Streit um Pläne für ein Hotel am Jenaer Planetarium

Jena  Denkmal- und Naturschutz: Nach einem Bericht unserer Zeitung widmet sich der Stadtentwicklungsausschuss einem schwierigen Thema

Blick auf das Carl-Zeiss-Planetarium der Jenaer Ernst-Abbe-Stiftung. Jena kann mit einem Superlativ aufwarten: In der Universitätsstadt steht das mit 90 Jahren dienstälteste Planetarium der Welt.

Blick auf das Carl-Zeiss-Planetarium der Jenaer Ernst-Abbe-Stiftung. Jena kann mit einem Superlativ aufwarten: In der Universitätsstadt steht das mit 90 Jahren dienstälteste Planetarium der Welt.

Foto: Jan-Peter Kasper

Von dem Vorhaben könnten die touristischen Magnete Jenas profitieren, im Stadtentwicklungsausschuss offenbarte sich der Konflikt: Wie ist der Bau eines Hotels am Planetarium vereinbar mit dem Denkmalstatus, den der Botanische Garten genießt?

Der stellvertretende Vorsitzende des Gremiums, Christian Gerlitz (SPD), setzte den Punkt auf die Tagesordnung, nachdem unsere Zeitung Anfang Oktober über den Konflikt berichtete. Gravierende Einwände formulierte jetzt die Leiterin des Teams Denkmalschutz, Elke Zimmermann. Sie sprach von einem der sensibelsten Bereiche in der Stadt, erinnerte an die exponierte Stellung des Botanischen Gartens und des Griesbachgartens ebenso wie an das angrenzende Damenviertel als Denkmalensemble. Das Vorhaben schränke das Planetarium als Solitär ein und beeinträchtige Sichtbeziehungen, Fragen nach dem Grundwasserhaushalt seien nicht beantwortet.

Auch der Kreisverband des Naturschutzbundes Jena sprach sich gegen die Pläne aus. „Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir viel Grün in einer Stadt, in der immer mehr Flächen versiegelt werden sollen, denn dieses Grün ist wichtig für ein gesundes Stadtklima in Jena“, heißt es in einem Schreiben an die Fraktionen. Allerdings ist die Kritik, ein Teil des alten Baumbestandes würde weichen müssen, offenbar falsch. Der Geschäftsführer des Planetariums, Jörg Hühn, sagte dies, ohne jedoch in seinen Ausführungen sehr konkret zu werden. Es sei für belastbare Aussagen immer noch zu früh, und er betonte, dass der Abstimmungsprozess zwischen den Beteiligten mindestens noch zwei Monate andauern werde. Der Zeitplan jedenfalls sei bereits überschritten. Hühn sagte aber, dass dem Hotelbau lediglich der Wirtschaftshof weichen müsse, ohnehin kein Hingucker im Denkmalensemble: Pflanzenabfall, Schotterplatz, Geräteschuppen.

„Ich spreche für den Botanischen Garten, nicht für die Universität“, sagte der technische Leiter, Thomas Bopp. Seine Haltung ist klar: Falls die Betriebshoffläche anders als bisher genutzt werden soll, so sei im Rahmenplan des Botanischen Garten für diesen Ort ein Veranstaltungsareal für Konzerte, Theater und Vorträge geplant. Auch die Grüne Schule könne dort Unterricht veranstalten.

Stadträte wie Reinhard Wöckel (Die Linke) waren über den manifest gewordenen Streit verwundert, wähnten sie das Vorhaben auf einem guten Weg. Und Heidrun Jänchen (Piraten) kritisierte die Informationspolitik und sagte, dass die Verwaltung den Stadtrat dumm sterben lasse. Mit einem Hinweis auf ihren Parteikollegen Clemens Beckstein sagte sie, dass auch die Leitung der Universität große Bedenken gegen die Baupläne habe. Beckstein ist Stadtrat der Piraten, aber eben auch Professor für praktische Informatik. Wie die Haltung der Universität ist, blieb gestern offen. „Friedrich-Schiller-Universität und Ernst-Abbe-Stiftung sind dazu im Gespräch. Dabei sind Grundsatzfragen offen, die erst noch geklärt werden müssen“, erklärte der Sprecher der Friedrich-Schiller-Universität, Axel Burchardt. Hinter den Kulissen ringen viele Beteiligte um einen Plan, der der sensiblen städtebaulichen und denkmalpflegerischen Situation gerecht werden soll. Immerhin bildete sich unter der Federführung der Ernst-Abbe-Stiftung ein Arbeitskreis, dem unter anderem Vertreter des Baukunstbeirates, der Friedrich-Schiller-Universität und der Stadtverwaltung angehören. Dabei ist es kein Geheimnis, dass eine Stellungnahme der Universitätsleitung maßgeblich für das ehrgeizige Projekt ist.

Viele Stadträte sprachen jedoch von einem Kommunikationsproblem, und der zuständige Dezernent Denis Peisker (Bündnisgrüne) warb dafür, dass alle Beteiligten zeitnah aufeinander zugehen sollten. Nach dem Einleitungsbeschluss für das Bebauungsplanverfahren werden jetzt die Grundlagen ermittelt.

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