Sensation in Schmölln: Wählervereinigung schafft den Sprung in Stadtrat

Schmölln  Andy Franke, Spitzenkandidat der Wählervereinigung: „Wir sind total geplättet.“ Die erst vor wenigen Wochen gegründete Wählervereinigung für das neue Schmölln hat aus dem Stand den Einzug in den Schmöllner Stadtrat geschafft.

Das ist nur einer von mehreren Wahlzettel-Bergen, die die Wahlhelfer in Schmölln seit Sonntag abarbeiten mussten. Nach Mitternacht wurde die Auszählung in der Sprottestadt unterbrochen, am Montag wurde sie dann zu Ende gebracht.

Das ist nur einer von mehreren Wahlzettel-Bergen, die die Wahlhelfer in Schmölln seit Sonntag abarbeiten mussten. Nach Mitternacht wurde die Auszählung in der Sprottestadt unterbrochen, am Montag wurde sie dann zu Ende gebracht.

Foto: Jana Borath

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Zudem konnte die Wählervereinigung mit laut vorläufigem Wahlergebnis 22 Prozent der abgegebenen Stimmen sechs Sitze holen, womit sie sogar noch vor der etablierten CDU rangiert. Die verbuchte am Sonntag 19,7 Prozent der Stimmen und damit ebenfalls sechs Sitze. Andy Franke, Spitzenkandidat der Wählervereinigung: „Wir sind total geplättet.“ Der Altkirchener rang am Montag noch hörbar um Fassung und Worte. Doch so viel konnte er schon versichern: „Wir freuen uns auf unsere Aufgabe und wollen genau das versuchen, wofür wir angetreten sind: parteiunabhängiges Miteinander.“ Und er hofft, das große Vertrauen, das die Wähler Schmöllns in die Vereinigung setzen, zurückgeben zu können. Die Wählervereinigung war mit Liste 7 und mit insgesamt 24 Bewerbern überwiegend aus den Ortsteilen der Stadt Schmölln an den Start gegangen zur Kommunalwahl am Sonntag. „Dabei hatten wir gehofft, wenigstens zwei von unseren Kandidaten in den Stadtrat zu bekommen“, so Franke am Montag.

Mehr Transparenz im künftigen Stadtrat

Alexander Burkhardt, Fraktionschef und Spitzenkandidat der SPD, freut sich auf die Zusammenarbeit mit den Neuen. „Ihre Wahl zeigt, wie bunt Schmölln ist. Das spiegelt sich so im künftigen Stadtrat wider.“ Auch dass die Bürger für Schmölln (BfS) zwei Sitze dazu gewannen und künftig mit fünf Abgeordneten im Stadtrat vertreten sein werden, findet er völlig in Ordnung. Über das Abschneiden seiner eigenen Fraktion freute er sich ebenfalls. „Fünf Sitze“, sagte er. Schön sei dies vor allem deshalb, weil dieses Ergebnis entgegen dem Landestrend der Sozialdemokraten erzielt wurde: „Wir haben weniger Verluste.“ Dennoch wisse er, dass die SPD dieses Ergebnis auch dank der Tatsache eingefahren habe, weil die Sitze im Schmöllner Stadtrat auf 30 aufgestockt worden sind.

Angesichts der neuen Konstellation wird es nach Ansicht von Burkhardt künftig schwierig, als einzelne Fraktion etwas durchzubringen. „Wir alle werden uns also thematisch miteinander auseinandersetzen, aufeinander zugehen müssen, um Ergebnisse zu erzielen. Wir wollen das und stehen dem offen gegenüber.“

Noch vor der konstituierenden Sitzung des Schmöllner Stadtrates am 13. Juni wird sich die SPD-Fraktion treffen und möglicherweise Aufgaben neu verteilen: Fraktionsvorsitz, Ausschussarbeit und einiges mehr gelte es auszuloten. In der Wählervereinigung für das neue Schmölln sieht Burkhardt schon jetzt erste Ansprechpartner, wenn es um Anliegen des ländlichen Raumes geht. „Sie leben dort, wissen, wo der Schuh drückt und sind deshalb erste Adressaten für uns.“

Ein Vorhaben für die kommende Legislaturperiode hat die SPD schon jetzt festgelegt: „Unsere Arbeit soll transparenter werden, wir wollen Vorgänge mehr erklären, wir wollen die Einwohner mehr teilhaben lassen an der Arbeit im Stadtrat.“

Simone Schulze, CDU-Spitzenkandidatin in Schmölln, ist zufrieden mit dem sonntäglichen Wahlergebnis ihrer Partei. Obgleich ihre Fraktion mit künftig sechs Sitzen einen eingebüßt hat und rund 100 Wählerstimmen im Vergleich zur Stadtratswahl 2014. „Die neuen Ortsteile sind diesmal dazugekommen. Deshalb sag ich mal: Wir sind zufrieden.“ Allerdings habe man sich bei den Christdemokraten auch ein bisschen mehr gewünscht.

Neue Gedanken in Stadtratsarbeit

„Die neue Wählervereinigung hat zudem Leute auf ihrer Liste, die auch in Schmölln Stimmen gezogen haben. Ich finde das nicht schlecht“, kommentiert Schulze das überraschend gute Abschneiden der neu gegründeten Wählervereinigung. „Ist doch gut, wenn auch mal neue Gedanken reinkommen in unsere Stadtratsarbeit. Die Kollegen, die ich bereits kennengelernt habe, bringen ganz andere Denkansätze mit. Wenn es um die Sache geht, werden wir künftig immer eine Lösung finden“, blickt Simone Schulze optimistisch der Arbeit im künftigen Stadtrat entgegen.

Neues Forum als Verlierer der Kommunalwahl

Herbe Einbußen musste indes das Neue Forum in Kauf nehmen. Ihre Kraft im Schmöllner Stadtrat schrumpft von aktuell vier auf künftig zwei Sitze. Dabei war die Bürgerbewegung mit 14 Bewerbern und einigen neuen und auch jungen Gesichtern an den Start gegangen. „Wir sind sehr traurig, dass wir zwei Sitze verloren haben“, kommentierte gestern Spitzenkandidatin Gundula Werner aus Selka. „Wir haben keine Erklärung dafür. Vielleicht liegt es an der neuen Wählervereinigung oder daran, dass sehr viel in Bewegung geraten ist“, zeigte sie sich etwas ratlos.

Trotzdem wolle sich das Neue Forum mit den zwei verbliebenen Sitzen weiter engagieren. Man setze dabei auf die konstruktive Zusammenarbeit mit allen Vertretern im Stadtrat. Die Wählervereinigung für das neue Schmölln empfindet sie dabei als absolute Bereicherung, der man aufgeschlossen gegenüberstünde. „Ich finde es gut, dass die fünf neuen Ortsteile von Schmölln ihre Kräfte auf diese Weise gebündelt haben und sich aktiv einbringen wollen. Das ist eine positive Kraft.“

Linke-Spitzenkandidatin Ute Lukasch zeigte sich gestern angesichts des Achtungserfolges der neuen Wählervereinigung überrascht. „Das hätte ich nicht gedacht“, kommentierte sie. Ihre Fraktion zeige sich nun offen für alle Gespräche. „Wir sehen zu, dass wir im Stadtrat eine gemeinsame Arbeit hinbekommen.“ Die Fraktion der Linken besitzt aktuell fünf Sitze im Schmöllner Stadtrat, so viele werden es auch in der neuen Legislaturperiode sein.

Die Bürger für Schmölln (BfS) können mit 3533 Stimmen und künftig fünf Sitzen ihre Kraft im Schmöllner Stadtrat ausbauen. Mit diesem Wahlergebnis werden sie drittstärkste Fraktion nach Wählervereinigung für das neue Schmölln und CDU. Prozentual liegen sie mit 17,2 Prozent der Wählerstimmen sogar noch vor der SPD (15,4 Prozent) und der Linken (15,6 Prozent). Wie diese Wählergruppe ihr Abschneiden bewertet, war am Monag bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung zu bringen. Weder war Fraktionschef Jürgen Keller telefonisch erreichbar, noch die Spitzenkandidaten Lutz Landgraf, Roland Radermacher und Catja Schröter.

Keine Fraktion wird absolute Mehrheit erreichen

Bürgermeister Sven Schrade (SPD) freut sich auf den neuen Stadtrat. „Er wird bunt gemixt bleiben und das finde ich besonders gut.“

Dass keine Fraktion die absolute Mehrheit erreichen wird, empfindet er als Plus: „Das ist der beste Weg, um Kompromisse zu suchen. Ich hoffe auf eine weiterhin gute kommunalpolitische Arbeit“, so Schrade. Dass die Anzahl der Sitze in dem Gremium nach den Eingemeindungen von Altkirchen, Drogen, Nöbdenitz, Lumpzig und Wildenbörten auf 30 angehoben worden war, hält Schrade für einen guten Schritt. „Bei der Wahl am Sonntag hat sich das positiv ausgewirkt. In der kommenden Legislaturperiode bildet sich die große Vielfalt von Schmölln ab.“

Meine Meinung: Jana Borath über unvorhersehbare Wahlsonntage

Der Wahlausschuss der Stadt Schmölln tritt am Dienstag zusammen. Die Sitzung, auf der die vorläufigen Wahlergebnisse bestätigt werden sollen, beginnt um 18 Uhr in der Galerie des Rathauses.

Vorläufiges Ergebnis der Stadtratswahl in Schmölln

  • CDU 4042 Stimmen, sechs Sitze, 19,7 Prozent
  • Die Linke 3207 Stimmen, fünf Sitze, 15,6 Prozent
  • SPD 3169 Stimmen, fünf Sitze, 15,4 Prozent
  • FDP 506 Stimmen, ein Sitz, 2,5 Prozent
  • Neues Forum 1553 Stimmen, zwei Sitze, 7,6 Prozent
  • Bürger für Schmölln 3533 Stimmen, fünf Sitze, 17,2 Prozent
  • Wählervereinigung für das neue Schmölln 4530 Stimmen, sechs Sitze, 22 Prozent
  • Wahlberechtigt waren 11.838 Frauen und Männer
  • Gewählt haben 7133 Wahlberechtigte
  • Die Wahlbeteiligung lag bei 60,3 Prozent
  • Ungültige Stimmen: 223
  • Gültige Stimmabgaben: 6910
  • Zahl der gültigen Stimmen: 20.550

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