Schule ohne Leistung geht nicht: Lehrerverband sorgt sich um Spaß- und Gefälligkeitspädagogik

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, sieht mit Sorge eine Spaß- und Gefälligkeitspädagogik Raum greifen

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, sieht mit Sorge eine Spaß- und Gefälligkeitspädagogik Raum greifen

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, sieht mit Sorge eine Spaß- und Gefälligkeitspädagogik Raum greifen

Foto: zgt

Autor: Von Volkhard Paczulla

Erfurt Schlimm sei sie, die um sich greifende Spaß- und Gefälligkeitspädagogik. Sie denunziere das Leistungsprinzip mit Vokabeln wie "Druck", "Stress", "Leistungsterror" und schätze konkretes Wissen gering. Sie setze nicht auf Inhalte, sondern auf hohle Kompetenzen.

Der das sagt, ist kein übrig gebliebener Bundestagsabgeordneter aus der Adenauerzeit. Sondern Schulpraktiker. Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, leitet seit 18 Jahren ein Gymnasium in der Nähe von Landshut.

Dass die FDP-Landtagsfraktion den streitbaren Bayern am Montag zu ihrem bildungspolitischen Abend einlud, ist kein Zufall. Die Liberalen stehen auch in Thüringen für eine leistungsorientierte Schule, Noten und Versetzungsentscheidungen inklusive. Und Kraus sagt: "Schule ohne Leistung geht nicht."

Er machte vor gut 50 Zuhörern, darunter viele Thüringer Lehrer, kein Hehl aus seinem Bedauern, dass deutschlandweit nur noch in München das Kultusministerium in Hand einer bürgerlichen Partei ist. Kraus spitzt zu, er polemisiert. Gegen den Wahn, jeder Schüler könne zu allem "begabt werden". Gegen den Irrglauben, die Vorbereitung aufs Leben gehe ohne Mühe und Anstrengung, und Fakten hätten sowieso ausgedient. "Schule ist aber weder Freizeitpark noch Animationsunternehmen für die Spanne zwischen den Ferien", wetterte der Verbandspräsident. Spaß im Sinne von Freude dürfe Schule durchaus machen, "aber zur passenden Zeit".

Die Mehrzahl des Publikums schien seine Thesen dankbar aufzunehmen. "In Thüringen", sagte Roul Rommeiß, Landes­elternsprecher der staatlichen Schulen, "erwartet die Mehrheit der Eltern, dass Kinder in der Schule etwas lernen". Das sei schließlich die Legitimation von Schule überhaupt. Doch seit Jahren klagen Unternehmen, viele Schulabgänger kämen nicht ausbildungsreif bei ihnen an. Das sei neben der Demographie ein Grund für die Lehrlingsknappheit, bestätigte Thomas Fahlbusch von der IHK Erfurt. Fast die Hälfte der Mitgliedsunternehmen habe im Vorjahr nicht alle angebotenen Ausbildungsstellen besetzen können.

Eine Schulleiterin aus Apolda mahnte, Schule brauche vor allem Kontinuität und Ruhe. Richtig, stimmte Kraus zu. Die Reformitis der Politik sei einzustellen. Kinder hätten nun mal nur eine "Fertigungsbiographie", an der nicht herumgepfuscht werden dürfe.

Die Jacke mit der Kuschelpädagogik zieht sich das SPD-geführte Thüringer Kultusministerium nicht an. Der Ansatz der individuellen Förderung sei sogar leistungsbetont, sagte Sprecher Gerd Schwinger gestern dieser Zeitung. Allerdings sei Schule auch kein Kasernenhof.

Bild 1: Josef KrausFoto: Marco Kneise