Widerstand gegen Funkmast in Lehesten

Mehrere Anwohner der Frankenwald e.G. Lehesten Agrargenossenschaft wollen in Lehesten kein etwa 35 Meter hohes Bauwerk in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihren Wohngebäuden.

Mehrere Anwohner der Frankenwald e.G. Lehesten Agrargenossenschaft wollen in Lehesten kein etwa 35 Meter

Mehrere Anwohner der Frankenwald e.G. Lehesten Agrargenossenschaft wollen in Lehesten kein etwa 35 Meter

Foto: zgt

Lehesten. Mehrere Anwohner in der Siedlung und an der Röttersdorfer Straße in Lehesten organisieren derzeit den Widerstand. Grund dafür ist die geplante Errichtung eines Mobilfunkmastes durch die Deutsche Funkturm GmbH auf dem Gelände des Agrar-Unternehmens Frankenwald e.G. Lehesten.

"Es ist ein Monster in der Nähe der Wohnbebauung", empört sich Evelie Engler. Seit etwa einem Monat wissen die Anwohner über die geplanten Hochbauaktivitäten in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft.

Zur Stadtratssitzung hatte die Lehestenerin eine Forderung gestellt: "So weit wie möglich weg, für uns und die nachfolgenden Generationen." Bürgermeister Andreas Ludwig (Die Linke) verwies abermals auf eine Entscheidung des Stadtrates, wonach ein derartiger Funkmast so weit weg wie möglich und so nah wie nötig an Wohngebäuden errichtet werden soll.

"Ich gehe mit allen Mitteln gegen den Bauantrag vor", sagte Michael Schalle. "Die Bundesnetzagentur hat angeblich schon ja gesagt", ergänzte der Diplom-Ingenieur.

Tatsächlich war beim Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt am 5. Januar der Bauantrag eingegangen. Dieser befindet sich nach Mitteilung von Martin Modes vom Fachdienst Medien und Kultur noch in der Bearbeitung. Eine Prüfung des Bauvorhabens erfolgt derzeit im Landratsamt in Saalfeld sowohl im Fachdienst Bauaufsicht als auch im Fachdienst Umwelt- und Naturschutz.

Die Beamten und Angestellten erarbeiten derzeit immissionschutzrechtliche und naturschutzrechtliche Einschätzungen, teilte Martin Modes mit. "Die abschließenden Stellungnahmen für den aktuellen Standort erfolgen unter der Voraussetzung, dass alle Angaben vorliegen, bis zum 9. März."

Die Kleine Hufeisennase – eine Fledermausart – und der Schwarzstorch könnten mögliche Hinderungsgründe für die Errichtung des Mobilfunkmastes sein. "Im Fachinformationssystem des Freistaates Thüringen für schützenswerte Arten werden am beabsichtigen Standort der Funkanlage keine Informationen bezüglich Vorkommen, Kolonien oder Wochenstuben für Fledermäuse ausgewiesen", heißt es hingegen aus dem Landratsamt in Saalfeld.

Widerspruch, eine einstweilige Verfügung oder eine Klage vor Gericht sind mögliche Reaktionen auf einen Positiv-Bescheid durch die Behörden. "Wir müssen jetzt die Trommel rühren", betonte Michael Schalle. "Erfurt, Berlin, Brüssel – mein Fax läuft schnell warm. Wichtigster Punkt ist, dass die Stadt bei ihrem Nein bleibt."

Die unmittelbaren Anwohner in der Siedlung fordern einen Alternativ-Standort deutlich weiter entfernt von der Wohnbebauung. Die gesamte Siedlung etwa bis zur Apotheke liege nach Angaben der Widerständler in einem möglicherweise gefährdeten Bereich.

Michael Schalle sprach von einer Mindest-Distanz von 400 Metern von der Wohnbebauung, die Mitte der 1990er-Jahre einmal als sinnvoll angesehen worden war. "Einige Kommunen haben sich daran gehalten."

Unterschriftenlisten sind in Lehesten schon herumgereicht worden. Etwa 60 Personen haben laut Evelie Engler teilweise auch für gesamte Familien mit unterzeichnet. Es ist geplant, einen neuen Anlauf zu starten. Diesmal sollen auch die Adressen der Einwohner notiert werden.

Politische Unterstützung kommt von der Bürgerinitiative Lehesten. "Wir haben ein Bürgerbegehren vorgeschlagen", sagte der Bürgermeisterkandidat aus dem Jahr 2010, André Hopfe.

Der Mast dürfte nach Aussage von Evelie Engler rein baurechtlich direkt an ihrer Grundstücksgrenze errichtet werden. "Ich fühle mich bedroht", sagte die Lehestenerin. "Das, was da oben dranhängt, macht uns Angst." Es gebe die Befürchtung, dass sich Krankheitsfälle häufen würden.

Am Montag hatte es eine Unterredung zwischen Anwohner Klaus Götze und dem Vorstandsvorsitzende der Lehestener Agrar e.G., Reinhard Spänig, gegeben. "Es war ein kommunikativ gutes Gespräch", sagte Klaus Götze.

Nach dessen Aussagen existiert bereits ein gültiger Mietvertrag sobald das Baurecht erteilt oder die Baugenehmigung vorliege. Der Standort selbst soll nur unweit der Röttersdorfer Straße sein. Dies habe einen besonderen Grund, erzählte Klaus Götze von der Unterredung mit Reinhard Spänig. Auch im Fall einer Tierseuche müsste das Grundstück mit dem Mobilfunkmast in jedem Fall begehbar sein.

Reinhard Spänig hatte sich nach Aussagen von Klaus Götze im Vorhinein ausdrücklich erkundigt, dass es keine Gefährdungen für Menschen und die Viehbestände gebe. Ein wesentlicher Grund für die geplante Installation des Funkmastes seien Einnahmen für das Agrar-Unternehmen gewesen.

Infos: http://www.keinneuerfunkturminlehesten.lima-city.de/

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