Scharfe Kritik von Landrätin in Greiz

Langenwetzendorf  Martina Schweinsburg (CDU) kritisiert Schulgesetznovelle. Von 35 Schulen im Landkreis seien 24 Standorte gefährdet. Ministerium widerspricht

Laut Landrätin Martina Schweinsburg seien von 35 Schulen im Landkreis 24 Standorte gefährdet. Foto/Symbolbild: Daniel Karmann/dpa

Laut Landrätin Martina Schweinsburg seien von 35 Schulen im Landkreis 24 Standorte gefährdet. Foto/Symbolbild: Daniel Karmann/dpa

Foto: Daniel Karmann/dpa

Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) kam vergangene Woche zur Einwohnerversammlung nach Langenwetzendorf, um über den von Bildungsminister Helmut Holter (Linke) vorgelegten Entwurf für ein neues Schulgesetz zu informieren. Als Präsidentin des Landkreistages hatte sie ­zuvor stellvertretend für die Landräte die Pläne des Kultusministeriums heftig kritisiert und eine Alternative vorgeschlagen. Der Gesetzesentwurf sieht neue Mindestgrößen für Schulen und Klassenverbände vor.

Aus Sicht der Landräte seien viele Grundschulen und weiterführende Schulen in ihrer Existenz bedroht, würde der Entwurf so umgesetzt. Der Landkreistag schlägt geringere Mindestschülerzahlen vor. Das Ministerium widerspricht und sagt, die Landrätin lasse dabei wichtige Punkte wie Schulkooperationen und Ausnahmetatbestände außer Acht. Erklärtes Ziel sei es, alle Schulstandorte zu erhalten.

Schweinsburg zeigte in ihrer Präsentation, was der Gesetzesentwurf nach Einschätzung des Landkreises für die Schulen im Kreis Greiz bedeuten würde. So würden bei der Betrachtung der Mindestschülerzahlen für Schulen und Klassen von 35 allgemein bildenden Schulen 24 Schulen die Mindestgrößen nicht erfüllen. Der Gesetzesentwurf sieht vor: mindestens ­80 Schüler für Grundschulen, 240 Schüler für Regelschulen, 260 Schüler für Gemeinschaftsschulen und 540 Schüler für Gymnasien.

Zudem müssen die Klassen in Grundschulen mindestens 18, in der Regelschule 20 und an Gymnasien 22 Schüler umfassen. Für die jeweils Einzuschulenden in einer Schulform gelten leicht höhere Werte.

Die Zukunft der Biolandschule in Langenwetzendorf sehe nach den Vorstellungen der Landrätin gleich doppelt düster aus. So erreicht die Schule die Mindestschülerzahl von 240 nicht. Doch selbst wenn hier noch gefeilt werde, würden – so die Landrätin – die Mindestklassengrößen dazu führen, dass von 142 Schülern nur noch 102 an der Schule verbleiben dürften.

Wie kommt man auf diese Zahlen? Am Beispiel der Klassenstufe sechs erklärt sie wie folgt: Derzeit werden in der Biolandschule 34 Schüler in der Klasse sechs unterrichtet. Diese gehen in eine Klasse, was viel zu viel ist, da die durchschnittliche Raumkapazität pro Klassenraum eigentlich auf 27 Schüler beschränkt ist. Die gegenwärtige Situation ist dem Lehrermangel in Thüringen geschuldet.

Nach dem Gesetzesentwurf müsste es in einer Regelschule aber künftig verpflichtend zwei Klassen pro Schuljahr geben. Eine Aufteilung der Schüler auf zwei Klassen mit jeweils 17 Schülern – wenn man denn dafür die Lehrer hätte – wäre aufgrund der Mindestklassengrößen nicht möglich, da eine Regelschulklasse dann Minimum 20 Schüler haben müsste. Folglich müssten sieben Schüler auf andere Schulen verteilt werden. Der Vorwurf von Schweinsburg: „Man darf den Lehrermangel nicht verwalten, indem man Schulen schließt oder überschüssige Schüler in andere Schulen schickt“, sagt sie.

Dadurch würde man die sozialen Bindungen der „überschüssigen“ Schüler zerstören, so die Landrätin.

Ministerium: Ausnahmen und Schulkooperationen

Ein Sprecher des Kultusministeriums sagt, die Zahlen seien falsch. Denn die Überlegungen würden mögliche Schulkooperationen und Ausnahmetatbestände außer Acht lassen. „Erklärtes Ziel der Landesregierung ist, alle Schulstandorte zu erhalten. Schulen, die auch nach ­Berücksichtigung aller Ausnahmetatbestände die Größenvorgaben unterschreiten, sollen durch Schulkooperationen zukunftsfest aufgestellt werden“, heißt es seitens der Landesregierung. Bildungsminister Helmut Holter setze weiter auf Dialog mit den Schulträgern. Ein Gespräch mit dem Landkreis Greiz stehe noch aus.

Ein für gestern geplantes Gespräch mit Landrätin Schweinsburg musste verschoben werden, da der Minister erkrankte. Ein neuer Termin soll vereinbart werden. Schweinsburg spricht heute Abend in Auma erneut über den Gesetzesentwurf.

Einwohnerversammlung in Auma, heute, 19 Uhr, Schulturnhalle, Moßbacher Straße

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