Schwedens Polizei verheimlicht Flüchtlings--Kriminalität

Stockholm  Wo Flüchtlinge als Täter oder als Opfer verwickelt waren, wurde geschwiegen.

Junge Flüchtlinge auf dem Weg nach Schweden. Archivfoto: Bernd Wüstneck/dpa

Junge Flüchtlinge auf dem Weg nach Schweden. Archivfoto: Bernd Wüstneck/dpa

Foto: zgt

Schweden hat einen neuen Skandal: Systematisch hat die Polizei sämtliche Fälle verheimlicht, in die Flüchtlinge als Opfer oder Täter verwickelt waren. Das enthüllte jetzt die Tageszeitung „Svenska Dagbladet“.

Gemessen an seiner Einwohnerzahl von rund 9,8 Millionen Menschen zählt Schweden zu den europäischen Ländern mit dem höchsten Anteil an Asylbewerbern. Allein im Vorjahr waren es etwa 163 000.

Doch von zahlreichen Zwischenfällen, etwa in Flüchtlingsheimen, war bis auf Einzelfälle so gut wie nichts bekannt. Grund war eine Geheimhaltungsverordnung der Polizei.

Maskierte jagen südländische Menschen

Nach der Ermordung einer 22 Jahre alten freiwilligen Helferin durch einen Flüchtling in der vergangenen Woche und Ausschreitungen in Stockholm am Wochenende, bei denen rund 30 Maskierte Jagd auf südländische Menschen machten, hat „Svenska Dagbladet“ nun aufgedeckt, dass seit Oktober unter dem Sammelaktenzeichen „R291“ gut 5000 Vorfälle mit Flüchtlingsbeteiligung geführt wurden.

Schwedens Medien berichteten bislang, wenn überhaupt, nur kurz über besonders aufsehenerregende Fälle. Zum Beispiel, als ein abgelehnter Asylbewerber willkürlich zwei IKEA-Kunden ermordete. Erst nach den Zwischenfällen in der Silvesternacht in Köln war bekannt geworden, dass es auch sexuelle Massenübergriffe auf Mädchen bei einem Jugendfestival in Stockholm im Sommer 2014 und 2015 gegeben hatte.

„Es handelt sich um deutlich mehr Vorfälle als die 5000 in der Akte“, sagte Tomas Wallberg von der operativen Polizeieinheit Noa, die das Vorgehen bei allen Zwischenfälle mit Flüchtlingen – von Grenzkontrollen bis zu Schlägereien und Asylheimbränden – landesweit koordiniert. Die Herausforderungen, vor allem in Flüchtlingsheimen, seien riesig. Dort herrsche eine extrem angespannte Lage, die sich bei kleinsten Zwischenfällen entlade.

Mindestwohnstandards weiter reduziert

Wegen des Andrangs hätten die bereits geringen Mindestwohnstandards weiter reduziert werden müssen.

Psychische Erkrankungen seien die Folge, verbunden mit der Angst, ausgewiesen zu werden, erklärte Wallberg.

Schweden will bis zu 80 000 abgelehnte Asylbewerber zeitnah ausweisen.

„Die Situation wird immer schwieriger“, warnte nun erstmals auch offen Schwedens Reichspolizeichef Dan Elliasson. Er sei „sehr bekümmert“ über die steigende Anzahl von Vorfällen rund um Flüchtlingsheime. „Die Wohnsituation ist schlimm, es ist eng, und es kommt immer wieder zu Konflikten zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen“, sagte Elliasson der Zeitung „Svenska Dagbladet“. Am wichtigsten sei es, die Asylverfahren zu beschleunigen, die aktuell bis zu neun Monate dauern könnten.

Nur so könnten die schlechten Bedingungen in Zwischenlagern vermieden werden, so der Reichspolizeichef. Am 19. Februar will die Polizei in einem Bericht erstmals alles offenlegen.

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.