Maurice de Martin irritiert über Geras Schnellschuss – Bewerbung als Kulturhauptstadt

Gera  Gastbeitrag Maurice de Martin äußert sich zur Bekanntmachung der Stadt bezüglich der Kulturhauptstadtbewerbung

Maurice de Martin

Maurice de Martin

Foto: Julia Löffler

Liebe Geraer Bürgerschaft, als Ideengeber des Projekts „Gera 2025“ bin ich schon etwas irritiert über den Schnellschuss aus dem Rathaus! Da hat man anscheinend recht unüberlegt eine aus der Sommerakademie stammende Idee öffentlich verbreitet, ohne sich mit den Ideengebern über den Inhalt verständigt zu haben.

Das Projekt „Gera 2025“ ist KEINE offizielle Ankündigung einer Bewerbung Geras zur Kulturhauptstadt Europas 2025, sondern vielmehr eine Bestandsaufnahme und ergebnisoffene Diskussionsplattform darüber, was es in Gera heute an Ressourcen gibt und was man zukünftig verändern könnte, damit eine solche Bewerbung Sinn und Aussicht auf Erfolg hat.

Diese Frage wollen wir direkt an die Bürgerschaft richten. Wenn nun die Entscheidungsträger diese Frage a priori ignorieren und das Vorhaben per se als schon gegeben proklamieren, erweckt dies den Eindruck, dass sie entweder den Inhalt des Vorhabens nicht ganz verstanden haben oder dies gar nicht wollen. Das Pferd wird falsch aufgezäumt, wenn man diese Frage beantworten will, bevor man sie überhaupt stellt.

Uns wird das nicht davon abhalten, sie ab dem 3. August im Kunstverein der Öffentlichkeit zur Diskussion vorzulegen. Es geht hierbei um die exemplarische Möglichkeit einer kollektiven Selbstreflexion und intensivierten Bürgerbeteiligung bei wichtigen Entscheidungen und die Aufforderung an die Entscheidungsträger, diese als zeitgemäßes demokratisches Instrument zukünftig nicht nur wahrzunehmen, sondern auch einzufordern. Ob andere potenzielle Mitbewerber umgehend eine Kooperationsabsage erteilt haben, berührt die Fragestellung und damit das Projekt nicht. Dies ist für uns umso mehr eine Aufforderung, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und dabei die konventionellen Pfade zu verlassen.

Kultur ist ein sich selbst organisierendes Spiel, das immer und überall stattfindet. Es geht hier vor allem um Gera, seine Bewohner und ihre Sicht auf die Stadt. Dafür benötigt man erst einmal weder externe Schützenhilfe, noch Millionen! Die Kunst bietet hier gerade den Mittellosen die Möglichkeit, sich mit Witz und Hintersinn zu emanzipieren. Das hat die Sommerakademie bereits im kleinen Kreis bewiesen.

Wir möchten mit dem Projekt „Gera 2025“ vorschlagen, dieses Modell beispielhaft auf die ganze Stadt zu übertragen und darüber mehr Menschen eine öffentlich wahrnehmbare Stimme zu geben. Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit den Bürgern und hoffen, dass dabei für alle Seiten Unerwartetes und Konstruktives herauskommen wird. Vielleicht bildet dies dann die Grundlage für eine Bewerbung Geras als total unkonventionellen Außenseiter, der mit total unkonventionellen Mitteln operiert und ein total unkonventionelles Beispiel dafür gibt, wie eine Stadt allen Widerständen und Unkenrufen zum Trotz selbstbewusst ihren Weg geht!

www.gera2025.org vertreten ist.

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