135 Jahre neue Johanniskirche Gera: Jung, doch von der Zeit gezeichnet

Gera.  Schäden im Innern und an der Fassade prägen das 135. Kirchweihfest für die Johanniskirche Gera, das im Kirchenzelt gefeiert wurde.

Nicht in ihrer Johanniskirche, sondern in einem eigens errichteten Festzelt nebenan wurde das 135. Kirchweihfest in Gera begangen.

Nicht in ihrer Johanniskirche, sondern in einem eigens errichteten Festzelt nebenan wurde das 135. Kirchweihfest in Gera begangen.

Foto: Peter Michaelis

135 Jahre sind für eine Kirche vergleichsweise wenig – und trotzdem genug für sichtbare Spuren der Zeit. Für die imposante Geraer Johanniskirche, die am 18. September 1885 geweiht wurde, gilt dies sowohl außen als auch fürs Innere. Beides prägte das traditionelle Kirchweihfest der größten Geraer Stadtkirche am Freitag.

Schäden innen am Putz und die zur Beseitigung nötigen Gerüste verhinderten ein Fest in den Räumen der Jubilarin, so dass im Kirchenzelt davor gefeiert wurde. Im Oktober sollen die Arbeiten an diesem Bauabschnitt abgeschlossen sein. Deutlich länger werden die Schäden außen, an der Fassade, die Mitglieder der Kirchgemeinde und des Ökumenischen Kirchbauvereins beschäftigen. So, wie die Johanniskirche vor 135 Jahren durch die Spendenbereitschaft der Geraer Bürger gut 100 Jahre nach dem Stadtbrand 1780 an neuer Stelle neu errichtet werden konnte, so hoffen die Beteiligten heute wieder auf breite Unterstützung für das stadtbild- und gemeinschaftsprägende Gebäude mit seinem 70 Meter hohen Turm, der am Freitag auch bestiegen werden durfte.

Ralf Rauch, früherer Geraer OB und Mitglied im Kirchbauverein, spricht vor den gut 100 Kirchweih-Gästen von drei Millionen Euro, die für die Außensanierung dieses „herrlichen Gebäudes“ in den nächsten Jahren sicher nötig werden. Auch wenn man auf Fördermittel hofft und dabei auf die Unterstützung der Stadt zählen darf, wie Geras Bürgermeister Kurt Dannenberg (CDU) in Vertretung des OB versicherte, wird es dennoch einige Unterstützung aus der Bürgerschaft brauchen. Für über 19.000 Euro Spenden konnte sich Horst Richter vom Kirchbauverein bereits bedanken, weitere 1000 Euro kamen zum Kirchweihfest allein durch die Sparkasse Gera-Greiz hinzu.

Stein für Stein hofft man mit einer neuen Spendenaktion weiter vorwärts zu kommen. Für Spenden ab 50 Euro bekommt der Unterstützer ein Klinkerriemchen als Symbol für die Klinker der Kirch-Fassade, deren Fugen unter anderem zwingend erneuert werden müssen. 250 der durchnummerierten Steine würde er gern an die Spender bringen, sagte Horst Richter.

Im festlichen Teil des Kirchweihjubiläums hoben unter anderem Propst im Ruhestand Hans Mikosch, der die Andacht hielt, sowie in Grußworten Bürgermeister Danneberg, der Dekan der katholischen Gemeinde, Bertram Wolf, und der neue Superintendent Hendrik Mattenklodt, die Bedeutung der Kirche fürs Stadtbild, die Stadtgeschichte, aber auch als identitätsstiftender Ort der Begegnung und des Innehaltens für Gläubige und Konfessionslose gleichermaßen hervor.

Im Oktober öffnet die Johanniskirche wieder ihre Pforten, das Kirchenzelt wird bereits Montag wieder verschwinden. Zuvor empfängt es am Samstagnachmittag den neuen Superintendenten, am Abend die Geraer CDU zum Oktoberfest und Sonntag den Goldenen Spatz.