Leerzug in Zukunft unterstützen: Trübe Aussichten für einige Dörfer im Landkreis Greiz

Berliner Forscher haben sich im Kreis Greiz umgesehen und empfehlen, sogar kleine Dörfer ohne Zukunft leerzuziehen, falls die verbliebenen Einwohner einverstanden sind.

Bis 2025 soll der Kreis Greiz ein Viertel Einwohner verlieren, "und damit einige seiner kleineren Dörfer", schreibt das private Berlin-Institut. Daher sollte es eine finanzielle Unterstützung zum Leerzug kleinerer Dörfer mit älteren Menschen geben, wenn dies die Einwohner wollen

Foto: zgt

Greiz. Rückersdorf, Wolfersdorf, Oberndorf oder Naitschau haben unter den kleineren Dörfern die besten Zukunftschancen im Kreis Greiz. Am schlechtesten sieht es nach einer neuen Studie des privaten Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung für Geißen, Eula oder Wenigenauma aus. Untersucht worden etwa Einwohnerentwicklung, Bürgerengagement, Altersstruktur, Leerstand oder Lage

Bis 2025 soll der Kreis ein Viertel Einwohner verlieren, "und damit einige seiner kleineren Dörfer", schreibt das Institut. Daher sollte es rechtzeitig eine finanzielle Unterstützung zum Leerzug kleinerer Dörfer mit nur älteren Menschen geben, aber nur wenn dies die Einwohner wollen, so Instituts-Direktor Dr. Reiner Klingholz.

Die Forscher suchten jedes Dorf unter 500 Einwohnern auf und sammelten Daten zum Gebäudezustand, zur Dauer der Fahrzeiten etwa nach Gera, schauten nach Kindergärten, Schulen, Gaststätten. Sie stellten fest, dass es sich positiv auswirkt, wenn es kompakte Siedlungen sind, es Neubausiedlungen gibt, die landschaftliche Lage attraktiv ist, Bürger aktiv und das Vereinsleben rege sind. Leerstehende Häuser sowie langgestreckte, unstrukturierte Orte würden eher schrumpfen. Dazu habe Gera keine Strahlkraft auf die Umgebung, sagt Klingholz. Im Süden des Kreises gebe es dabei eine tendenziell bessere Lage dank der Pendler, die in Bayern arbeiten.

Doch sei nicht alles schlecht. Zwar fielen seit 1991 fast 40 Prozent der Arbeitsplätze weg und viele Junge zogen weg. Aber es entstanden auch Neubausiedlungen, so dass manche Orte neue Einwohner anzogen, vergleichsweise junge Einwohner haben und "vorerst stabil bleiben dürften", so das Institut.

Gründe für das Schrumpfen sind oft bekannt. Alte Arbeitsplätze, etwa in der Landwirtschaft, gehen verloren, neue entstehen eher in Städten. Und wo Ältere wohnen, gibt’s weniger Geburten. Die frühere Funktion, die Wohnung nahe des Jobs, haben Dörfer oft verloren. Auch die Lage entscheidet: Je weiter weg kleine Orte von Gera oder Chemnitz sind, desto größer ist der Rückgang, desto höher ist die Differenz von Sterbefällen zu Geburten.

Die Folgen des Rückgangs: Schlechtere Lebensbedingungen bei höheren Preisen: Gebäude verlieren an Wert, Schulen schließen, weniger Busse fahren, die Arztversorgung wird schwieriger. Dazu haben die Gemeinden weniger Einnahmen bei steigenden Ausgaben für Abwasser oder Müllentsorgung.

Das Institut empfiehlt Großgemeinden zu bilden, die mehr selbst entscheiden und mit mehr Geld, das nicht zweckgebunden ist, ausgestattet werden. Ortsübergreifend sollen Räte entscheiden, welche Straße oder Vereinshaus gebaut wird. Dazu sollte es einen Fonds für Abriss oder Rückbau geben.

Die Studie gibt einen Überblick über die Zukunftschancen aller Dörfer im Landkreis Greiz unter 500 Einwohnern.

Auch Ronneburg und Weida sollen massiv Einwohner verlieren

Weida, ohne Eingemeindungen

7733 Einwohner im Jahr 2010

7170 Einwohner im Jahr 2015

6669 Einwohner im Jahr 2020

6174 Einwohner im Jahr 2025

5686 Einwohner im Jahr 2030

2010 bis 2030 verliert Weida 26,5 Prozent der Einwohner

Ronneburg,

5134 Einwohner im Jahr 2010

4849 Einwohner im Jahr 2015

4584 Einwohner im Jahr 2020

4345 Einwohner im Jahr 2025

4137 Einwohner im Jahr 2030

2010 bis 2030 verliert Ronneburg 19,7 Prozent.

Prognose: Thüringer Landesamt für Statistik

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