Stadtjugendpfarrer regt an Zulassung für NPD-Konzert zu überdenken

Die evangelische Kirche Gera hatte am Dienstagabend zu einem Gedenkgottesdienst für die Opfer des Massakers in Norwegen eingeladen. Geras Stadtjugendpfarrer Michael Kleim darüber, was das Massaker in Norwegen mit deutschen Neonazis und dem bevorstehenden 6. August in Gera zu tun hat.

Im Gedenken an die Opfer der Massaker in Norwegen und zur Warnung vor dem NPD-Konzert am 6. August in Gera zündet Pfarrer Michael Kleim in der Trinitatitskirche eine Kerze an. Foto: Angelika Munteanu

Im Gedenken an die Opfer der Massaker in Norwegen und zur Warnung vor dem NPD-Konzert am 6. August in Gera zündet Pfarrer Michael Kleim in der Trinitatitskirche eine Kerze an. Foto: Angelika Munteanu

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In der Tat. Das Motiv des Täters in Norwegen war unbändiger Hass. Seine Tat deutet auf rechtsradikale und christlich-fundamentalistische Hintergründe. Und solcher Hass wächst mitten in unserer Gesellschaft - auch in Deutschland. Für das NPD-Konzert am 6. August in Gera sind Bands angekündigt, deren Namen offen diesen Hass benennen wie "Brutale Attacke", "Brennender Hass" und "National geborener Hassträger".

Welche Rolle kommt der Kirche in der Auseinandersetzung damit zu?

Die Gefahr des Neonazimus ist nicht allein politisch zu sehen. Ausgrenzung und Gewalt werden auch mit der Bibel begründet. Die NPD missbraucht zudem mit dem Slogan "Nie wieder Kommunismus - Freiheit für Deutschland" zielgerichtet die Opferverbände der SED-Diktatur.

Ich war in der DDR-Zeit selbst aktiv in der Menschenrechtsbewegung wie viele andere Kirchenvertreter auch. Die Begründung der NPD, mit dem Konzert am 6. August in Gera an die Opfer des 17. Juni 1953 und des Mauerbaus 1961 erinnern zu wollen, ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die zu DDR-Zeiten für ein freiheitliches und demokratisches Land gekämpft haben.

Wird es am 6. August wieder ein Friedensgebet geben - und wo, wenn das NPD-Treffen diesmal auf dem Parkplatz am Hofwiesenpark stattfindet?

Wir haben schnell reagiert und das Friedensgebet vom traditionellen Ort Trinitatiskirche in das Rosenzelt im Hofwiesenpark verlegt. Dorthin laden die evangelische, die katholische und die Freikirchen in Gera um 9.30 Uhr wiederum gemeinsam zu einem Ökumenischen Gottesdienst ein.

Die Kirchen beziehen damit erneut eine klare Position...

Wir wollen die Bürger zum zivilen Widerstand motivieren gegen jedwede Gewalt und Aggression. Es ist wichtig, dass die Menschen kommen, je mehr aus der Bürgerschaft der Stadt da sein werden, umso größer ist die Chance, dass der Protest vor Ort gegen das Hasskonzert der NPD Gehör finden wird. Der Runde Tisch für Toleranz und Menschlichkeit, die Gewerkschaft und das Aktionsbündnis gegen Rechts werden auf drei Plätzen rund um den Parkplatz gegen das NPD-Treffen protestieren.

Befürchten Sie, dass die bevorstehenden Ereignisse am 6. August eskalieren könnten?

Ich bin mir nicht sicher, mit welcher Dynamik sich das Geschehen entwickeln wird, welche Gruppen von außerhalb mit welchen Motivationen nach Gera kommen werden und mit welchen Emotionen die politische Auseinandersetzung an dem Tag in Gera ausgetragen wird. Die Geraer werden in den Kirchen dafür beten, dass es friedlich bleibt. Aber nach dem Massaker in Oslo ist die Situation eine neue.

Deshalb sollte meiner Ansicht nach die Geraer Stadtverwaltung noch einmal ernsthaft darüber nachdenken, ob sie die Genehmigung für das NPD-Konzert aufrecht erhält.

Worin besteht die neue Situation?

Das Massaker in Norwegen hat ein Einzeltäter verübt, der zuvor kaum auffiel. Das ist zwar nicht völlig neu. 1980 gab es auf dem Oktoberfest auch einen Bombenanschlag offenbar eines Einzeltäters. Solch ein Vorgehen ist hocheffektiv. Und rechtsradikale Musik trägt dazu bei, solche "einsamen Wölfe" heranzuziehen.