Das AfD-CDU-FDP-Manöver im Thüringer Landtag - So verlief die Wahl

Thüringen hat einen neuen Ministerpräsidenten, den FDP Landes- und Fraktionschef Thomas L. Kemmerich. Lesen Sie, wie die drei Wahlgänge im Landtag vonstatten gingen.

Mike Mohring (CDU) gratuliert Ministerpräsident Thomas L. Kemmerich (FDP).

Mike Mohring (CDU) gratuliert Ministerpräsident Thomas L. Kemmerich (FDP).

Foto: Sascha Fromm

Das AfD-CDU-FDP-Manöver heute im Landtag, zurückgespult. Dritter Wahlgang, Wahl des Ministerpräsidenten. Es tritt an: Bodo Ramelow, der linke, geschäftsführende Ministerpräsident, auf Vorschlag von Linke, SPD und Grünen.

Gemeinsam verfügen sie über 42 Stimmen. In den ersten beiden Wahlgängen stand die Koalition: Ramelow bekam 43 und 44 Stimmen. Aber es reichte eben nicht zur absoluten Mehrheit von 46 Stimmen.

Aber nun, im dritten Anlauf, reicht die relative Mehrheit. Gegenkandidat ist, wie schon in den ersten beiden Wahlgängen, Christoph Kindervater, der Bürgermeisters eines kleinen Dorfes im Unstrut-Hainich-Kreis. Er ist eine Art Notkandidat der AfD, die nicht ihren Fraktionschef Björn Höcke aufstellen wollte. Sein Auftrag: Auch Stimmen von CDU und FDP zu bekommen. In den ersten beiden Wahlgängen war der Erfolg aber übersichtlich. Er bekommt 22 respektive 23 Stimmen, das entspricht der Größe der AfD-Fraktion. CDU und FDP enthalten sich offenbar mehrheitlich.

Das Beben im dritten Wahlgang

Nun gibt es aber noch einen dritten Kandidaten: Thomas L. Kemmerich, der FDP-Landes- und Fraktionschef. Und es passiert das, was nur Spekulation einzelner war: Er vereinigt fast die gesamte Mehrheit der 48 Stimmen von AfD, CDU und FDP auf sich. 45 Abgeordnete stimmen für ihn.

Der alles entscheidende Zug: Die AfD hat offenbar geschlossen nicht für ihren eigenen Kandidaten gestimmt, sondern für den Liberalen.

Ramelow erhält 44 Stimmen, das sind zwei mehr, als im rot-rot-grünen Block sitzen - aber eine weniger als Kemmerich. Ein Abgeordneter enthält sich.

Der FDP-Chef könnte jetzt auf die Annahme des Amtes verzichten, das sieht die Verfassung vor. Er könnte sagen, dass er nicht mit Hilfe der AfD Ministerpräsident werden will. Aber das tut er nicht: Er nimmt das Amt an - und ist Ministerpräsident von Thüringen.

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