Protestaktion gegen Hängebrücken übers Höllental

Bad Steben  Tourismusvorhaben im Höllental findet nicht nur Befürworter, sondern ruft auch Gegner auf den Plan. Jetzt gibt‘s zwei Bürgerentscheide.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (r.) traf am Rande des CSU-Sommerfestes in Bad Steben auf Gegner des Hängebrücken-Projektes, das der Freistaat mit 80 Prozent fördern möchte. Die ­Investition im Gesamtumfang von zwölf Millionen Euro soll der Region deutlich mehr Touristen bringen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (r.) traf am Rande des CSU-Sommerfestes in Bad Steben auf Gegner des Hängebrücken-Projektes, das der Freistaat mit 80 Prozent fördern möchte. Die ­Investition im Gesamtumfang von zwölf Millionen Euro soll der Region deutlich mehr Touristen bringen.

Foto: Peter Hagen

Die mit 750 Metern weltweit längste freigespannte Hängebrücke soll ab 2020 das Höllental überqueren. Einen entsprechenden Grundsatz­beschluss hatte der Kreistag Hof vor einem Jahr gefasst. Neben den Befürwortern des mit zwölf Millionen Euro veranschlagten Projektes, zu dem noch eine zweite Hängebrücke übers Lohbachtal gehört, sammeln sich auch Gegner, die sich in einer „Initiative Höllental“ zusammengeschlossen haben.

Am Rande des CSU-Sommerfestes am Dienstagabend in Bad Steben waren beide Seiten mit Transparenten vertreten. Denn man wollte dem CSU-Wahlkämpfer und Ministerpräsidenten Markus Söder die jeweilige Meinung kundtun. Schließlich stellt der Freistaat Bayern eine 80-prozentige Förderung des Hängebrücken-Projektes in Aussicht. „Wir pflegen auch mit den Gegnern ein gutes ­Gesprächsverhältnis“, flüsterte CSU-Landtagsmitglied Alexander König in Söders rechtes Ohr und bewegte ihn, auf die Gegner zuzugehen.

„Wir möchten das Anliegen vorbringen, den Brückenbau noch einmal zu überdenken“, bekam Söder zu hören. „Warum soll ein Naturschutzgebiet durch solch eine Monsterbrücke zerstört werden?“, fragte ­Andreas Hoffmann von der ­„Initiative Höllental“ und übergab einen Brief, in dem die Argumente gegen das Tourismus­projekt aufgeführt werden. ­Söder dankte brav, vermied es im direkten Gespräch eine konkrete Aussage zu machen und steckte den Brief ein.

Gegenüber OTZ blieb Landrat Oliver Bär (CSU) gewohnt diplomatisch: „Unser Interesse ist es, den Frankenwald anderen so zu präsentieren, wie er ist. Wir möchten die Faszination Frankenwald erlebbar machen.“ Es solle etwas Nachhaltiges und qualitativ Hochwertiges entstehen. Betont wird die naturschutzfachliche Begleitung des gesamten Projektes. „Die ­Hintergründe von Gegnern und Befürwortern sind meistens gar nicht so weit auseinander, wie man meint“, erklärte Bär. Auf die Befürchtung negativer Folgen durch Massentourismus angesprochen sagte der Landrat: „Wir haben 200.000 Besucher jährlich in Bad Steben in der Therme. Die Region kann damit umgehen.“

Kritik: „Durch Eventtourismus wird das Höllental zerstört“

Es sei ein Werbeeffekt schlechthin, zeigte sich ­Brückenbotschafter Wolfgang Müller von einer positiven Ausstrahlung der Hängebrücken überzeugt. Das Bad Stebener Gemeinderatsmitglied für Bündnis 90/Grüne ging auch auf negative Beispiele von Massentourismus ein: „Wir wollen lernen aus den negativen Beispielen.“ Fehler, die andere gemacht haben, sollen sich nicht wiederholen. „Ich kann kein vernünftiges Argument gegen die Brücken erkennen.“ Klar sei, dass „einige Betroffene, die ihre Villen in Eichenstein haben“, keine Touristen wollen.

„Durch Eventtourismus wird das Höllental zerstört“, befürchtete Andreas Hoffmann, der den offenen Brief an Söder übergeben hatte. „Der Tourist von heute sucht Entspannung. Es gibt einen neuen japanischen Trend, der heißt Waldbaden. Das ist genau das Thema, das fürs Höllental perfekt wäre“, argumentierte Hoffmann, „da brauchen wir keine Brücke.“

So verschieden die Auffassungen pro und kontra Hängebrücke, gab es doch eine Gemeinsamkeit: Befürworter für die Reaktivierung der Höllentalbahn fanden sich nicht. „Da bin ich ein Gegner“, gestand Wolfgang Müller, „denn da greifen wir wirklich massiv ein.“ Die Besucher der Hängebrücken sollen mit Bussen bewegt werden. Auch Andreas Hoffmann sprach sich deutlich gegen die Höllentalbahn aus, während Landrat Oliver Bär wieder als Diplomat agierte: „Die Höllentalbahn ist ein ganz anderes ­Thema.“ Da gelte es alle Seiten „vernünftig miteinander ab­zuwägen.“

In Sachen Hängebrücken-Projekt stehen am kommenden Sonntag in Issigau sowie am 16. September in Lichtenberg Bürgerentscheide an. Wahl­berechtigte Einwohner sollen hierbei ihr Votum abgeben.

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