Nobelpreisträgerin aus Iran erhält Jenaer Menschenrechtspreis

Gestern in Jena, heute in Italien, danach Südafrika und Lateinamerika Dr. Shirin Ebadi ist zehn Monate im Jahr in der Welt unterwegs. Die Exil-Iranerin, die seit 2009 in Großbritannien lebt, hält Vorträge, ist Mitglied in Stiftungsräten, Jurorin und Trägerin namhafter Preise.

Hendrik Zwiener überreicht den Preis für Internationale Verständigung und Menschenrechte der Ulrich-Zwiener-Stiftung an Shirin Ebadi.  Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Hendrik Zwiener überreicht den Preis für Internationale Verständigung und Menschenrechte der Ulrich-Zwiener-Stiftung an Shirin Ebadi. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

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Jena. Nach Jena kam sie gerade aus Frankfurt/Main, wo die 65-jährige Friedensnobelpreisträgerin am Sonntag in der Paulskirche mit dem mit 50 000 Euro dotierten Avicenna-Preis ausgezeichnet wurde.

Bei allen diesen Gelegenheiten macht Shirin Ebadi immer wieder leidenschaftlich auf die Menschenrechtsverstöße im Iran aufmerksam und wirbt für die Verständigung von Islam und westlicher Welt. "Islam und Menschenrechte, das sind keine Gegensätze", lautet ihr Credo. Vor allem aber versteht sich die ehemalige Richterin als Anwältin und Sprachrohr ihrer Landsleute im Iran. Kinder, Frauen, Studenten, Schwache, das ist seit Jahrzenten die Klientel, für die sie sich einsetzt.

Nobelpreisträgerin erhält Jenaer Menschenrechtspreis
Nobelpreisträgerin erhält Jenaer Menschenrechtspreis

Auch in Jena. Bei ihrer Auszeichnung mit dem Preis der Ulrich-Zwiener-Stiftung für Internationale Verständigung und Menschenrechte gestern Nachmittag in der Aula der Friedrich-Schiller-Universität Jena wies sie auf das Schicksal von 50 im Iran inhaftierten Studenten hin. Die jungen Leute, sagt sie, hätten sich lediglich für Freiheit und Demokratie eingesetzt und ihre Forderungen ohne Gewalt vorgetragen. Ein 27-jähriger Student sei wegen einer Rede zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Eine Studentin soll sogar für neuneinhalb Jahre ins Gefängnis wegen politischer Aktivitäten. "Diese Gefangenen haben weniger Rechte als kriminelle Häftlinge", sagt Shirin Ebadi. Zusätzlich würden die Familien schikaniert, weil ihre Kinder in weit vom Heimatort entfernten Gefängnissen einsitzen. "Für eine halbe Stunde Besuchszeit in der Woche müssen die Angehörigen manchmal 12 bis 16 Stunden fahren", so die Menschenrechtlerin.

Dr. Claudia Zwiener, Ehefrau des 2004 verstorbenen Jenaer Stiftungsgründers Prof. Dr. Dr. Ulrich Zwiener, sieht in den iranischen Verhältnissen viele Parallelen zu denen in der früheren DDR. Das bestätigt auch die Preisträgerin, die 1980 zum ersten Mal nach Deutschland reiste und damals auch in Ostberlin den deutlichen Unterschied zu Westberlin und der Bundesrepublik gespürt habe. "Der Iran und die DDR haben zwar eine völlig unterschiedliche Grundlage, da der Islam und hier der Marxismus-Leninismus, die Unterdrückung des eigenen Volkes ist in beiden Ländern aber sehr ähnlich", so Ebadi.

Der Friedensnobelpreis im Jahr 2003 schützte die Juristin und Hochschullehrerin nicht vor ihrer Enteignung nach der Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im Jahr 2009. Sie ging ins Exil nach Großbritannien. "Durch den Nobelpreis stehen mir überall in der Welt die Mikrofone offen", sagt die kleine Frau mit der starken Stimme für ihre Landsleute. Das bleibt nicht ohne Folgen. Der iranische Geheimdienst bedrohte sie. Angst vor dem Tod habe die gläubige Muslime aber nicht. "Die müssten die Leute bei mir zu Hause ja nur gut behandeln, wie das in demokratischen Staaten üblich ist, dann würde ich schweigen. Aber erst dann."

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