Windkraft-Gegner aus Tautenhain vor dem Thüringer Landtag

Erfurt  Tautenhain trägt seinen Protest gegen einen möglichen Windpark vor das Parlament. Mit viel Wut auf Grüne. Dabei arbeitet ausgerechnet das grün-geführte Umweltministerium bereits an einem Ausweg.

Demonstration der Bürgerinitiative proholzland vor dem Thüringer Landtag in Erfurt gegen den geplanten Bau von Windrädern bei Tautenhain im Saale-Holzland-Kreis. Foto: Martin Kappel

Foto: zgt

Die Tautenhainer Aktivisten haben sich extra Urlaub genommen, haben Fahrgemeinschaften gebildet und sind mit ihren Pkw nach Erfurt gefahren. Ihre Plakate des Protests haben sie mitgebracht und schwenken sie vor dem Landtagsgebäude: Keine Windkraft im Wald!

Jedenfalls nicht bei Tautenhain im Saale-Holzland-Kreis. Seit die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben eine ausgediente Militärfläche auf den Gemarkungen Tautenhains und einiger Nachbargemeinden als Windkraftstandort anpreist wie Sauerbier, ist im Holzland der Teufel los. 330 Hektar, hauptsächlich Wirtschaftswald. „Wir haben‘s mal ausgerechnet. Da passen bis zu 27 Windräder drauf“, sagt Eckart Illian, Vorsitzender des Vereins „Bürgerinitiative Proholzlandwald“ e.V. Die Anlagen, heutzutage weit über 100 Meter hoch, würden dem Ortsrand Tautenhains sehr dicht auf die Pelle rücken. 7500 Unterschriften bezeugen: Hier will niemand Windräder. Nicht mal eines.

In den Pulk der kaum 30 Demonstranten mischten sich gestern recht bald interessierte Politiker, die eigentlich drin der Plenarsitzung folgen sollten. Linke und Grüne, die SPD-Umweltfachfrau Eleonore Mühlbauer und Mario Voigt von der CDU. Tautenhain gehört zu seinem Wahlkreis. Ziemlich schnell drehte sich die teils hitzige Debatte auf der Straße um die Fallstricke des Planungsrechts. „Bei euch ist noch gar nichts geplant“, rief der poltrige Südthüringer Steffen Harzer (Linke), der schon bei seinem Vor-Ort-Besuch wenig Anklang fand. Obwohl er in der Sache recht hat.

Die fragliche Fläche im Holzland ist nicht mal Windkraft-Vorrang-Gebiet. Allerdings taugen die Festlegungen der regionalen Planungsgemeinschaft Ostthüringen ausgerechnet bei diesem Thema nicht viel. Nach einer Klage schlug das Oberverwaltungsgericht in Weimar den Regionalplanern Ost ihre ausgewiesenen Windkraftgebiete um die Ohren. Rechtsfehlerhaft, so das Urteil der Richter. „Die Planungsgemeinschaft hat einfach ihre Hausaufgaben nicht richtig gemacht“, stellt Olaf Möller, der neue Staatssekretär im Erfurter Umweltministerium, trocken fest. Dass nun ein juristisches Vakuum entstanden ist, welches Investoren nach Bundesrecht ausnutzen könnten, sei ausschließlich in Ostthüringen verbockt worden. Gleichwohl glaubt Möller nicht, dass in Tautenhain demnächst die Anlagen wie Pilze aus dem Waldboden schießen können. Und auch sein grüner Parteifreund Roberto Kobelt sagt, die Ostthüringer Planungsfehler seien korrigierbar. Allerdings müssten die verantwortlichen Bürgermeister und Landräte dafür ihre Grundeinstellung zur Windkraft ändern. „Sonst geht das noch mal nach hinten los“, warnt der Abgeordnete der Grünen.

Möller verfolgt noch einen anderen Weg. Sein Ministerium habe beim Bundesumweltministerium beantragt, das bundeseigene Areal als Naturerbe-Fläche ausweisen zu können. Es ließe sich mit schon vorhandenen südlich von Tautenhain vernetzen. Dann wäre das Windrad-Thema vom Tisch.

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