Neue Wartehalle mit Kamin: Land zögert mit Geld für Bahnhof Jena-Göschwitz

Jena  Die Jenaerin Stephanie Beier hat das Bahnhofsgebäude in Jena-Göschwitz gekauft: Sie will eine öffentliche Wartehalle an dem Knotenpunkt einrichten – doch das Land zögert, Fördermittel zu gewähren.

Stephanie Beier hat den Bahnhof Jena-Göschwitz gekauft und will eine öffentliche Wartehalle errichten. Foto: Tino Zippel Foto: Tino Zippel

Stephanie Beier hat den Bahnhof Jena-Göschwitz gekauft und will eine öffentliche Wartehalle errichten. Foto: Tino Zippel Foto: Tino Zippel

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In Jena-Göschwitz treffen sich die Mitte-Deutschland-Schiene und die Saalbahn. Doch eine Toilette suchen Reisende seit Jahren vergeblich am Umsteigebahnhof im Jenaer Süden, dessen Fenster vernagelt und Türen verschlossen sind.

Die Not eines Reisenden war so groß, dass er eine mobile Toilette aufgebrochen hat. Die hatte Stephanie Beier eigentlich aufstellen lassen für die Bauarbeiter, die seit drei Wochen das Gebäude sanieren. Die Jenaerin ist nämlich mit ihrer Bahnhof Jena-Göschwitz KG die neue Eigentümerin der Immobilie.

Dass das mobile Klo binnen kurzer Zeit übergelaufen ist, bestätigt sie in ihren Plänen, eine öffentliche Wartehalle zu errichten. Vorerst steht das Projekt in der Warteschleife: Einen Teil des Bahnhofs lässt die Jenaerin bereits umbauen. Vier Zimmer für eine Wohngemeinschaft entstehen im Dachgeschoss. Unten will sie einen Kiosk betreiben, Räume an einen Arzt oder Friseur sowie ein Büro vermieten. Die Erfurter Bahn ist interessiert, einen Aufenthaltsraum für ihre Lokführer einzurichten.

Diese Umbauarbeiten gehören zum Konzept, das die Deutsche Bahn bewogen hat, den Bahnhof an die Jenaerin zu verkaufen. Sie hatte Interesse für das Objekt gezeigt, während die Stadt Jena ihr Vorkaufsrecht verstreichen ließ. Und so setzte sich Beier trotz eines niedrigeren Gebotes gegen Interessenten aus dem Ausland durch.

Doch zum Konzept gehört auch der zweite Bauabschnitt: der Abriss des maroden Nord­flügels und der Neubau einer Wartehalle. Die will Beier sehr individuell gestalten: Neben einem Geschäft für den Reise­bedarf, Zeitungen und Fahrkarten sollen Sitzgruppen zum angenehmen Warten einladen. Auf einer Videowand möchte sie über die aktuellen Abfahrtzeiten informieren. Ein Kamin soll in der kalten Jahreszeit Wärme verbreiten, während sie im Obergeschoss den Bau eines Traditionszimmers „150 Jahre Saalbahn“ als Gruppentreffpunkt plant. Außerdem ist eine öffentliche Toilette vorgesehen.

Absage aus Erfurt, aber Gesetz nicht beachtet

Mit Architekt Steffen Möller aus Rudolstadt hat Beier die Halle mit der Glasfront erarbeitet. Baukosten: 730 000 Euro. Die Jenaerin hofft, 75 Prozent als Fördermittel vom Land zu erhalten. Sie schrieb einen 54 Seiten langen Antrag an die Nahverkehrsservicegesellschaft (NVS), die „nach gründlicher Prüfung“ mit einem Dreizeiler und sogar mit falsch geschriebenem Namen der Unternehmerin absagte. Tenor: Sie erfülle als Privatperson die Bedingungen nicht.

Beier ließ nicht locker, gründete eine Firma und somit ein öffentliches Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen. Die NVS, diesmal Geschäftsführer Arne Behrens, sagte erneut ab und zitiert eine Passage des Allgemeinen Eisenbahngesetzes, wonach „niemand ohne Genehmigung Schienenwege, Steuerungs- und Sicherungssysteme oder Bahnsteige betreiben“ darf.

Die Richtlinie zur Förderung von Investitionen im öffentlichen Personennahverkehr in Thüringen übersieht aber einen Passus im gleichen Paragrafen, wonach Betreiber von Serviceeinrichtungen wie Wartehallen keiner Genehmigung bedürfen. Ein entsprechender Einspruch blieb bislang unbeantwortet. Hoffnung macht ihr aber, dass Behrens in seinem Brief prinzipiell die Einrichtung einer Wartehalle und einer Toilette in Jena-Göschwitz befürwortet.

Auch Infrastrukturministerin Birgit Keller (Die Linke) zeigte sich auf OTZ-Anfrage interessiert an dem Projekt, zumal die Bedeutung des Bahnhofes als möglicher Kreuzungspunkt zweier Intercity-Linien weiter steigt. Die Publikumsfrequenz ist schon heute groß: 3800 Fahrgäste zählt der Bahnhof Tag für Tag. Die frieren in der kalten Jahreszeit auf den Bahnsteigen.

Nächste Woche hat sich die Politik bei Beier angemeldet: Staatssekretär Klaus Sühl (Die Linke) aus dem Infrastruktur­ministerium will sich vor Ort informieren – jenem Ministerium untersteht auch die NVS als möglicher Fördermittelgeber.

„Mit einer Wartehalle werde ich keine Reichtümer verdienen“, sagt Beier. „Mir geht es vor allem darum, ein würdiges Tor zur Lichtstadt Jena zu schaffen.“

Und was plant sie, falls kein Geld aus Erfurt fließt? „Dann lasse ich diesen Gebäudeteil notgedrungen stehen, egal wie er gerade aussieht“, sagt Beier, die neben ihrer regulären Arbeitsstelle am Jenaer Universitäts­klinikum viel Herzblut in ihren Bahnhof investiert. Gerade lässt sie als Übergangslösung eine Toi­lette im Südflügel einbauen. An deren Betreibung wird sich die Stadt Jena beteiligen. Ende August, so sagt sie, soll das behindertengerechte WC bereitstehen – damit keiner mehr das Dixiklo aufbrechen muss.