Rund 11.000 Wohnungen möglich für Flüchtlinge in Thüringen

Erfurt  Die Not der Städte und Kommunen bei der Unterbringung von Flüchtlingen ist groß. Doch was ist mit den leerstehenden Wohnungen der Genossenschaften und kommunalen Wohnungsgesellschaften?

Baumaschinen zerlegen einen Elfgeschosser mit einst 88 Wohnungen. Die Grünen fordern angesichts steigender Flüchtlingszahlen ein Moratorium für den Abriss von Wohnungen. Archiv-Foto: Jan-Peter Kasper

Baumaschinen zerlegen einen Elfgeschosser mit einst 88 Wohnungen. Die Grünen fordern angesichts steigender Flüchtlingszahlen ein Moratorium für den Abriss von Wohnungen. Archiv-Foto: Jan-Peter Kasper

Foto: zgt

Die Direktorin des Thüringer Wohnungswirtschaftsverbandes, Constanze Victor, sieht die Möglichkeit, leer­stehende Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen.

Derzeit stünden bei den vom Verband vertretenen 174 genossenschaftlichen und kommunalen Wohnungsunternehmen etwa 22 000 Wohnungen leer. Etwa die Hälfte dieser Wohnungen sei derzeit wegen Modernisierung nicht vermietet, gerade im Mieterwechsel oder unbewohnbar.

Wirtschaftsverband signalisiert Bereitschaft

Damit könnten aber noch etwa 11 000 Wohnungen, von denen viele in den nächsten Jahren zum Abriss vorgesehen seien, für eine mögliche Vermietung geprüft werden. Das Gros der Wohnungen liege in ländlichen Regionen, die mit Bevölkerungsschwund zu kämpfen haben. Über Nutzungsmöglichkeiten sei der Verband mit der Landesregierung im Gespräch. „Wir sind bereit, uns der Verantwortung bei der Unterbringung von Migranten zu stellen. Aber die Rahmenbedingungen müssen passen“, so die Verbandschefin.

Ein generelles Moratorium für den Abriss von Wohnungen, wie es der Grünen-Abgeordnete Roberto Kobelt gefordert hatte, sei wirtschaftlich nicht vertretbar. „Es gibt Wohnungen, in deren Vermietbarkeit so viel investiert werden müsste, dass ein Abriss wirtschaftlicher ist“, sagte Victor. Manche Unternehmen mit hohem Leerstand hätten finanziell kaum etwas zuzusetzen. Auch müsse dafür gesorgt werden, dass Fördermittel nicht verfielen, wenn der Abriss von Wohnungen verschoben werde.

„Bisher wissen wir nicht, wie lange Migranten bleiben.“ Die Wohnungsanbieter verlangen jedoch ein Unterbringung­s­konzept für Flüchtlinge, das auch eine soziale Betreuung jenseits der Erstaufnahmestellen vorsehe. Derzeit sei der Betreuungsschlüssel viel zu hoch. „Viele Unternehmen machen sich Sorgen wegen der ungeklärten Betreuung von Migranten durch Sozialarbeiter. Nur einige wenige große Wohnungsgesellschaften haben ein eigenes Sozial­management.“

Zudem müsse die Infrastruktur vorhanden sein, um beispielsweise Familien mit Kindern unterzubringen zu können. Die Wohnungsunternehmen warnten vor einer Unterbringung nach einem pauschalen Verteilungssystem. „Integration soll ja gelingen“, sagte Victor. Positiv wertete sie die Ankündigung von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), das Land prüfe die Übernahme von Mietkautionen und Genossenschaftsanteilen, wenn Flüchtlinge untergebracht werden. Bei Kautionen signalisierte sie Kompromissbereitschaft.

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