Gera. Angelika Munteanu über eiliges Reagieren eines Ministers und Ohnmacht vor Ort.

Thüringens Innenminister hatte es am Freitag eilig, kurzfristig nach Gera zukommen. Im Krisengespräch zur Flüchtlingsunterkunft wurde viel erklärt, danach auch für die Öffentlichkeit. Doch bleibt seiner Abreise die Ohnmacht zurück. Ja, Gera, wo in wenigen Tagen eine neue Flüchtlingsunterkunft in Betrieb gehen wird, soll gesichert werden. Doch das wird zur zusätzlichen Belastung für die Polizei vor Ort, auch wenn sie vom Lande verstärkt werden soll. Was auf die Stadt tatsächlich zukommen wird, ist ungewiss. Möglichst Familien, die ruhiger sind als vielleicht einzelne Männer aus anderen Kulturkreisen, will der Minister nach Gera schicken, um Suhl zu entlasten. Ob Familien tatsächlich keine Kinder dabei haben, bleibt abzuwarten. Denn dann könnte das Schulnetz in Gera noch weiter überstrapaziert werden. Schon jetzt fehlen neben Lehrern hunderte Unterrichtsplätze, vor allem für Flüchtlingskinder. Landessache, für die sich der Kultusminister aber den Hut nicht aufsetzen will. Und wenn es den Asylbewerbern in Gera gefällt, werden sie bleiben und das Sozialsystem in der Stadt mit der höchsten Arbeitslosigkeit und den meisten Ukrainern in Thüringen zusätzlich belasten. Kein Wunder, dass die Gesichter in Gera verkniffen blieben, als der Minister wieder ging.