Zweite Zufahrt zum Rudolstädter Markt im Gespräch

Schluss mit dem Gekurve durch die Gassen unterhalb der Heidecksburg - die Bürger für ­Rudolstadt bringen jetzt eine zweite Zufahrt zum Marktplatz ins Gespräch, die durch die Saalgasse führen soll.

Blick von der Saalgasse auf den Rudolstädter Markt. Hier soll nach dem Willen der Bürger für Rudolstadt eine zweite Zufahrt auf den Marktplatz entstehen. Foto: Thomas Spanier

Blick von der Saalgasse auf den Rudolstädter Markt. Hier soll nach dem Willen der Bürger für Rudolstadt eine zweite Zufahrt auf den Marktplatz entstehen. Foto: Thomas Spanier

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Rudolstadt. Die Vorteile liegen aus Sicht der Stadtratsfraktion auf der Hand: Für den Verkehr aus Richtung Weimar und Jena entfällt eine etwa 1,3 Kilometer lange Umleitung über die Große Allee und Stiftsgasse, bei der man nicht nur fünf Minuten länger benötigt, sondern auch am Kindergarten "Baum des ­Lebens" und dem Gymnasium Fridericianum vorbei muss. Außerdem entstehen weniger Abgase in der Altstadt.

Verkehr aus Richtung Jena durch die Saalgasse

Laut einer Beschlussvorlage, die gestern am späten Nachmittag im Stadtratsausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Umwelt und Bau erstmals öffentlich beraten wurde, soll Bürgermeister Jörg Reichl (BfR) beauftragt werden, "die Saalgasse als zweite Zufahrt zum Markt für Pkw öffnen zu lassen." Dabei sollte die Überfahrt der Fußgängerzone analog der Überfahrt Strumpfgasse/ Große Badergasse erfolgen. Die Durchfahrtsbreite sollte durch seitliche Poller so eingeengt ­werden, dass nur Pkw durch die Saalgasse fahren können.

"Die Fahrtrichtung der Mauerstraße sollte gedreht werden, so dass man nur noch von der Anton-Sommer-Straße kommend in die Saalgasse (Einbahnstraße) einfahren kann. Die Stiftsgasse zwischen Ratsgasse und Töpfergasse soll zur Verkehrsberuhigung geschlossen (Sackgasse durch Poller) werden", heißt es im Beschluss­antrag.

Mittwochsmarkt soll an den Güntherbrunnen

Ein "Opfer" dieser Variante wäre der beliebte Mittwochsmarkt, den die Bürger für Rudolstadt in Richtung Güntherbrunnen verlegen wollen. Positiver Neben­effekt: Die Parkgebühren auf dem Markt können auch mittwochs vereinnahmt werden, wenn der Markt bisher durch die Verkaufsstände blockiert ist.

Von einer zweiten Zufahrt zum Marktplatz erhoffen sich die Antragsteller einerseits eine Belebung der Innenstadt, die angesichts des geplanten Fachmarktzentrums in Saalfeld dringend nötig sei, aber auch, dass der Verkehr über das bereits ramponierte Pflaster der Stiftsgasse wesentlich reduziert und somit für die Anwohner eine Verkehrsberuhigung spürbar wird. Die zeitweilige Umleitung der Ausfahrt aus der Stadt über die Strumpfgasse habe gezeigt, "dass eine stärkere Frequentierung der Querung der Fußgängerzone keine Probleme ­zwischen Fußgängern und Fahrzeugen" mit sich bringe, obwohl hier Hinweise auf Geschwindigkeitsbegrenzung fehlten.

Des Weiteren stelle es aufgrund der Einbahnstraßenregelung für Versorgungsfahrzeuge oder Busse zum angedachten Hotel Hinter der Mauer kein Problem dar, über die Saalgasse aus Richtung Anton-Sommer-Straße in Richtung Hinter der Mauer ein- und über die Frei­li­grathstraße auszufahren.

Gespräche mit Investoren für Hotel dauern an

Bezüglich des Hotels gibt es laut Reichl übrigens noch keinen neuen Stand. Man stehe in Gesprächen mit einem Investor, die aber diskret geführt würden. "Es geht um zehn bis 16 Millionen Euro, da ist die Suche nicht ganz leicht", so der Bürgermeister, der Gerüchten entgegen wirkte, die Stadt habe das Grundstück Hinter der Mauer bereits weiterverkauft. "Das Grundstück ist nach wie vor im Eigentum der Stadt", so Reichl.

Zugleich zerstreute er mög­liche Befürchtungen anderer Hoteliers in der Stadt. Es gehe bei dem geplanten Hotel um die Unterbringung von größeren Reisegruppen, die beispielsweise mit dem Bus in Rudolstadt ­anreisen. "Da reichen 25 oder 30 Zimmer nicht aus", so Reichl.

Im Ausschuss gestern machte Verwaltungsmitarbeiter Johannes Baier deutlich, aus Sicht des Fachdienstes Bau und Umwelt sei eine Zufahrt zum Markt über die Saalgasse aus grundsätz­lichen Erwägungen abzulehnen. Als Gründe nannte er unter anderen den baulichen Zustand der Saalgasse, die potenziellen Gefahren für Fußgänger, die Gefahr von Auffahrunfällen und Stau in der Anton-Sommer-Straße und den zu geringen Platz am Güntherbrunnen als Ausweichquartier für den Mittwochsmarkt. Dehnte man den Markt in die Marktstraße aus, liefe dies den Interessen der ansässigen Gewerbetreibenden zuwider. Zudem sei die Feuerwehr­zufahrt nicht gewährleistet.

Ebenfalls gegen den Antrag sprachen Hubert Krawczyk (Linke) und Werner Thomas (CDU), der die Saalgasse lieber als Marktausfahrt sehen würde. Der Antrag wurde letztlich mit klarer Mehrheit abgelehnt.

Beschlossen wird über den Antrag "Pkw-Zufahrt Marktplatz über die Saalgasse" abschließend in der Sitzung des Stadtrates am 12. Februar.

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