Von Protest und Willkommen: Zeitzeugengespräch in Rudolstadt

Rechte Gewalt thematisiert die Ausstellung "Angsträume" im Alten Rathaus in Rudolstadt. Am Donnerstag traf man sich dort zu einem Zeitzeugengespräch. Zu Gast waren auch zwei Flüchtlinge aus Syrien.

Foto: zgt

Rudolstadt. Schnell wurde deutlich: Es sollte an diesem Abend um mehr gehen als um Neonazis und die Gefahr, die von ihnen ausgeht. Es ging um Flüchtlinge, um Willkommenskultur, Protestformen und auch um den 1. Mai in Saalfeld.

Begegnungen schaffen Anknüpfungspunkte

Ahmad Almousli ist einer der ersten Flüchtlinge aus Syrien gewesen, die im ehemaligen BZ-Gebäude in Unterwellenborn eingezogen sind. Inzwischen lebt er mit drei Landsleuten in einer Wohnung in Saalfeld, hat eine Aufenthaltsgenehmigung und wird nun bald seine Familie nachholen. Auf legalem Weg. Der 36-Jährige hat die emotionsgeladene Bürgerversammlung miterlebt, aber auch das Willkommensfest. Er hat erlebt, wie Autofahrer mit Pfeifkonzert um das Heim gefahren sind, wie Betrunkene an der Tür gerüttelt haben, wie geschimpft und gepöbelt wurde. "Heute weiß ich, das ist nicht die Mehrheit hier. Ich habe hier viele nette, hilfsbereite Leute kennengelernt", sagte er am Donnerstagabend in der Runde der etwa 30 Gesprächsteilnehmer. Gefragt, ob er sich ein Leben in Saalfeld vorstellen könnte, antwortete er: "Ja".

Ahmad und sein Landsmann Assaad Moubyad, die beide an diesem Abend von Andre Hünger vom Verein Grenzenlos begleitet wurden, haben von ihrer Flucht berichtet und davon, wie es ihnen jetzt in Deutschland geht. "Gut", sagen beiden. "Es gab am Anfang ein paar kleine Probleme, aber jetzt ist es okay".

"Man spürt einen großen Unterschied zu den 1990er Jahren. Es gibt heute in der Gesellschaft zahlreiche Initiativen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, auch hier im Landkreis", stellte Stefan Heerdegen, Mitarbeiter von "Mobit", der mobilen Beratungsstelle für Demokratie, gegen Rassismus, fest.

Mit der Frage: "Was kann man tun, wenn man mit rechter Gewalt konfrontiert wird", hatte Pfarrer Gisbert Stecher, der den Abend moderierte, den Blick auch auf den 1. Mai in Saalfeld gerichtet. Dort will sich ein breites Bündnis einer geplanten Neonazi-Demonstration entgegen stellen. "Wir werden ganz klar Position beziehen und viele ermutigen, es gleich zu tun", so der Tenor aus der Runde. Wie, dazu gibt es bereits Gespräche zwischen Vertretern von Parteien, Kirchen, Gewerkschaften.

Doch auch das wurde deutlich: Die Auffassungen über Art und Weise des Protestes gehen auseinander. Ist eine Blockade noch friedlich? "Die Protestbedürfnisse sind sehr unterschiedlich", so Stefan Heerdegen. "Aber dass es dabei friedlich zugeht, ist der Normalfall". "Gemeinsames Singen, das war für mich sehr ergreifend", erinnerte sich Christine Günther an eine Protestveranstaltung gegen eine NPD-Demo, als man "Freude schöner Götterfunken" angestimmt hatte. Es gibt aber auch andere Beispiele. "Schwierig wird es, wenn die Leute sagen: Die Linken haben mein Haus beschmiert", so Gisbert Stecher.

Position beziehen, zusammenstehen, sich für Fremde einsetzen - das wird nach Ansicht von Annette Franz auch wichtig mit Blick darauf, dass künftig mehr Flüchtlinge nach Rudolstadt kommen. "Wichtig ist es, Situationen der Begegnung zu schaffen. Dann stellt man zum Beispiel fest: Mensch, der Andere interessiert sich genauso für Fußball, wie ich. So finden sich schnell gemeinsame Anknüpfungspunkte", sagte Sebastian Heuchel (Grüne).

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