Die Prognose ist gewagt. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) sagte gestern bei einem Besuch in Eisenhüttenstadt (Brandenburg), die deutsche Öffentlichkeit müsse sich in diesem Jahr auf erheblich höhere Flüchtlingszahlen einstellen, als bisher vorausgesagt wurden. Laut dpa kündigte de Maiziere an, voraussichtlich am Donnerstag eine neue Prognose für die Flüchtlingsaufnahme vorzustellen. Bisher ging das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge von 450 000 Menschen aus, die in diesem Jahr um Asyl in Deutschland nachsuchen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) glaubt, man werde „auf 600 000 und mehr“ zusteuern. Bund und Länder planen für den 9. September einen Flüchtlingsgipfel im Berliner Kanzleramt.

In Thüringen sind zurzeit die Einrichtungen zur Erstaufnahme, die das Land verantwortet, überfüllt. Auf Bitten der Regierung prüft das Landeskommando der Bundeswehr, ob die Truppe mit Zelten und Betten aushelfen kann. Landesbehörden sind angewiesen, deutschlandweit Hersteller und Verleiher von Wohncontainern zu kontaktieren, um die Situation in den Einrichtungen Eisenberg und Suhl zu entschärfen. Container, hatte Minister Lauinger am Dienstag erklärt, würden aber nicht in der geplanten Außenstelle Gera-Liebschwitz aufgestellt. Die Kaserne in Mühlhausen, die noch umgebaut wird, eigne sich für ein Containerdorf deutlich besser.

Es könnte sogar längst in Betrieb sein. Ein Ingenieurbüro aus Bad Blankenburg schrieb bereits am 9. März den Grünen-Minister an mit dem Angebot, eine komplette Containeranlage zur Verfügung zu stellen. Entweder zum Kauf oder zur Miete. Das Angebot jeweils mit Pauschalpreis war sogar günstig. Bei der Miet-Variante hätte das Land bei großzügiger Belegung mit nur 30 Menschen pro Person und Monat 225 Euro gezahlt. Bei höherer Belegung bis zu 40 Personen entsprechend weniger. Die Anlage war als Übergangsbehausung für Studenten konzipiert gewesen und fand zeitweise Einsatz in einem Thüringer Krankenhaus.

Das Migrationsministerium schrieb dem Anbieter schon am 24. März zurück und – lehnte dankend ab. Man konzentriere sich in Thüringen bei der Unterbringung von Flüchtlingen auf Bestandsimmobilien, hieß es zur Begründung.

Abgelehnte Container warten noch in Zwickau

Das war vor knapp fünf Monaten. Die angebotene Containeranlage befindet sich noch immer komplett und einsatzbereit auf dem Gelände einer Baufirma im sächsischen Zwickau, wie OTZ erfuhr. Die eingeschossige Bauweise gestatte eine variable Aufstellung, auch die Zuschnitte der Innenräume mit Toiletten und kleinen Küchen seien je nach Bedarf gestaltbar, sagte Sven Gläser aus Zwickau im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Aufstellen der Containeranlage dauere, je nach Wetter, sechs bis acht Wochen.

Nach den jüngsten Berichten aus Thüringen wundert sich Gläser allerdings, weshalb sich das Migrationsministerium in Erfurt bis gestern nicht bei ihm gemeldet hat.

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