Liste mit 74 Alternativen zum Schleifen von Gärten in Jena übergeben

Jena  Eine Liste mit 74 Vorschlägen für Wohnbebauungen in Jena wurde gestern dem Stadtentwicklungsdezernenten Denis Peisker überreicht. Er versprach eine schnelle Prüfung.

Eine der vorgeschlagenen Flächen für Wohnungsbau befindet sich am Steinweg/Ecke Eisenbahndamm, wo derzeit geparkt wird. Foto: Michael Groß

Eine der vorgeschlagenen Flächen für Wohnungsbau befindet sich am Steinweg/Ecke Eisenbahndamm, wo derzeit geparkt wird. Foto: Michael Groß

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Bauen auf Kleingartenflächen. Dagegen schien es bislang keine Alternative zu geben. Stadtplaner beklagen, dass es ja kaum noch freie Flächen für den Wohnungsbau in Jena gebe. Und viele der Kleingärten stehen nun mal auf städtischem Grund und Boden.

Doch jetzt liegt eine Liste mit 74 Alternativ-Vorschlägen vor, die bisher nicht vom Dezernat Stadtentwicklung in seinem strategischen Plan „Bauen in Jena bis 2030“ berücksichtigt worden sind. Stadtentwicklungsdezernent Denis Peisker (Grüne) hatte die Mitglieder des Jenaer Kleingarten-Beirates selbst dazu ermuntert, weitere Flächen für den Wohnungsbau zu nennen, damit man nicht auf Kleingartenland zurückgreifen müsse.

Das Ergebnis ist nun diese Liste, die hauptsächlich von den Stadträten Reinhard Wöckel (Linke), Heidrun Schrade (Bürger für Jena) und Heidrun Jänchen (Piraten), Vertretern des Regionalverbandes der Kleingärtner Jena/Saale-Holzland, Ortsteilräten und Ortsteilbürgermeistern sowie Mitgliedern des Kleingarten-Beirates erarbeitet worden ist. „Fast zeitgleich mit Denis Peiskers Initiative für Pläne zur Bebauung des Jenzigfußes haben wir begonnen, mögliche alternative Bauflächen aufzustöbern“, berichtet Reinhard Wöckel. Und man sei nach langen Recherchen und Ortsbegehungen sowie Gesprächen mit Anwohnern und Eigentümern fündig geworden.

Wöckel bat gestern bei der Übergabe der Liste an Dezernent Peisker, die Vorschläge rasch zu prüfen und möglichst am 20. August dem Stadtentwicklungsausschuss vorzulegen, damit Anfang September der Kleingarten-Beirat der Stadt die Liste und ihre mögliche Umsetzung diskutieren können.

Auch Bernd Rudolph, Vorsitzender des Regionalverbandes der Kleingärtner, hofft, dass die Liste nun konkrete Auswirkungen haben wird. Es sei schon zu viel Kleingartenland geopfert worden. Über 200 Kleingärten hätten bislang in Jena Bauplänen weichen müssen.

Das Thema sei auch am Mittwochabend im Ortsteilrat Jena-Nord diskutiert worden, sagt Ortsteilbürgermeister Siegfried Ferge.

Er sei ja auch Mitglied der Kleingartenanlage Rautal und wünsche sich wie viele Bürger in Nord, dass nicht noch mehr Grünes verschwinden muss, um Land für Wohnungsbau zu gewinnen. Gut ein Drittel der 74 Vorschläge stamme übrigens aus dem Stadtteil Jena-Nord, obwohl hier ja schon sehr viel gebaut werde.

Dezernent Denis Peisker sicherte gestern eine sorgfältige Prüfung der Vorschläge in seiner Verwaltung zu. Man sei dankbar für jeden Vorschlag.

Weitere Flächen können vorgeschlagen werden

In der Liste der Vorschläge befindet sich unter anderem auch die Fläche zwischen Inselplatz, Steinweg und Eisenbahndamm, die gegenwärtig als Parkplatz genutzt wird. Auch das Umfeld der Schillerpassage, die bald leer werdende Hautklinik und ihr Umfeld sowie die ehemalige Möbel-Koch-Immobilie in Nähe des Saalbahnhofs gehören zu den ins Gespräch gebrachten Flächen. Ebenso der alte Schlachthof, Flächen am Egelsee, die einstige Auto-Wasch-Anlage zwischen Winzerla und Ammerbach, die Wiesen in Göschwitz oberhalb der Waldorfschule und das Umfeld der früheren Berufsschule in Burgau. Etwas in Vergessenheit scheint das ungenutzte Gelände geraten zu sein, wo einst der Hagebau-Markt gestanden hat. Und auch die Flächen neben der Heinrich-Heine-Schule sollten wieder untersucht werden.

Wer noch Vorschläge für Flächen zum Wohnungsbau mitteilen möchte, sollte dies über die E-Mail unser-jena@gmx.de tun. Auch auf der Homepage des Kleingärtnerverbandes www.rv-kleingaertner-jena-shk.de gibt es Informationen.

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