Widerstand gegen Biermann-Quartier in Gera-Untermhaus

Bürgerinitiative in Gera-Untermhaus wehrt sich gegen Art der Bebauung in einstigem Villenpark Luboldt und gegen die geplante Verlegung des Mühlgrabens und fordert den Erhalt von wertvollem Baumbestand.

Günter Domkowsky, Sprecher der Bürgerinitiative

Günter Domkowsky, Sprecher der Bürgerinitiative

Foto: zgt

Gera. In Untermhaus formiert sich der Widerstand gegen das geplante "Biermann-Quartier". Eine Bürgerinitiative, der Anwohner und Eigentümer aus dem Quartier zwischen Leibnizstraße und Kantstraße, Schellingstraße und Tobias-Hoppe-Straße angehören, fordert den Erhalt des sogenannten Luboldt-Parks mit seinem historischen Baumbestand und des Mühlgrabens im jetzigen Verlauf.

"Wir haben einen entsprechenden Brief an die Oberbürgermeisterin geschickt", sagt Günter Domkowsky als Sprecher der Initiative. Seit Jahren ärgern sich Bewohner von Untermhaus über den Schandfleck in ihrer Nachbarschaft und fordern, dass er beseitigt wird. Seit Jahresbeginn kursiert eine Vorlage im Stadtrat, die der Bauausschuss erstmals im Januar beraten hatte. Der Beschluss, dass ein Bebauungsplan aufgestellt wird, wurde vertagt. Heute soll das Papier erneut auf die Tagesordnung und am 19. September vom Stadtrat beschlossen werden.

Zur Vorgeschichte des Quartiers: Die um 1880 für den Geraer Fabrikanten Arno Luboldt erbaute Villa in der Leibnizstraße wurde 1919 an den Kaufhausbesitzer Max Biermann verkauft. Zum Haus gehörte der bis heute erhaltene, inzwischen stark verwilderte Garten mit einem Stück Mühlgraben, der sich bis zur Kantstraße erstreckt. Der Geraer Architekt Thilo Schoder hatte die Villa im Auftrag der Biermann-Söhne gemäß der damaligen Zeit ausgestattet. An den Namen der Schwiegertochter und Fotografin der "Neuen Schule" Aenne Biermann erinnert heute der Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie.

Die Familie Biermann hatte nach der Pogromnacht der Nazis gegen die Juden 1938 ihren gesamten Besitz verkauft und war nach Palästina ausgewandert. Die Villa wurde bis zur Rückübertragung im Jahr 1994 als Kindergarten genutzt. Dann stand das Haus leer und verfiel zusehends. Zuletzt besaß Familie Pulwer die Villa, die im August 2008 zwangsversteigert und von einem anderen Angehörigen der Familie für 80 000 Euro ersteigert wurde. Das historische, inzwischen völlig zugewachsene Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz und gilt als abbruchreif.

Mancher Geraer erwartet dennoch, dass die Villa gerettet oder durch einen adäquaten Neubau ersetzt werden sollte. Das ist allerdings nicht das vordergründige Ziel der Bürgerinitiative. Sie lehnt die Vorhaben ab, die Geras Stadtrat jetzt beschließen soll. Die Anlieger kritisieren, dass der Rand des Quartiers in der Leibniz-, Tobias-Hoppe- und Kantstraße mit bis zu dreigeschossigen Häuserzeilen bebaut werden soll. Und sie kritisieren, dass in die Mitte des Parks zusätzlich noch eine Reihe mit Siedlungshäusern gesetzt werden soll.

"Damit wird die Parkanlage völlig zerstört. Und es würde historischer Baumbestand verschwinden", weist Domkowsky auf zwei Ahornbäume neben der Villa an der Leibnizstraße, die mit Ziffern versehen im Baumkataster der Stadt registriert sind, und auf den wohl größten Ginkgobaum in Gera überhaupt hinter dem Haus.

Als kritisch sieht die Initiative auch eine Verlegung des Mühlgrabens, um Platz für Häuser zu schaffen. Das Quartier liegt im Überschwemmungsgebiet der Weißen Elster. Sorge haben die Anwohner auch wegen der Parkplätze für neue Bewohner. Die Straßen im Quartier sind schon jetzt mit geparkten Autos überfüllt.