Landrats-Kandidaten Philipp und Holzhey beantworten Fragen

Bleiben oder Werden: Bei der Landratswahl am Sonntag haben die Bürger die Wahl zwischen Amtsinhaberin Marion Philipp (SPD) und dem parteilosen Kandidaten Hartmut Holzhey. Wir baten beide um Beantwortung von acht Fragen.

Wer künftig ins  Landratsamt in Saalfeld einzieht, entscheiden die Bürger am 22. April. Foto: Klaus Moritz

Wer künftig ins Landratsamt in Saalfeld einzieht, entscheiden die Bürger am 22. April. Foto: Klaus Moritz

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Warum wollen Sie Landrätin bleiben?

Marion Philipp: Ich möchte meine Arbeit gerne fortsetzen, denn es gibt noch einiges zu tun. Dazu gehören nachhaltige Energiepolitik mit regionalen Kreisläufen, die lange überfällige Autobahnanbindung, die Schaffung zukunftsfähiger Bildungseinrichtungen und, und, und. Die Aufgaben einer Landrätin sind sehr vielfältig und gerade dass gefällt mir.

Warum wollen Sie Landrat werden?

Hartmut Holzhey: Ich sehe ein großes Entwicklungspotenzial für unseren Landkreis, für das es sich lohnt, gemeinsam und im Interesse der Bürger zu arbeiten. Ich musste leider feststellen, dass Denkanstöße nicht ausreichen, um etwas zu verändern. Ich muss nicht Landrat werden, ich möchte es. Das ist ein Unterschied, auf den ich Wert lege.

Wo möchten Sie im Falle Ihrer Wahl Akzente setzen?

Marion Philipp: Ganz oben stehen Verkehrsanbindung und Energiewende. Um unseren Spitzenplatz in der Thüringer Wirtschaft und den Industriearbeitsplätzen hier vor Ort zu halten wird es notwendig sein, uns jetzt selbst zu helfen. Ich werde große Industrieunternehmen und örtliche Banken kurzfristig zu einer "Geberkonferenz" einladen. Warum soll eine private Vorfinanzierung in Höhe von 38 Millionen Euro für die Strecke Nahwinden – Trassdorf nicht möglich sein?

Ich werde mich massiv für eine Änderung der Kommunalgesetzgebung einsetzen. Landkreisen, Städten und Gemeinden muss wirtschaftliche Tätigkeit bei Energieerzeugung erlaubt sein. Ein wichtiger Akzent für den Tourismus wird das Projekt Zeughausmuseum.

Hartmut Holzhey: Die Entwicklung der verkehrstechnischen Infrastruktur sehe ich als die Grundvoraussetzung für jegliche wirtschaftliche, soziale und touristische Entwicklung unserer Region.

Wir haben großartige touristische Potenziale. In der Organisation professioneller Rahmenbedingungen für einen ertragreichen und dennoch naturschonenden Fremdenverkehr sehe ich einen weiteren Schwerpunkt.

Nur durch die Stärkung der einheimischen Kauf- und Steuerkraft können zukünftig Theater und andere freiwilligen Leistungen des Landkreises und dessen Kommunen erhalten werden.

Was ist im Landkreis gut gelaufen und wo sehen Sie die größten Versäumnisse?

Marion Philipp: Wir haben die niedrigste Arbeitslosigkeit seit der Wende, die wirtschaftliche Entwicklung ist gut. Unsere Bilanz kann sich sehen lassen: unsere Schulen sind top saniert, alle Grundschulen sind Ganztagsschulen, wir verbrauchen 55 Prozent weniger Energie als 2001. Das Theater und Orchester bereichern weiter unseren Alltag. Die Thüringen Kliniken sind eine Erfolgsgeschichte.

Hartmut Holzhey: Beachtenswertes wurde bei der Sanierung kreiseigener Immobilien, insbesondere der Schulen getan. Wie schon gesagt, lässt jedoch die Infrastruktur für unsere Wirtschaft und unsere Menschen viele Wünsche offen. Zudem denke ich, dass nach zwölf Jahren Konstanz an der Spitze des Landratsamtes eine unvermeidliche Routine eingetreten ist, die wohl zwangsläufig zu einem Mangel an Selbstkritik und Kreativität führt und damit wirklich neuen Denkansätzen im Wege steht.

Wie wollen Sie den nun schon zwei Jahrzehnte andauernden Bevölkerungsverlust stoppen?

Marion Philipp: Gut bezahlte Arbeitsplätze in der Region sind die Grundvoraussetzung. Hier hat Thüringen insgesamt in den vergangenen 20 Jahren mit seiner Strategie als Billiglohnland einen Riesenfehler gemacht.

Eine optimale Kinderbetreuung und ein lebenswertes Umfeld für unsere Menschen, für Familien ebenso wie für unsere Senioren sind eine Grundvoraussetzung.

Hartmut Holzhey: Sichere Arbeitsplätze mit fairen Löhnen im Landkreis sind der Schlüssel für Wohlstand und gegen die Abwanderung. Deshalb ist die Wirtschaftsförderung so wichtig und würde bei mir ganz klar Chefsache sein. Wir müssen Bedingungen auch in den ländlichen Räumen erhalten und schaffen, die Familien fördern. Wir müssen aufhören, Schulen zu schließen. Ohne Kinder gibt es nun mal keine Zukunft.

Wie sind künftige Aufgaben angesichts sinkender Zuschüsse und des jüngsten Tarifabschlusses zu finanzieren?

Marion Philipp: Wir brauchen eine dreigleisige Strategie: 1. Wir müssen für einen gerechten Finanzausgleich des Landes kämpfen. 2. Wir müssen weiter einsparen, durch Kooperationen im Städtedreieck und darüber hinaus, beim Energieverbrauch. 3. Der Landkreis muss die Möglichkeit bekommen, eigene Einnahmen im Bereich der Energieerzeugung und der Verwertung von Abfall zu erzielen. Warum fließen die dort erzielten Gewinne fast ausschließlich in die Taschen von Großkonzernen?

Hartmut Holzhey: Hier schließt sich der Kreis wieder zur Wirtschaftskraft der Region. Immer nur mit Zuschüssen vom Land zu rechnen ist auf Dauer tödlich. Wenn es gelingt, der regionalen Wirtschaft noch bessere Bedingungen zu schaffen als bisher, schafft diese Arbeitsplätze, Kaufkraft und nicht zuletzt Steuereinnahmen. Mit diesen Einnahmepotenzialen, begleitet von sozialverträglichen Personalentwicklungskonzepten, sollte es gelingen, die kommunalen Haushalte wieder zu konsolidieren.

Wie stehen Sie zu einer Kreisgebietsreform?

Marion Philipp: Kluge Menschen tun den ersten Schritt vor dem zweiten. Die Gemeindegebietsreform wäre der erste Schritt, dann Kooperationen und zum Schluss mögliche Zusammenschlüsse. Es steht die Frage, wie viel Verwaltung wir uns zukünftig bei unserer Bevölkerungsentwicklung noch leisten können. Aufgabenkritik ist notwendig und nicht immer mehr Bürokratie. Dann wächst auch zusammen, was zusammen passt.

Hartmut Holzhey: Ich befürworte eine Arbeit über bestehende Kreisgrenzen hinaus. Diese wird in absehbarer Zukunft in einen Zusammenschluss der Landkreise münden. Gewachsene Strukturen sollten dabei genauso Beachtung finden, wie positive Beispiele anderer Regionen. Eine Kreisgebietsreform muss für die Menschen und nicht gegen sie verstanden werden.

Welchen Stellenwert haben für Sie freiwillige Aufgaben wie Theater, Museen und Musikschulen?

Marion Philipp: Einen hohen Stellenwert, denn die Kultur ist für mich nicht nur das Salz in der Suppe. Sie ist Standortfaktor und historischer Anker. Musikschulen, Museen und Bibliotheken sind Teil der Bildungslandschaft.

Ich habe für den Erhalt der Kulturlandschaft gekämpft und werde es weiter tun. Aber die Finanzierung darf nicht zu großen Teilen die kommunalen Haushalte belasten. Hier haben Land und Bund mindestens die gleiche große Verantwortung.

Hartmut Holzhey: Theater, Museen, Musikschulen und andere freiwillige Aufgaben prägen unter anderem das Bild unseres Landkreises, machen ihn lebenswert. Ihre Erhaltung ist daher in meinem Interesse. Man kann aber immer nur das Geld ausgeben, was man hat und hierzu möchte ich zunächst einmal im Falle meiner Wahl alle Zahlen kennen.

Was muss sich in der Kreisverwaltung ändern?

Marion Philipp: Unsere Verwaltung hat sich geöffnet, wir sind für die Bürger da. Der Generationswechsel ist im vollen Gange. 130 junge Menschen wurden hier ausgebildet und haben eine feste Anstellung – ein tolles Potenzial. Ich wünsche mir, dass noch mehr als bisher die Jungen von den Alten lernen und umgekehrt.

Hartmut Holzhey: Die Kreisverwaltung – das sind Menschen mit Erfahrung und Fachkompetenz, die es zu motivieren und zu nutzen gilt. Hier gibt es nach meiner Kenntnis Defizite. Das Amt ist eine Dienstleistungsbehörde für Bürger/innen und Kommunen. Das muss noch stärker spürbar werden als bisher, wozu bspw. optimale Öffnungszeiten, Öffnung des Amtes an Brückentagen und deutlich mehr Tätigwerden "vor Ort" gehören.

Zur Person: Marion Philipp (SPD)

  • wurde 1954 in Erfurt geboren
  • verheiratet, zwei Töchter, ein Enkelkind
  • nach Abschluss des Hochschulstudiums Bauingenieurwesen 13 Jahre Bauleiterin auf Großbaustellen des BMK Erfurt
  • ab 1992 Mitarbeiterin in einem Planungsbüro in Rudolstadt mit Schwerpunkt Bauleitung und Projektkoordinierung
  • seit Juli 2000 Landrätin des Landkreises Saalfeld-
  • Rudolstadt
  • seit 1990 Mitglied der SPD
  • Hobbys: Garten, Radfahren, Reisen, Lesen

Zur Person: Hartmut Holzhey (parteilos)

  • geboren 1957 in Saalfeld
  • verheiratet, vier Kinder, wohnt in Saalfeld
  • Ausbildung zum Zootechniker/Mechanisator/Studium als Agrar-Ingenieurökonom
  • 1976 - ’78 Grundwehrdienst
  • 1982 - ’90 tätig in der LPG Tierproduktion "Drognitzer Höhe" und "Steinerne Heide" als Schichtleiter, Leiter Reproduktion und Leiter Tierproduktion
  • 1990 - ’93 Betriebsleiter Walter Transporte
  • seit 1993 geschäftsführender Gesellschafter der Loquitz Trans GmbH
  • Initiator des "Saalfelder Denkanstoßes" und des Vereins Thüringer Meer
  • 1978 - ’91 Mitglied der SED/PDS, seitdem parteilos
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