Wer hat die lauteste Demo? Zwei Kundgebungen in Gera zur gleichen Zeit am gleichen Ort

Gera  Linke und Thügida-Ableger "Wir lieben Gera" hüllen den Marktplatz am Sonnabend in zeitweise ohrenbetäubenden Lärm.

Jenseits des Simsonbrunnens ist der Versammlungsplatz des Thügida-Ablegers. Foto: Sylvia Eigenrauch

Jenseits des Simsonbrunnens ist der Versammlungsplatz des Thügida-Ablegers. Foto: Sylvia Eigenrauch

Foto: zgt

Mit lauter Musik und Trillerpfeifen versuchten sich am Sonnabendnachmittag die Veranstalter von zwei Kundgebungen auf dem Geraer Markt gegenseitig zu übertrumpfen. "Frieden und Solidarität statt Krieg und Rassismus" hatten Geras Linke ihre Veranstaltung vor dem Parteibüro überschrieben. "Grenzen dicht", forderten die Teilnehmer der Thügida-Demo, der sich auch ein Geraer NPD-Stadtrat anschloss.

Vorm Parteibüro der Linken sprachen mit Ralph Lenkert und Frank Tempel zwei Bundestagsabgeordnete der Linken. Lenkert würde die Grenzen für Waffenexporte und für Steuerflüchtlinge schließen, sagte er. "Wir wollen zeigen, dass wir ein anderes Volk sind", nahm Tempel Bezug auf den Ruf "Wir sind das Volk", den Teilnehmer des Thügida-Aufzuges ab 17.30 Uhr bei der Runde durch Reichsstraße, Christian-Schmidt-Straße, Talstraße und Heinrichstraße skandierten. Gegen 18.10 Uhr endete der Zug auf dem Geraer Markt.

Die Polizei hatte zuvor beide Veranstaltungen auf dem Markt durch einen doppelten Sperrzaun getrennt. Nach Polizeiangaben versammelten sich vor dem Linken-Büro 75 Teilnehmer. 195 Personen sollen sich laut Information der Polizei dem Thügida-Aufzug durch die Stadt angeschlossen haben. Einige von ihnen trugen Fackeln.

Von Kundgebung und Demonstration will auch ein dreiköpfiges Team von BBC World aus London berichten, das Filmaufnahmen machte und Interviews führte.

Die Polizei resümierte am Abend, dass beide Versammlungen störungsfrei verliefen. Es wurden vier Straftaten angezeigt gegen Teilnehmer der Thügida-Demo: ein Verstoß gegen das Waffengesetz, eine Anzeige wegen Bedrohung, eine wegen Beleidigung und eine wegen verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. In diesem Zusammenhang wurde eine Person in Gewahrsam genommen und ein Einhandmesser sichergestellt, teilt die Polizei mit. Ein Teilnehmer bekam eine Ordnungswidrigkeitenanzeige, weil er einen „La Bomba“-Böller zündete.

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