„Wehret den Anfängen – es ist wieder so weit“: Lesung in Gera zu Bücherverbrennung

Gera  In Erinnerung an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 lasen gestern in der Bühne am Park Geraer Schauspieler, Schriftsteller, Pfarrer, Lehrer und Schüler aus Werken, die die Nazis ins Feuer warfen.

Gedenken an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 durch die Arbeitsgruppe „kontinuierliche Veranstaltungen“ im Aktionsbündnis Gera gegen rechts in der Geraer Bühne am Park. Foto: Elke Lier

Gedenken an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 durch die Arbeitsgruppe „kontinuierliche Veranstaltungen“ im Aktionsbündnis Gera gegen rechts in der Geraer Bühne am Park. Foto: Elke Lier

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Als Theatermann fand gestern der Schauspieler Peter Prautsch mit der Wahl des jüdischen Autoren Stefan Zweig den aktuellen Bezug zur Bücherverbrennung vor 82 Jahren.

Er las aus dessen „Erinnerungen eines Europäers.“ Zweig beschreibt, wie er das Libretto für Richard Strauss Oper „Die schweigsame Frau“ schrieb. „30 Meter von hier“, führte Peter Prautsch seine Zuhörer in die Lesung ein, „erlebte Strauss‘ Rosenkavalier in Gera vor wenigen Tagen seine Premiere“.

In welche menschlichen Konflikte das Verbot aller „undeutschen Autoren“ durch die Nazis den Juden Stefan Zweig als Librettisten und Richard Strauß als damals größten deutschen Komponisten in ihrer künstlerischen Zusammenarbeit stürzte, hatte Zweig meisterhaft beschrieben. Nach vier Aufführungen wurde die Oper abgesetzt, Strauss seines Amtes als Reichsmusikkammerpräsident enthoben. Stefan Zweig nahm sich 1942 das Leben.

Peter Prautsch hatte sich diesem Gedenken des Geraer Aktionsbündnisses gegen Rechts angeschlossen, „weil der alltägliche Rassismus zunimmt. Da kann ich nur sagen, wehret den Anfängen und persönlich etwas dagegen tun.“

Christa Hausigk von der Arbeitsgemeinschaft „Kontinuierliche Veranstaltungen“ innerhalb des Bündnisses als Organisator des Abends, erinnerte an die Tätlichkeiten rechter Kräfte kürzlich in Weimar und Saalfeld und meinte, dass es sich hier schon um mehr als nur Anfänge handele und sich wiederhole, was so unheilvoll in der Weimarer Republik begonnen habe. Ob Jana Huster mit Franz Kafka, Pfarrer Michael Kleim mit Klaus Mann, Magnus Hirschfeld und Louis Lewin oder Gymnasiallehrer Frank Lohse mit Else Lasker-Schüler, alle widmeten sie sich Autoren, die sensibel und sprachvirtuos mit dem Wort umgingen. Und denen die Freiheit des Wortes durch die brutale Verbrennung der Bücher, Ächtung ihrer Person oder durch Zensur genommen wurde. Oder die an Autoren und Wissenschaftler erinnerten, die sich mutig für Menschen einsetzten, die teilweise bis heute rassistisch ausgegrenzt werden.

Schüler der Theater AG des Goethegymnasiums führten eine Groteske des Wiener Journalisten Egon Friedell auf. Der stürzte sich aus dem Fenster, als1938 SA-Männer nach dem „Jud Friedell“ fragten.

Ein berührender Abend mit guter Literatur und der Erinnerung an Menschen, deren Geist und Intellekt die Flammen der Nationalsozialisten nicht zerstören konnten. Verbunden damit wurde die Forderung, eine solche Barbarei nie wieder zuzulassen.

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