St. Gangloff will Bürgerinitiative gegen Winkraftpläne gründen

St. Gangloff  Zur Einwohnerversammlung am Mittwochabend informierten die Initiatoren über die Absicht der Landesregierung, ein Vorranggebiet für Windenergie südwestlich von St. Gangloff entwickeln zu wollen.

Blick in den Saal des Vereinshauses. Im Bild unten vorn Artenschutzexperte Martin Görner aus Jena bei seinem Vortrag. Foto: Andreas Schott

Blick in den Saal des Vereinshauses. Im Bild unten vorn Artenschutzexperte Martin Görner aus Jena bei seinem Vortrag. Foto: Andreas Schott

Foto: zgt

Rund 120 Einwohner aus St. Gangloff und Umgebung waren der Einladung zur Versammlung in das Vereinshaus „Zum Schwan“ gefolgt.

Als Themen standen die Festwoche zum Dorfjubiläum „750 Jahre St. Gangloff“, die geplante Gebietsreform der Landesregierung sowie Informationen zum Entwurf der Regionalen Planungsgemeinschaft Ostthüringen zur Entwicklung eines Vorranggebietes Windenergie südwestlich von St. Gangloff auf der Tagesordnung.

Nach einem kurzen Überblick durch Bürgermeister Frank Wiedenhöft über den Stand der Vorbereitungen für die Festwoche zum Dorfjubiläum und einer Kurzeinschätzung zur Gebietsreform – hier soll es eine separate Einwohnerversammlung geben – rückte das Thema Windenergie in den Mittelpunkt.

Windpark auf 349 Hektar großen Waldfläche

Jörg Schipke, neben Tobias Gruber und Florian Schulze einer der Initiatoren für die Gründung einer Bürgerinitiative, gab den Anwesenden einen Überblick über das in der Entwurfsplanung als W-20 ausgewiesene Vorranggebiet St. Gangloff und Eineborn. Es umfasse insgesamt 349 Hektar Wald und nehme 13 Prozent einer zusammenhängenden Waldfläche südwestlich von St. Gangloff in Anspruch. Das seien 488 Fußballfelder, verdeutlichte Sören Schipke.

Laut Planung seien Flächen südlich der Landstraße 76 – Deponiestraße sowie Teile des alten Kim-Geländes – sowie entlang der Autobahn 9 in diesem Gebiet vorgesehen. Östlich der Autobahn 9 auf der St. Gangloffer Seite in Richtung Eineborn/Tautendorf erstrecke sich der weitere Teil des Vorranggebietes. Derzeit noch nicht bekannt sei, in welcher Größenordnung die Windräder errichtet werden sollen. Vorstellbar sei, dass Windräder mit einer Nabenhöhe von 150 Meter installiert werden könnten, die eine Gesamthöhe von bis zu 180 Meter erreichen, führte er aus.

Zudem verwies er auf Gesundheitsrisiken für Menschen, die insbesondere durch Infraschall hervorgerufen werden. „Infraschall, auch unter 20 Hertz, ist noch in Entfernungen von 15 bis 20 Kilometern messbar und kann zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen“, so Sören Schipke. Zugleich bezog er sich auf das von amerikanischen Wissenschaftlern untersuchte sogenannte Wind Turbinen Syndrom – welches durch die Rotorenbewegungen Schallemissionen im Infraschallbereich erzeuge und die Gesundheit beeinträchtige. Von Windkraftanlagen ebenso betroffen sei in weiten Teilen die Tierwelt. Stellvertretend nannte er Rotmilan, Störche und Fledermäuse.

Kulturlandschaft wird durch Windkraft zerstört

Als gravierend beschrieb Schipke die Auswirkungen bei der Errichtung von Windkraftanlagen für das ökologische Waldsystem. „Durch riesige Offenlandflächen werden das Waldinnenklima zerstört und der Grundwasserspiegel beeinträchtigt. Damit wird in wenigen Jahren unsere Waldkulturlandschaft vernichtet“, stellte er fest.

Zudem seien Windkraftanlagen uneffektiv, weil es keine kapazitiven Speichermöglichkeiten gebe, ergänzte er.

Artenschutzexperte Martin Görner aus Jena verwies in seinem Vortrag auf zahlreiche wissenschaftlich völlig unbekannte Aspekte in Bezug auf Windkraftanlagen und deren Auswirkungen auf Flora und Fauna. „Es ist europaweit unbekannt, welche ökologischen Folgen zum Beispiel oberhalb der Baumkronen für den Lebensraum drohen, wie das Mikroklima beeinflusst wird und welche Wirkungen von Monster-Windrädern ausgehen“, so der Experte. Er beschrieb beispielhaft die Gefahrenpotenziale, die von Windrädern für Vögel, Fledermäuse und Insekten ausgehen. Zudem warnte er, dass der Waldboden in seiner jetzigen Zusammensetzung seit 10 000 Jahren bestehe. „Wenn der Wald durch massive Rodungen und die notwendige Verdichtung der Böden durch die Errichtung von Windrädern erfolgt, hat das unweigerlich Einfluss auf den Wald und das gesamte ökologische System“, mutmaßte Martin Görner.

In der nachfolgenden Diskussion mit zahlreichen Fragen aber auch Anmerkungen zeigte sich eine mehrheitlich getragene Sorge der Anwesenden.

Um diese aufgreifen und aktiv werden zu können, warben die Initiatoren für die Gründung einer Bürgerinitiative mit reger Beteiligung der Einwohner. Bürgermeister Frank Wiedenhöft bat die Anwesenden, möglichst viele stichhaltige Argumente zusammenzutragen, um im Rahmen der derzeit bis zum 12. Juli ausliegenden Entwurfspläne schwergewichtig Stellung auf das Vorhaben nehmen zu können. „Die Gemeinde werde sich deutlich gegen die Pläne stellen“, kündigte Wiedenhöft an.

Um erfolgreich zu sein, so Sören Schipke, brauche man eine Bürgerinitiative, die von einem Großteil der Bürger getragen werde, warb er um Mitarbeit.

Mut und Ansporn verbreitete Tobias Gruber zum Abschluss der Einwohnerversammlung. „Wenn wir Gangeldorfer Holzköppe es nicht schaffen, wer sonst.“

Derzeit ist eine Unterschriftenaktion angelaufen, und am 23. Mai soll die Gründung der BI erfolgen.