Steffen Kania liegt vorn in Saalfeld - Überraschungen in Gräfenthal und Kaulsdorf - in Rudolstadt siegt Amtsinhaber

Saalfeld-Rudolstadt  In Unterwellenborn und Rudolstadt stehen die neuen Bürgermeister fest – Faustdicke Überraschung in Gräfenthal. Die Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen in Saalfeld-Rudolstadt.

CDU-Bürgermeisterkandidat Steffen Kania (rechts) verfolgt in der CDU-Geschäftsstelle am frühen Abend die einlaufenden Ergebnisse aus den Stimmbezirken. In die anstehende Stichwahl geht er mit über elf Prozent Vorsprung zu Steffen Lutz (SPD).

Foto: Voigt

Die größte Sensation dieses Wahlsonntags ereignete sich in der Gemeinde mit den wenigsten Wählern: In Gräfenthal räumte Wolfgang Wehr, umtriebiger Schlossherr auf Schloss Wespenstein, aus dem Stand und ohne als Bewerber offiziell zugelassen gewesen zu sein, über zwei Drittel der Wählerstimmen für sich ab und wird damit neuer Bürgermeister.

Wehr sagte am Abend, er hätte zwar schon ein gutes Gefühl vor dem Urnengang gehabt, weil zum Beispiel an die 50 Einwohner noch am Freitag zu einer Wahlveranstaltung aufs Schloss gekommen seien. „Aber ich war unsicher, ob nicht doch die Alten, die alles so lassen wollen wie bisher, sich durchsetzen würden“, meinte der Gewinner, für dessen Sieg 530 Gräfenthaler dessen Namen auf den Stimmzettel schreiben mussten. Er stehe für eine „Wende um 180 Grad“ in der Stadtpolitik, betonte Wehr, der zum Beispiel für ein neues Gewerbegebiet streiten und die Tourismusförderung wieder im Rathaus ansiedeln will.

Ebenfalls überraschend fiel das Wahlergebnis in der Gemeinde Kaulsdorf aus, wo zwar eine Stichwahl erwartet worden war, aber nicht unbedingt mit einer Frau als Zweitplatzierter, die noch dazu dem Stimmsieger keinen großen Vorsprung ließ. Kerstin Barczus, Energie-Managerin und Einzelbewerberin, zeigte sich am Abend deutlich überrascht, mit 30,4 Prozent nur wenige Prozente hinter dem Favoriten Roger Esefeld (CDU) zu liegen, der seit 1990 im Gemeinderat wirkt und zuletzt Erster Beigeordneter war. „Ich werde auf jeden Fall kämpfen“, meinte Barczus. Sie werde jetzt bevorzugt auf jene Wähler zugehen, die sie bislang noch nicht direkt habe ansprechen können.

Esefeld freute sich über sein Ergebnis und die mit 71,5 Prozent überaus hohe Wahlbeteiligung. Materiell werde er im Stichwahlkampf nicht noch einmal nachlegen, kündigte der Metall-Lehrmeister an: „Die Plakate bleiben einfach hängen.“

Mehr oder weniger wie erwartet lief das Rennen in Saalfeld, wo ebenfalls fünf Neu-Kandidaten in das Amt des scheidenden Matthias Graul (parteilos) drängten.

Bereits eine halbe Stunde nach Schließung der 18 Wahllokale verfolgte CDU-Kandidat Steffen Kania in der Kreisgeschäftsstelle seiner Partei den Eingang der Ergebnisse am Computer merklich entspannt. „Sehr zufrieden“ sei er mit den 43,5 Prozent, nun gelte es, in den nächsten 14 Tagen noch einmal Druck zu machen. Noch heute wolle er beginnen, mit den ausgeschiedenen Bewerbern Oliver Brömel, Sebastian Sussek und Roland Beyer Gespräche zu führen, um sie als seine Unterstützer zu gewinnen.

Das will, mit Blick vor allem auf Brömel und Sussek, auch SPD-Bürgermeisterkandidat Steffen Lutz, der seine 32,3 Prozent als „sehr gute Werte“ einschätzte. Gemeinsam mit den beiden Mitbewerbern, die für das junge und das bürgerlich-liberale Lager stünden, werde sich seine inhaltliche Basis verbreitern lassen, hofft Lutz, der nun darauf setzt, für die Stichwahl mehr Menschen mobilisieren zu können. Lutz und Kania bedauerten die mit 45,3 Prozent sehr niedrige Wahlbeteiligung in der Kreisstadt. Die sei „nicht nachvollziehbar“ angesichts eines doch engagiert und über alle Medien geführten Wahlkampfes und einer so großen Auswahl an Bewerbern, befand Kania.

In Rudolstadt hingegen bleibt alles beim Alten: Amtsinhaber Jörg Reichl (BfR) hat mit 77,3 Prozent die Wahl gewonnen und wurde als Bürgermeister bestätigt. Simone Post von den Linken hatte gehofft, dass ihr Wahlslogan von der Post, die abgeht, sich etwas eindrucksvoller hätte umsetzen lassen. „Nach Gesprächen mit den Bürgern hatte ich den Eindruck, dass meine Themen stärker beim Wähler punkten.“ Sie sei nicht eben glücklich, aber auch nicht so traurig. Die politische Arbeit will sie fortsetzen: „Nach der Bürgermeisterwahl ist vor der Wahl des Stadtrates im nächsten Jahr“, sagte sie.

„Zehn Prozent, das ist doch toll!“ so die Reaktion des Bündnisgrünen Frank Bock. Ihm sei es darum gegangen, dass es überhaupt Konkurrenz gehe. „Wahlergebnisse sind für mich eher ein Blitzlicht“, die wahre demokratische Arbeit finde im Alltag dazwischen statt. Er freue sich, dass die Themen, für die er stehe, beispielsweise die Umgestaltung des Marktes, stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit gekommen seien. Dafür habe er auch dem Wähler zu danken. Jetzt komme es darauf an, bei den Themen dran zu bleiben, sagte Bock mit Hinweis auf den komplizierten Zustand im Städtedreieck. „Da brauchen wir endlich Konstruktivität!“ Mit seinen politischen Konkurrenten zusammensetzen will sich auch der Wahlsieger. Er habe eine Stunde gewartet und sich dann aus dem Haus getraut, kokettierte der haushohe Sieger (77,3 Prozent) mit dem Ergebnis. All das sei nicht erreichbar gewesen, ohne die Hilfe der Mitstreiter im Bündnis „Bürger für Rudolstadt“, sagte er vor einigen Dutzend Anhängern in Burgkeller unweit des Rathauses. Auch wenn es weiter viel zu tun gebe, das sei der Abend zum Feiern, so Jörg Reichl.

Dafür ist es in Bad Blankenburg noch zu früh. Zwar gab es mit Mike George (Freie Wähler) auch hier einen deutlichen Zwischensieger, aber auch er schaffte es mit 42,3 Prozent nur in die Stichwahl. Er habe bereits mit den ausgeschiedenen Kandidaten telefoniert und ihnen Gespräche angeboten, sagte George. Viele Sprachlosigkeiten müssten beendet werden, so auch diejenige, in welche Richtungen sich Bad Blankenburg in Zukunft entwickeln wolle.

Die Kräfte bündeln will auch sein Konkurrent Thomas Persike (Linke), der es in die Stichwahl schaffte. Wie man sich in den nächsten 14 Tagen aufstelle, müsse er nun mit seinen Freunden beraten, so Persike.

Derlei Rat muss Andrea Wende (Freie Wählergemeinschaft) nicht suchen. Sie holte erwartungsgemäß mit 87 Prozent einen haushohen Sieg ein und wird auch die demnächst vergrößerte Gemeinde Unterwellenborn in den nächsten sechs Jahren als Bürgermeisterin führen. „Die Leute kennen mich seit zwölf Jahren und können selbst Bilanz ziehen“, erklärte Wende nach der Wahl.

Dass ihr Konkurrent Thomas Kuhn (BI), Noch-Bürgermeister von Kamsdorf, mit lediglich 13 Prozent abgespeist wurde, erklärt Wende auch damit, dass sie mit Kuhn in den meisten Dingen „an einem Strang und in eine Richtung“ ziehe, vor allem hinsichtlich einer starken ländlichen Gemeinde durch die Eingliederung von Kamsdorf nach Unterwellenborn. Freilich hat Kuhns dürftiges Ergebnis noch einen anderen Grund: Obwohl noch in diesem Jahr Teil der Gemeinde Unterwellenborn, durften die Kamsdorfer jetzt noch nicht mitwählen.

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