Wort zum Sonntag

Alle Jahre wieder . . .

Christof Schulze, Pfarrer in Wünschendorf.

Pfarrer Christof Schulze Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde St. Veit Wünschendorf/Elster

Pfarrer Christof Schulze Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde St. Veit Wünschendorf/Elster

Foto: Peter Michaelis

Kommt das Christuskind und als Vorbereitungszeit der Advent. Eigentlich immer dasselbe. Wir kennen es auch nicht anders: die Fenster werden mit Lichterbögen geschmückt, der Adventskranz mit seinen 4 Kerzen und seinem duftenden Grün schmückt unsere Wohnungen. Etliches „himmlisches Federvieh“ (Engelchen) wird aufgestellt, Strohsterne werden drapiert, Nussknacker bekommen wieder ihre Dienstanweisung und aus den Küchen duftet es nach selbst gebackenen Plätzchen, Christstollen und Lebkuchen. Alle Jahre wieder!

Und doch ist heuer fast nichts so, wie es immer war. Keine sogenannten Weihnachtsfeiern in Betrieben, Büros, Praxen, Vereinen, Gasthäusern. Keine Weihnachtsmärkte, kein Weihnachtsoratorium oder andere Chorkonzerte, da die Chöre nicht üben dürfen. Zu Weihnachtsgottesdiensten werden Platzkarten im Vorfeld verteilt oder finden die Christvespern im Freien statt. Heilig Abend ohne Krippenspiele! Wenn mir das einer vor einem Jahr erzählt hätte, dem hätte ich aber was erzählt.

Beschränkte Personenzahlen zu den Feiertagen auch in den Familien, wie soll da die richtige Stimmung aufkommen? Kommt es aber gerade zu Weihnachten auf Stimmung an? Ist der Advent nicht als christliche Fastenzeit uns Zeit der Stille und Besinnung gedacht?! Was haben wir daraus gemacht? Stress und Hektik, Kommerz und Konsum, Shopping ohne Ende… Alle Jahre wieder! Nein!

Eben nicht alle Jahre wieder. Dieses Jahr ganz anders. Vielleicht ist die Christvesper auf dem Dorfplatz sehr viel echter, selbst wenn das Wetter schlecht sein sollte; und kommt dem eigentlichen Ereignis, welches wir zu Weihnachten gedenken, viel näher: Gott wird Mensch in aller Armut eines Stalles. Nichts ist ihm zu gering, als dass er es nicht ausfüllen könnte. Gott braucht keinen großen Bahnhof, weil er selbst groß genug ist, um sich klein und arm zu machen. Ihm geht es nicht um all das, was uns wichtig zu sein scheint. Er will uns in unserem Herzen erreichen.

Vielleicht erleben wir in diesem Jahr die Advent- und Weihnachtszeit mal ganz anders, tiefer und authentischer. Vielleicht nehmen wir auch manche Erfahrung in die Zukunft mit. So stimme ich hoffnungsvoll mit ein: Tochter Zion freue dich, sieh´ dein König kommt zu dir.