Landrat des Saale-Holzland-Kreises: „Wir hatten bei Windkraft keine andere Wahl“

Andreas Heller steht zum Beschluss der Regionalen Planungsgemeinschaft, neue Windvorranggebiete im Saale-Holzland auszuweisen, obwohl er persönlich weiterhin den Ausbau ablehnt.

Der Windpark bei Wetzdorf/Frauenprießnitz. Foto: Susann Grunert

Der Windpark bei Wetzdorf/Frauenprießnitz. Foto: Susann Grunert

Foto: zgt

Herr Landrat, beim Kampf gegen Windräder im Wald bei Tautenhain haben Sie sich öffentlich gegen das Projekt gestellt, wenige Monate später stimmten Sie den umstrittenen Windvorranggebieten im Landkreis zu. Wie passt das zusammen?

Wir hatten als Regionale Planungsgemeinschaft Ostthüringen bei der Problematik Windkraft keine andere Wahl. Die Landesregierung hat mit ihrem Windenergie-Erlass knallhart vorgegeben, dass die Gebiete zur Windenergienutzung von 0,3 auf ein Prozent der Fläche Thüringens zu erweitern sind. Nachdem wir vor dem Oberverwaltungsgericht Weimar mit unserer Klage gescheitert waren, mussten wir uns dem beugen. Wir haben letztlich knapp 0,9 Prozent der Planungsfläche für Windkraft ausgewiesen. Hätten wir dies nicht getan, wäre einem Wildwuchs beim Bau von Windkraftanlagen in Ostthüringen Tür und Tor geöffnet. An meiner Grundeinstellung, dass ich gegen den einseitig forcierten Ausbau der Windkraft bin, hat sich dabei nichts geändert.

Warum müssen ausgerechnet das Holzland und andere Regionen im Kreis dafür bluten, dass man die Vorgaben des Gerichts erfüllt? Schließlich stehen bereits über 50 Windräder in der Region.

Bei der Ausweisung der Vorranggebiete haben wir uns an die sogenannte Döpel-Studie gehalten. Es ist ja nicht so, dass überall optimal der Wind weht. Bei der Ausweisung wurde aber auf ein entscheidendes Kriterium geachtet: Der Abstand der Gebiete zur Wohnbebauung liegt bei über einem Kilometer. Außerdem haben wir schützenswerte Regionen ausgeklammert.

Das Holzland mit seinen ausgedehnten Waldgebieten ist also nicht schützenswert?

Wenn man alle Kriterien heranzieht, bleiben am Ende nicht sonderlich viele Gebiete in der Planungsregion übrig, die ausgewiesen werden können. Der Abstand zu den Siedlungen muss stimmen, es muss genügend Wind wehen, und die Infrastruktur muss vorhanden sein.

Dafür nehmen Sie als Landrat in Kauf, dass womöglich das halbe Holzland für Windräder abgeholzt wird?

Die Ausweisung der Gebiete tut mir persönlich sehr weh. Mein Heimatort Serba wäre ebenfalls betroffen. Glauben Sie mir, würde es die rechtlichen Zwänge nicht geben, ich hätte dagegen gestimmt. Ich kann die Enttäuschung und Verärgerung in der Bevölkerung verstehen, aber wir mussten rechtlich so handeln. Es ist ja erklärter Wille beim Bund und beim Land, regenerative Energien auszubauen und dabei besonders stark auf Windkraft zu setzen.

Spielten Fragen wie der Naturschutz bei der Ausweisung der Gebiete eine Rolle?

Uns war wichtig, die Auflagen des Gerichtes zu erfüllen. Fragen des Natur- und Artenschutzes werden aber im weiteren Verfahrensprozess ebenfalls im Fokus stehen. Im Rahmen der öffentlichen Auslegung der Planungsunterlagen können Bürger, Verbände oder Behörden ihre Bedenken gegen die Windvorranggebiete vortragen. Wichtig ist, dass die Argumente sachlich und auf das konkrete Gebiet bezogen sind. Einwände kann man schriftlich bis zum 12. Juli im Landratsamt in Eisenberg, in den Städten Eisenberg, Hermsdorf und Stadtroda sowie in Bad Klosterlausnitz einreichen.

Was wäre passiert, wenn sich keine Mehrheit in der Regionalen Planungsgemeinschaft für die Windvorranggebiete gefunden hätte?

Dann hätten wir ein ungleich größeres Problem auf dem Tisch gehabt. Mit der Ausweisung der Gebiete sind alle anderen möglichen Vorhaben auf Eis gelegt, beispielsweise Tautenhain oder Möckern. Wäre der Beschluss nicht gekommen, würden sich eventuell in ein paar Jahren auf dem Gleisberg, in Tautenhain und anderswo im Landkreis Windmühlen drehen. Das können wir nicht wollen. Übrigens: Bei den jetzigen Vorranggebieten ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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