Wie geht es weiter mit dem „Inko“ in der Saalfelder Innenstadt?

Saalfeld  Saalfelds Händler blicken auf das Fachmarktzentrum. Kommt es? Oder nicht? Sogar die Sanierung eines Stadtbild-prägenden Gebäudes wie das INKO-Haus hängt davon ab. Zumindest ein wenig ...

Das INKO an der Saalstraße. Der Saalfelder "Industrie-Konsum" ist ein Bau von 1930, der das Saalfelder Stadtbild mit prägt. Foto: Guido Berg

Das INKO an der Saalstraße. Der Saalfelder "Industrie-Konsum" ist ein Bau von 1930, der das Saalfelder Stadtbild mit prägt. Foto: Guido Berg

Foto: zgt

Die Entwicklung der Saalfelder Innenstadt stagniert. Jedenfalls aus Sicht von Innenstadthändlern. Als ein Grund für den Stillstand wird die Hängepartie um das geplante Projekt Fachmarktzentrum am Saalfelder Bahnhof genannt. "Die ganze Stadt liegt im Koma", erklärte etwa Mario Milde, Gewerbetreibender in der Saalstraße, "alle warten darauf, was passiert".

Bereits 2008 hatte die Stadt Flächen am Bahnhof ausgeschrieben. Mit der Saller Bau GmbH fand sich ein Projektentwickler, der auf dem Bahnhofsareal ein Fachmarktzentrum (FMZ) mit einem Spektrum von Einzelhandel und Dienstleistungen entwickeln möchte. Seit die Saalfelder sich aber in einer Bürgerbefragung im Januar 2015 mehrheitlich gegen das FMZ aussprachen, herrscht Stillstand - auch wenn sich der Stadtrat im Dezember 2015 mit knapper Mehrheit hinter das Vorhaben stellte.

Auch Sven Antemann sieht "die ganze Stadt im Wartezustand". Grund ist die Befürchtung, das Fachmarktzentrum mit einer Verkaufsfläche von 9000 Quadratmetern könnte Kunden und somit Kaufkraft aus der Innenstadt abziehen. Allerdings, meint Händler Antemann: "Ob das überhaupt gebaut wird, steht in den Sternen."

Nun, soweit nach oben muss niemand blicken. Bereits im Bauamt der Stadt weiß man etwas, will es aber noch nicht sagen. "Etwas ist passiert", meinte Stadtsprecher Christopher Mielke. Es habe Verhandlungen mit dem Investor gegeben, "mehr sagen wir nicht". Zuerst sollen die Mitglieder des Bau- und Wirtschaftsausschusses über die Neuigkeiten informiert werden. "Wissen ist Macht", versucht der Sprecher eine Erklärung dafür, warum die Stadträte zuerst informiert werden wollen. Mielke zufolge werde derzeit eine Informationsvorlage für den Bauausschuss erarbeitet. "Vorher sagen wir nichts dazu."

Die Gewerbetreibenden Antemann und Milde sehen nicht von ungefähr auf die Entwicklungen in Sachen FMZ. Die beiden Händler sind über ihren Grundstücksbesitz an der Gerbergasse miteinander verbunden. Antemann ist Eigentümer des Hauses Gerbergasse 2 und des so genannten INKO-Gebäudes, ein 1930 im Stil der Neuen Sachlichkeit erbautes Kaufhaus, das zu DDR-Zeiten den "Industrie-Konsum" beherbergte. Milde ist Miteigentümer der alten Klavierfabrik auf dem Hinterhof des Areals. Dabei handelt es sich um einen unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkbau, der per Zufahrt zwischen Gerbergasse 2 und INKO-Haus erschlossen ist.

Seit Jahren steht das INKO-Gebäude leer. Es ist als Architekturbeispiel der Neuen Sachlichkeit "eines der bedeutendsten in Thüringen", schreibt Dirk Henning, Direktor des Stadtmuseums. Antemann hat das Haus im März 2005 vom Bundesvermögensamt gekauft.

Sven Antemann hat das INKO-Haus 2005 gekauft

Die jüdischen Eigentümer Becker und Salinger hatten das Kaufhaus in der Nazi-Zeit aufgeben müssen - ein Arisierungsfall zugunsten eines nazitreuen Händlers, bekannt als "Eisen-Kahl". Nach 1945 wurden der DDR-Staat Eigentümer und 1990 die Bundesrepublik. Die jüdischen Erben wurden entschädigt, informiert Antemann.

Der Saalfelder Händler hat Pläne, die aus seiner Sicht nur durch mehr Nutzfläche im Erdgeschoss umsetzbar sind. 220 Quadratmeter stehen dort bereit, "das ist zu wenig". Verkaufs-Filialen bräuchten ebenerdig mindestens 300 Quadratmeter. Einer baulichen Erweiterung steht aber die Zufahrt zu Mildes alter Klavierfabrik im Weg. Antemann hat Milde und einer weiteren Miteigentümerin vorgeschlagen, die Einfahrt auf das Grundstück des Hauses Gerbergasse 2 zu verlegen, das abgerissen werden soll.

Milde würde dabei vier Parkplätze verlieren, "die Gold wert sind". Auch würde die Hofsituation zu seinem Nachteil verändert, sagt Milde. Grundsätzlich meint er: "Eine Einigung ist möglich" und "Alles hat seinen Preis."

Kürzlich habe es ein konstruktives Gespräch zwischen Antemann und Milde gegeben. Sagt Antemann. Womöglich geht nun die Zeit des Saalfelder Stillstandes dem Ende entgegen. Es tut sich etwas - beim FMZ und beim INKO-Kaufhaus.