Wahl in Dornburg-Camburg: Dorothea Storchs Pläne für zweite Amtszeit

Dornburg-Camburg  Dorothea Storch will in einer zweiten Amtszeit begonnene Projekte beenden.

Dorothea Storch, Bürgermeisterin von Dornburg-Camburg.

Dorothea Storch, Bürgermeisterin von Dornburg-Camburg.

Foto: Angelika Schimmel

„Früher, in meiner Rechtsanwaltspraxis am Markt in Camburg, hatte ich viele Mandanten zu vertreten. Heute habe ich nur einen Mandanten, ich habe die Stadt zu vertreten“, sagt Dorothea Storch (CDU). Eine Politiker-Karriere hatte die Volljuristin nie angestrebt, das Familienrecht war ihr liebstes Betätigungsfeld. Und die eigene Familie mit Mann und zwei Kindern war ihr Herausforderung und Glück genug. Aber dann kam alles anders, die CDU Ortsgruppe war 2012 fest überzeugt, dass die 39-Jährige genau die richtige Frau mit den richtigen Talenten und Kompetenzen war, die eingefahrenen Wege der Stadtpolitik zu verlassen und das angeschlagene Schiff wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Sie nahm diese Herausforderung an, auch „wenn ich mir damals nicht habe vorstellen können, wie intensiv und vielseitig dieser Job ist“. Und sie ist bereit, mit Rückendeckung der CDU eine zweite Amtsperiode anzugehen. „Als ich das Amt der Bürgermeisterin annahm, war ich ja quasi ungelernt. Heute, sechs Jahre und viele Erfahrungen später, bin ich richtig eingearbeitet und habe große Lust und viel Elan für eine weitere Amtsperiode. Denn für manche Projekte reicht eine Amtszeit nicht“, sagt Storch. Wo sie die Schwerpunkte sieht, hat sie im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert.

Brücken bauen

Das Baurecht gehörte früher nicht zu den Spezialitäten der Juristin, Doch für die Kommunalpolitikerin sind Kenntnisse dazu überlebenswichtig, weil das Bauen eins der großen Betätigungsfelder ist. Drei Brückenbau-Vorhaben sind unter ihrer Regie in der Stadt auf den Weg gebracht worden, zwei davon, der Camburger „Steg“ und die Wirtschaftsbrücke bei Stöben belasten den städtischen Haushalt nicht, weil sie aus Mitteln des Hochwasserfonds neu gebaut werden.

Das dritte, die denkmalgerechte Sanierung der Carl-Alexander-Brücke in Dorndorf-Steudnitz, verlangt dagegen von der Stadt großes Engagement. 465 000 Euro stehen dafür im Haushalt 2018 . Dieses Projekt, trotz aller Schwierigkeiten zu vollenden, sei ihr ein Herzensbedürfnis, bekennt Storch. Zehn Jahre hätten Brückenverein und Kommune um den Erhalt der Brücke gekämpft, das sei Verpflichtung, das Projekt auch zu Ende zu bringen. Das Ja zur Carl-Alexander-Brücke – die sei immerhin das markante Tor zum nördlichen Saaletal – sei auch ein Bekenntnis zum Erbe, zu Herzog Carl Alexander, der Wichtiges für die Stadt und die Region in Gang gebracht habe.

Als vierten Brückenschlag möchte Storch zwischen Camburg und Tümpling eine Radfahrerbrücke über die Saale bauen, um den Radtouristen zwischen Saale und Elster noch mehr Wege zu ebnen.

Tradition pflegen

Die alte Bauhaus-Töpferei im Dornburger Marstall sollte schon vor langer Zeit zum touristischen Anziehungspunkt werden. Es sei von heute aus gesehen ein Glück gewesen, dass die Stadt vor Jahren kein Geld hatte, um die Idee umzusetzen, sagt die Bürgermeisterin. So konnte die 100-jährige Geschichte konserviert werden und kann jetzt, mit neuem Museumsprojekt zum Bauhaus-Jubiläum ins rechte Licht gerückt werden. Die Stadt nehme ihre Verantwortung als Eigentümerin des Marstalls sehr ernst, sei aber heilfroh, dass die Aufgabe der inhaltlichen Museumsgestaltung und dessen Betrieb vom Verein Keramikmuseum Bürgel übernommen werde.

Geordnete Finanzen

Jegliche Investition, ob im Baubereich oder für den Erhalt freiwilliger Leistungen, so für das Freibad in Camburg, die Stadtbibliothek mit ihrer Außenstelle in Dornburg, das Stadtmuseum oder die Umwandlung des Rathauses in Dornburg zum Vereinshaus, erfordere eine finanziell gesunde Basis und Leistungskraft der Kommune, weiß Storch. Als sie an den Start ging, stand die Stadt kurz vor dem finanziellen Ruin, es gab Haushaltssperren, ein Konsolidierungskonzept, ein fast millionengroßes Steuerloch 2013, Bedarfszuweisungen 2014 – und 2018 einen ausgeglichenen, genehmigten Haushalt, in dem beträchtliche Eigenmittel für mehrere Bauvorhaben eingestellt sind. Das Ziel, den Schuldenberg weiter abzutragen, und auch die 858 000 Euro Bedarfszuweisungen aus 2014 ab 2019 wieder an das Land zurückzuzahlen, habe sie fest im Blick, versichert Dorothea Storch.

Fördertöpfe anzapfen

Der Umstand, dass in der Stadt trotz fehlender Eigenmittel in den vergangenen sechs Jahren viel an kommunalen Immobilien gebaut wurde, erfüllt die Bürgermeisterin mit Stolz. „Wer so verzweifelt ist wie ich es anfangs angesichts leerer Kassen war, der durchforstet intensiv den Fördermitteldschungel.“ Storch wurde fündig bei einem älteren Programm, das die bauliche Sicherung von Gebäuden finanziell unterstützt – zu 100 Prozent. Auf diese Weise bekam das Stadtmuseum ein neues Dach und trockene Grundmauern, ebenso das „Kulturhaus“, heute Domizil der Volkssolidarität, und das so genannte Alte Rathaus von Camburg. Das zu einem lebendigen Haus der Vereine umzubauen, sei ein großer Wunsch und ihr Ziel für die Zukunft. Sie sei froh, dass mit dem Bogenschützenverein ein potenter Partner gefunden sei, der jetzt den Anfang im Haus mache. Dorothea Storch hofft, dass andere Vereine sich vom Elan der Bogensportler anstecken lassen und sich im Alten Rathaus mit Eigenleistungen ein ansprechendes Domizil schaffen. Die Stadt werde tun, was ihr möglich sei, um zu unterstützen. So seien bereits Fördermittel für die denkmalgerechte Sanierung der wertvollen Stuckdecke im Saal des Hauses beantragt worden.

In den Genuss der 100-Prozent-Förderung von Sicherungsmaßnahmen soll auch weiter die Burg Camburg kommen, deren einer Flügel abgestützt werden muss. Auch das Dach soll erneuert werden. Fördermittel soll es auch für das Dorfgemeinschaftshaus Tümpling geben.

IBA-Projekt

Um die Zukunft der Domäne in Dornburg hat es lange nicht rosig ausgesehen. Die Internationale Bauausstellung Thüringen habe sich da als „schöner Zufall“ erwiesen, ist Storch überzeugt. Ebenso, dass die Kommune allein das Projekt nicht hätte stemmen können. Dass sich heute Universität Jena, Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sowie die Kommune als „so gute Partner“ zusammengefunden hätten und gemeinsam das IBA-Projekt in Dornburg umsetzen wollen, sei eine glückliche Entwicklung. Nur so könnten Investoren überzeugt werden, sich in Dornburg zu engagieren, sagt Storch. Die Kommune werde diesen künftig, wo möglich, Unterstützung geben, ob bei der Bearbeitung von Bauanträgen oder bei der Beantragung von Fördermitteln, versichert sie.

Verlässlichkeit

In der Stadt Dornburg-Camburg sei in den vergangenen Jahren viel erreicht worden. „Wir haben mehr geschafft, als je gedacht. Das hätte ich so nie zu versprechen gewagt“, sagt Dorothea Storch. Doch es sei auch noch viel zu tun. Den Mut, das anzugehen habe sie, weil sie sich auf so viele Menschen verlassen könne, die sich mit Ideen und Kraft einbringen. Und weil es im Stadtrat ein konstruktives Miteinander gebe, über Fraktionen hinweg, daran orientiert, was für die Stadt gut und richtig sei.

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