Politiker im Heimat-Check: Christoph Matschie (SPD)

red
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Christoph Matschie

Christoph Matschie

Foto: Jana Scheiding

Mit einem Fragebogen wollen wir erfahren, was die acht Ostthüringer Bundestagsabgeordneten für Ostthüringen erreichen möchten. In der Reihenfolge der Rücksendung veröffentlichen wir die Antworten.

  • Name: Christoph Matschie
  • Alter: 56
  • Beruf: Theologe, Mechaniker
  • Partei: SPD
  • Wohnort: Jena
  • Wahlkreis: 191 – Jena, Sömmerda und Weimarer Land 1, gewählt über die Landesliste

1. Was lässt sich als einer von über 700 Abgeordneten in Berlin überhaupt für den eigenen Wahlkreis erreichen?

Die Entscheidungen des Bundestages beziehen sich in aller Regel auf das ganze Land. Es gibt aber Themen, die für Ostdeutschland oder auch den eigenen Wahlkreis von besonderer Bedeutung sind, wie die Wirtschaftsförderung, der Bundesverkehrswegeplan oder die Rentenangleichung Ost-West. Hier kann man als Abgeordneter die Interessen der Region vertreten.

Natürlich ist es dabei für Abgeordnete der jeweiligen Regierungskoalition einfacher, zu Ergebnissen zu kommen, als für Abgeordnete der Opposition.

2. Auf welchen Wegen wollen Sie mit regionalen Anliegen in Berlin durchdringen?

Ich suche mir für solche Anliegen Unterstützer. Nehmen wir zum Beispiel die Förderung ländlicher Räume. Hier gibt es viele Abgeordnete, die vor ähnlichen Problemen stehen wie wir hier. Gemeinsam kann man dann etwas erreichen.

Oder es gibt bei unterschiedlichen Interessen die Möglichkeit, in Verhandlungen Kompromisse zum gegenseitigen Vorteil zu schließen und so das Anliegen der eigenen Region zu befördern.

3. Ist es richtig, dass die Parteien momentan so auffällig den Heimatbegriff bemühen? Warum geschieht das Ihrer Meinung nach gerade jetzt?

In einer sich immer schneller verändernden Welt brauchen Menschen ein Zuhause, eine Heimat, kurz einen Ort, an dem sie sich sicher und verstanden fühlen.

Viele Menschen hier bei uns haben in den letzten Jahren das Gefühl, die Welt ist aus den Fugen geraten: Krieg in Syrien, der Konflikt mit Russland, Trump in den USA, die Flüchtlingskrise, wachsender ökonomischer Druck, den wir am eigenen Arbeitsplatz spüren. . . Da brauchen wir einen Halt – etwas, das verlässlich ist.

4. Welches Problem haben Sie in Ihrer Region als dringlich erkannt, das durch bundesrechtliche Regelungen/Nichtregelungen entstanden ist und auch nur mit der Kompetenz des Bundesgesetzgebers gelöst werden kann?

Ich sehe die enormen Probleme im Bildungssystem vom Kindergarten über die Schule bis hin zu unseren Berufsschulen und Hochschulen. Hier brauchen wir mehr Mitsprache des Bundes und vor allem mehr finanzielle Unterstützung.

5. Welches vordringliche Problem kennen Sie in Ihrer Region?

Da gibt es viele. Da ist zum Beispiel die Bahnanbindung von Jena in Richtung München oder Berlin, die sich mit der Inbetriebnahmen der ICE-Strecke über Erfurt deutlich verschlechtert und wo dringend eine bessere Lösung gefunden werden muss.

Oder die Tatsache, dass noch immer viele Orte keinen schnellen Internetzugang haben.

6. Bitte nennen Sie fünf Ziele, die Sie für Ihren Wahlkreis in den nächsten vier Jahren erreichen möchten?

An erster Stelle steht der weitere Ausbau vernünftig bezahlter Jobs. Dazu ist es notwendig, die Jenaer Hochschul- und Forschungslandschaft als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung zu stärken.

Dazu kommen schnelles Internet für alle Haushalte und Unternehmen, bessere Bahnverbindungen, mehr Bundesgeld für Bildung und die Verbesserung der Renten im Osten.

7. Werden Sie auch parteiübergreifend Initiativen mit anderen Thüringer Bundestagsabgeordneten ergreifen, wenn es Ostthüringen helfen und gegen die Fraktionsdisziplin verstoßen würde?

Parteiübergreifende Zusammenarbeit ist in jedem Fall notwendig, denn keine Fraktion hat allein eine Mehrheit. Gerade bei der Durchsetzung regionaler Interessen braucht es kluge Bündnisse.

Dabei muss man für die anderen ein verlässlicher und berechenbarer Partner sein, sonst kommen nie Mehrheiten für regionale Interessen zustande.