Ansitzen in Geras Spaethe-Passage

Gera.  Erstes privates Boulevardtheater Thüringens in Gera öffnet Neugierigen seine Tür.

Sie warten auf ihren mitgebrachten Stühlen, die in der Kleinen Komödie im Gera aufgestellt werden. 

Sie warten auf ihren mitgebrachten Stühlen, die in der Kleinen Komödie im Gera aufgestellt werden. 

Foto: Ilona Berger

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Stuhl gegen Karte. Ein Tausch, der nicht alltäglich ist. So leicht sind die Gerschen noch nie an ein Freiticket zu einer Premiere gekommen. Nicht nur Einheimische nutzten am Sonnabend die Gelegenheit, am 8. Februar bei „Funny Boys“ dabei zu sein und vorab einen Blick in die Kleine Komödie im Hugo zu werfen. Lothar Bölck dachte sich die skurrile Aktion aus. Der Kabarettist und Autor wollte so die Leute auf eine neue Kulturstätte im Herzen der Stadt neugierig machen. „Es ist das erste private Boulevardtheater in Thüringen. Indem finden 100 Leute Platz. Deshalb brauchen wir Stühle, unterschiedliche aber.“ 150 Leute kamen mit 124 Sitzmöbeln, neu und alt, gepolstert und hart, aus Kunststoff und Holz.

„Prag hatte den Fenstersturz, Berlin den Mauerfall und Gera den Stuhlgang“, begrüßte Bölck die Spender. Dem Gesichtern wurde Grinsen entlockt. Da das Ansitzen in der Spaethe-Passage dauerte, schenkten jungen Frauen Glühwein aus. Die Stimmung stieg.

Fotos nach Ägypten geschickt

Reinhard Pfeil reiste aus Weida an. Reiner Markgraf kaufte extra Stühle, um Karten zu erhaschen. „Ich bin ein regelmäßiger Kabarettgänger“, sagt er. Der ist auch Thomas Link aus Harpersdorf. Er zeigte auf seinen schwarzen Kunstlederstuhl und meinte, „gut gepolstert.“ Auf Orange setzte Beate Tschirlei. Die Farbe harmoniert mit der in der Spielstätte. „Die zwei Sitzmöbel habe ich 1998 gekauft. Sie standen am Freitag noch im Gästezimmer. Ich habe sie ordentlich gesäubert.“ Fotos machte Petra Heuschkel, um sie per App zu verschicken. „Bevor unsere Freunde nach Ägypten in den Urlaub gefahren sind, haben sie uns die Stühle noch vorbeigebracht. Eine wunderbare Idee mit der Komödie. Unsere Stadt ist nicht schlechter als andere.“ Ein original Eichenstuhl aus den München Hofbräuhaus kam von Dresden nach Gera. Der Wirt vom Restaurant Kügelgenhaus spendete ihn. „In unserem historischen Gewölbekeller bieten wir regelmäßig Veranstaltungen an“, erklärte Olaf Ruhns die Anreise. Helfen ist Ehrensache.

Das wohl älteste Sitzmöbel, das in der Komödie gelandet ist, schreibt Sibylle Taubert den 20er-Jahren zu. „Es stand auf dem Boden. Ich bin eigentlich dafür, dass wir immer mal ausmisten. Jetzt bin ich froh, dass wir den Stuhl noch hatten“.

Oberbürgermeister Julian Vonarb rückte mit einem orangenen und einen gelben Stuhl an. Beide seien Farbtupfer, pflegeleicht und stapelbar, pries er die Vorzüge an.

„Wir sind Fans von Lothar Bölck und haben uns immer Kanzleramt Pforte D im MDR angeschaut. Toll, dass er nun nach in Gera spielt“, freuen sich Monika und Ernst Hoenig. „Letzte Stuhlbringerin war Schwester Erdmuthe“, verriet Bölck. „Wenn wir von der Bühne fallen, kann uns das Team gleich pflegen.“ Der Kabarettist zeigte sich nach turbulenten zwei Stunden „geflasht“ von der überwältigenden Resonanz. „Einige haben uns noch Tische und Pflanzen angeboten.“

Damit künftig jeder Besucher weiß, auf welcher Spende er sitzt, wurden gleich an jeder Lehne ein kleines Namensschilder aus Papier angebracht. Sie weichen später jenen aus Metall.

Um in Gera mit Geraern für Geraer Theater zu machen, wurde der Verein Kleine Komödie Gera gegründet. Lothar Bölck und sein Kabarettistenfreund Thomas Puppe sind die Geschäftsführer,

In der Spielstätte im Hugo wird satirisches Boulevardtheater mit Lesebühne und prominenten Gästen wie Wolfgang Stumph oder Uwe Steimle gepaart sein.

Tickets für die Kleine Komödie gibt es ab in der Gera-Information, Telefon 0365/838 11 11, und in allen bekannten Vorverkaufsstellen, Spielplan im Internet www.kleine-komoedie-gera.de, Telefon 0365 /835 067 42

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