Wahl zum Kreistag Saalfeld-Rudolstadt: AfD auf Anhieb auf CDU-Niveau

Saalfeld/Rudolstadt  Einen großen und drei kleine Gewinner gibt es bei der Kreistagswahl im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Während Grüne, FDP und BfL gegenüber 2014 leicht zulegten, kam die AfD aus dem Stand auf 22,4 Prozent der abgegebenen, gültigen Stimmen.

Wahlsonntag 2019 in Saalfeld: Im Wahllokal Bildungszentrum Käthe-Kollwitz-Straße wird eine der Wahlurnen ausgeschüttet. Rund 2500 Saalfelder waren in diesem Stimmbezirk wahlberechtigt.

Wahlsonntag 2019 in Saalfeld: Im Wahllokal Bildungszentrum Käthe-Kollwitz-Straße wird eine der Wahlurnen ausgeschüttet. Rund 2500 Saalfelder waren in diesem Stimmbezirk wahlberechtigt.

Foto: Robin Kraska

Damit landet die AfD nur knapp hinter der CDU (22,8 Prozent), die gegenüber der Kreistagswahl vor fünf Jahren satte zehn Prozent verlor. Dritter ist die SPD, die mit Landrat Marko Wolfram auf 15,8 Prozent kam und damit nur leicht verlor, gefolgt von BfL (14.4 Prozent) und Linken (11,0, das entspricht einem Minus von 8,6 Prozent!). Die FDP legt um ein Mandat zu, die Grünen bleiben bei zwei und die BI, die mit Günter Gothe nur einen Kandidaten aufgestellt hatte, bringt diesen auch durch.

Die AfD, die vom Wähler aus dem Stand auf das Niveau der CDU gehoben wurde, zeigte sich am Tag nach der Wahl glücklich und dankbar für das Vertrauen. „Die Wähler der AfD beruhigt es dennoch nicht, dass es uns gegenwärtig (noch) gut geht, denn sie sehen die dunklen Wolken bereits am Horizont, ob der Entwicklung wie der offenen Grenzen- und weiteren Öffnung der Sozialsysteme. Denn alles im Leben braucht Begrenzung“, so Verena Sigmund, die als Sprecherin des Gebietsverbandes Saalfeld-Rudolstadt mit neun anderen Fraktionären in den Kreistag einziehen wird. Man verstehe sich „als Avantgarde in den Rathäusern und Kreistagen“, werde natürlich auch eigene Akzente setzen, „aber dennoch gute und Sinn stiftende Entscheidungen für unsere Bürger mit anderen mittragen“, so die Saalfelderin.

Wahlhelfer zählten teilweise die Nacht durch

CDU-Spitzenkandidat Maik Kowalleck redet die eigene Niederlage klein. Man habe keine großen Erwartungen an die Kreistagswahl gehabt, weil man vor fünf Jahren dank des „Holzhey-Effektes“ - der damalige parteilose Landrat hatte auf der Liste der CDU kandidiert - ein ungewöhnlich starkes Ergebnis erzielt hatte. Noch Montagabend wollte sich der Kreisvorstand der Union mit den Ergebnissen befassen und auch den weiteren Fahrplan festlegen. Natürlich werde man mit anderen Fraktionen reden, so Kowalleck, der hofft, dass keine Polemik von der Bundesebene hineingetragen werde. „Politische Farbenspiele funktionieren im Kreistag nicht, wo es um Sacharbeit geht“, so der CDU-Landtagsabgeordnete aus Saalfeld.

SPD-Spitzen- und Scheinkandidat Marko Wolfram sprach von einem „stabilen Ergebnis“ für seine Partei und dankte den Wahlhelfern, die teilweise die Nacht durchgezählt hätten. Er könne sich vorstellen, wie in der zu Ende gehenden Wahlperiode eine Fraktionsgemeinschaft aus SPD und Grünen zu bilden, die sich bewährt habe. Als Landrat werde er selbstverständlich auf die AfD zugehen, die als zweitstärkste Fraktion wie alle anderen in die Gremienarbeit des Kreistages eingebunden werden müsse. „Dort wird sich schnell zeigen, was sie können“, so Wolfram.

„Mittelschwer erschüttert“ zeigte sich angesichts des AfD-Ergebnisses Andrea Wende, die Spitzenkandidatin der Bürger für den Landkreis (BfL). Da trete das eigene, leicht verbesserte Ergebnis fast in den Hintergrund.

Krawczyk von den Linken: „Ergebnis ist für mich enttäuschend“

Sebastian Heuchel, Kreissprecher der Grünen, sieht im Ergebnis der Kreistagswahl insgesamt „kein gutes Signal für junge Leute, die hierbleiben oder zurückkehren wollen“. Es werde nun noch schwieriger, die Region bei den Themen Klimawandel, Verkehrswende oder Zuwanderung von Fachkräften voran zu bringen.

„Das Ergebnis ist für mich enttäuschend“, redete Hubert Krawczyk, der auf Platz eins der Liste der Linken kandidierte, nicht um den heißen Brei. Es habe sich im Landkreis eine zusätzliche politische Kraft etabliert, von der die Wähler glauben, dass sie es besser können als die bisherigen Volksvertreter. Das müsse man zur Kenntnis nehmen. Ob sich die Hoffnungen der AfD-Wähler erfüllen, werde man in den nächsten fünf Jahren sehen, so der Rudolstädter.

Das könnte Sie auch interessieren:

Das große Durcheinander nach der Europa- und Kommunalwahl

So hat Ihr Nachbar gewählt: Interaktive Karte zur Europawahl 2019 in Thüringen

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.